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Test : Bofrost oder Eismann: Wer ist besser?

  • -Aktualisiert am

So sieht der Sieger aus. Bild: Eismann

Wer keine Lust hat, zum Supermarkt zu gehen, kann sich sein Essen von Lieferdiensten wie Bofrost oder Eismann bequem nach Hause liefern lassen. Doch wer ist besser? Wir haben sie getestet.

          3 Min.

          Es sind nicht sehr viele Dinge, die man in 15 Minuten erledigen kann. Aber eines schaffen deutsche berufstätige Männer zuverlässig in dieser Zeit: Essen zuzubereiten. So jedenfalls belegen es die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Und man kann den Turboköchen nicht einmal nachsagen, dass es automatisch schlechtes Essen wäre, was danach auf den Tisch kommt. Wie das geht? Mit Tiefkühlkost. Die ist jederzeit griffbereit, portionierbar, schnell zubereitet und in der Regel auch ganz gesund. Denn die Nährstoffe halten sich in Tiefkühllebensmitteln besser als in jedem Frischgemüse, das ein paar Tage im Kühlschrank liegt, dies belegen Studien von Ernährungswissenschaftlern.

          Kein Wunder also, dass sich die eiskalten Lebensmittel hierzulande ungeheuer gut verkaufen: Rund 3300 Millionen Kilo davon verputzen wir Deutschen pro Jahr, das sind knapp 41 Kilo pro Kopf. Heute kommen doppelt so viele Tiefkühllebensmittel auf den Tisch wie noch 1985, vor allem weil Hektik und Zeitnot den Alltag bestimmten, sagen Verbraucher in Umfragen selbst. Vor allem Fisch und Kartoffeln packen wir uns immer öfter in die Gefrierfächer, aber natürlich auch Fertiggerichte und Pizza. Und schon beim Einkaufen lieben es viele Kunden bequem: Besorgt wird Tiefkühlkost nicht nur in Supermärkten und Discountern, jeder zehnte Haushalt bestellt sie bei einem der beiden großen Tiefkühlbringdienste. Bofrost und Eismann, die beiden Rivalen auf dem deutschen Markt, liefern gefrorene Lebensmittel frei Haus. Wer ist besser? Der Marktführer Bofrost mit 70 Prozent Marktanteil oder der kleinere Eismann? Wir haben es ausprobiert.

          Bestellauswahl ist riesig

          Bestellen kann man bei beiden übers Internet, und die Gesamtauswahl ist riesig: Bofrost hat nach eigenen Aussagen 450 Produkte im Sortiment, Eismann 700. Bei beiden merkt man schnell, dass sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Die Gemüseauswahl bei Bofrost ist zum Beispiel ziemlich mau, bei den Mischungen ist Eismann viel kreativer. In der Kategorie „Brot“ hat dafür Bofrost die Nase vorn. Eismann punktet deutlich beim Dessert: Kuchen, Torten und - wie der Name schon sagt - Eis sind die Spezialitäten dieses Anbieters. Bei Fertiggerichten überbietet Eismann den Konkurrenten auch deutlich mit 149 zu 41 Produkten.

          Dafür kann man bei Bofrost auch kleine 400-Gramm-Tüten bestellen, der Konkurrent liefert vieles nur im Kilopack, oft sogar noch größer. Da fragt man sich vor allem beim Gemüse, wie oft man eine geöffnete Tüte wohl herausholen und wieder zurücklegen kann, ohne dass der Inhalt Gefrierbrand bekommt, weil er mit Luft in Berührung gekommen ist. Schädlich sind solche Stellen ja nicht, aber oft ungenießbar. Vor allem Wenigesser wie Singles und Senioren dürften da zu Bofrost greifen.

          Auch bei der Bestellung macht Bofrost es seinen Kunden deutlich leichter: Der Online-Shop ist übersichtlich sortiert. Man klickt die Tiefkühltüten aus den Listen in den Warenkorb, legt ein Kundenkonto an - und fertig ist der Ferneinkauf. Na ja, nicht ganz. Bei mehreren Testbestellungen ließ sich beim Absenden der Einkaufsliste die Preisspalte nicht erkennen, trotz üppigem Laptopbildschirm. So muss man selbst überschlagen, was der Einkauf wohl am Ende kostet.

          Bei Eismann dagegen wird es kompliziert. Hier muss man zuerst als Kunde angemeldet sein - und einen Produktkatalog bestellen, der einem dann vom Eismannfahrer irgendwann ins Haus gebracht wird. Dann erst soll man online bestellen. Wer es als Neukunde eiliger hat, behilft sich, indem er den Produktkatalog online durchblättert, sich die nötigen Produktnummern notiert und das Ganze in eine Einkaufsliste einträgt, die zudem einen Mindestbestellwert von 30 Euro verlangt. Richtig benutzerfreundlich ist das nicht. Zudem verschwindet der ganze zusammengeklickte Einkaufszettel, wenn man einzelne Produkte wieder löscht. Nur wer jetzt einen kühlen Kopf behält und den „Zurück“-Knopf anklickt, sieht seine aktualisierte Liste vor sich. Die Tester brachte diese Bestellung mehrmals zum Kochen - vor Wut.

          „Service von Mensch zu Mensch“

          Danach riefen die Leute von Eismann mehrfach an. Wann der Lieferfahrer kommen solle? Das hatten wir bei der Bestellung bereits elektronisch angegeben und erfuhren nur per Telefon, dass das tatsächlich möglich sei. Nun ist „Service von Mensch zu Mensch“ zwar eigentlich der Slogan der Bofrost-Website, hier beschränkte sich aber das Computersystem darauf, mir eine Bestätigungsmail mit Terminzusage zu schicken, vollelektronisch und unkompliziert. Bofrost las, mailte und kam. Sogar pünktlich auf die Minute, das war Eismann übrigens auch.

          Zuerst stand Eismann-Mitarbeiter Luca vor der Tür, drückte mir freundlich und flott mein Essen in die Hand und noch den Gesamtkatalog. Er war schnell, hatte dafür aber leider ein falsches Produkt im Gepäck, ausgerechnet bei der Eissorte hatte er sich vergriffen. Bofrost-Fahrer Alexander lieferte kurz darauf alles korrekt. Er hatte viele warme Worte übrig für die neue Kundin, darunter aber auch viel heiße Luft: „Sie werden nirgendwo etwas Besseres kriegen als bei uns.“ Es gibt die Bofrost-Geschmacksgarantie, lernte ich: Wenn etwas absolut nicht schmeckt, schreibt Bofrost den Betrag für das Produkt bei der nächsten Bestellung gut.

          Der Geschmackstest fiel überraschend eindeutig aus - allerdings für die Konkurrenz. Die Eismann-Produkte kamen bei den Testessern insgesamt besser an. Nur bei den Feinschnitt-Pommes lag Bofrost deutlich vorn. Natürlich lässt sich über Geschmack trefflich streiten, und repräsentativ war die Auswahl von acht ähnlichen Produkten beider Tiefkühldienste nicht. Die Tester jedenfalls würden nächstes Mal eher wieder bei Eismann bestellen. Den Katalog haben wir ja jetzt. Und das mit der Interneteinkaufsliste kriegen wir beim nächsten Mal bestimmt geschmeidiger hin.

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