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Einkaufen am „Black Friday“ : Bereit für die Schnäppchen?

  • -Aktualisiert am

Es wird alles mitgenommen am „Black Friday“ in Amerika. Bild: AFP

Die aus Amerika herüber geschwappte vorweihnachtliche Schnäppchenwelle erfasst in diesen Tagen auch die deutschen Innenstädte. Aber nicht jedes Sonderangebot am „Black Friday“ und „Cyber Monday“ ist auch wirklich eines.

          Es wird gedrängelt, gestoßen und geschubst - für die angeblich besten Schnäppchen des Jahres sind fast alle Mittel erlaubt. Jedes Jahr sind es unglaubliche Szenen, die sich in Amerika abspielen. Riesige Menschenmassen verstopfen schon am frühen Morgen Großstädte wie New York oder San Francisco. Es ist „Verbraucher-Nahkampf“, es ist „Black Friday“.

          In den Vereinigten Staaten ist dieser große Einkaufstag schon seit Jahrzehnten eine feste Institution. Der Brückentag zwischen dem Thanksgiving-Fest und dem vierten Wochenende im November wird von den amerikanischen Verbrauchern geliebt und zelebriert. Fast mehr noch als Halloween oder Weihnachten, auch wenn es im Internet mittlerweile ebenfalls die Möglichkeit gibt, ohne großes Schubsen an diesem Tag einzukaufen. Doch live dabei zu sein - das lassen sich nach wie vor viele Amerikaner nicht entgehen.

          Wichtiger Indikator für den Einzelhandel

          Denn fast alle Geschäfte locken an diesem Tag mit Niedrigpreisen und längeren Öffnungszeiten. Seitens der Einzelhändler bedeutet der Black Friday nicht nur außerordentlichen Stress - er ist für viele der wichtigste Indikator für die kommenden Verkaufswochen vor Weihnachten. Denn allein der Name sagt schon vieles aus: Der Black Friday ist benannt nach einer Branchenregel, wonach an diesem Tag Einzelhändler die Gewinnschwelle für das Jahr überschreiten und schwarze Zahlen schreiben - oder auch nicht. Damit das Ergebnis am Ende aber stimmt, hat sich die Branche schon vor Jahren etwas einfallen lassen.

          Auf dem Herald Square in New York tummeln sich viele Schnäppchenjäger.

          Wer als Verbraucher am besagten Freitag (in Amerika) nämlich nicht durch volle Shopping-Malls laufen und sich am Nahkampf am Ladentisch beteiligen will, der geht einfach am „Cyber Monday“ online einkaufen. So ist dieser Einkaufstag, der Montag nach dem Thanksgiving-Fest, in den vergangenen Jahren in Amerika zu einem der populärsten Tage für den Interneteinkauf geworden – und neben dem „Black Friday“ zum zweitwichtigsten Einzelhändlertag.

          Der weltgrößte Online-Händler Amazon geht noch einen Schritt weiter und hat seit Jahren die „Cyber Monday-Woche“ ausgerufen. Der Konzern wirbt mit über 10.000 Angeboten, die demnach bis zu 50 Prozent reduziert sind. In dieser Woche gehen im schnellen Wechsel zahlreiche Blitzangebote online. Alle fünf Minuten ein anderes Produkt, das bis zu 50 Prozent günstiger angeboten wird. Ohne schubsen und drängeln, lediglich die Kreditkarte wird gebraucht.

          Nicht alles ist auch wirklich ein Schnäppchen

          Auch bei uns in Deutschland wird der „Black Friday“ und der „Cyber Monday“ die Umsätze ankurbeln. Durch zahlreiche Rabattaktionen rund um das letzte Wochenende im November erwartet der deutsche Einzelhandel zusätzliche Umsätze in Milliardenhöhe. Wie der Handelsverband Deutschland (HDE) mitteilte, dürften 1,7 Milliarden Euro an diesem Wochenende umgesetzt werden, nach 1,1 Milliarden Euro in 2016. Die Pro-Kopf-Ausgaben betrugen an beiden Tagen im vergangenen Jahr rund 300 Euro. Wenig erstaunlich also, dass für das Jahr 2017 ein neuer Rekord erwartet wird. 

          Bei uns in Deutschland gehen Einzelhändler das Thema Rabattschlacht im Vergleich zu Amerika noch etwas anders an. Bisher haben wir zwar keine chaotischen Szenen in den Fußgängerzonen der großen Städte, dafür befeuern aber spezielle Sonderangebote für bestimmte Aktionstage schon vor dem Fest die Konsumlust. Jeder Verbraucher, der Kunden-Newsletter von Händlern bezieht, wird vor dem Black Friday eine Armada von diversen Gutschein-Codes und Spezial-Angeboten im Mail-Postfach haben.

          Schnell zur Kasse - in vielen Discountern wie hier bei Target in Highland, Indiana bilden sich lange Schlangen.

          Doch ob man nun in der Innenstadt oder im Internet versucht, Schnäppchen zu machen - man sollte einen kühlen Kopf bewahren und in diesen besonderen Einkauftagen nicht nur Preisvergleiche machen, sondern auch auf ein paar andere Dinge achten. Denn nicht alles, was angeboten wird, sind wirkliche Schnäppchen. Oft bezieht sich ein Rabatt nämlich auf den überteuerten unverbindlichen Verkaufspreis (UVP), der dem Handel seitens des Herstellers als Weiterverkaufspreis an den Kunden empfohlen wird und nicht auf den oft deutlich niedrigeren Preis, zu dem ein Produkt wirklich verkauft wird. 

          Im Netz nur seriöse Händler nutzen

          Ebenso sollte man in Zeiten von Online-Shopping besonders im Internet aufmerksam unterwegs sein. Vor allem bei Angeboten ausländischer Online-Shops sollte genau hingesehen werden. Hohe Versand- und  Zollgebühren können hier das ursprüngliche Schnäppchen am Ende zunichte machen. Damit eben keine Probleme rund um die Themen Versandkosten und Bezahlung aufkommen, empfiehlt es sich zudem nur seriöse Shops aufzusuchen. Ein Blick in Foren, auf deren Facebook-Seite sowie auf deren AGBs kann bereits Aufschluss geben.

          Ein weiterer wichtiger Aspekt bei den Schnäppchenkäufen ist das Umtausch- und Reklamationsrecht. Der Gesetzgeber gibt Verbrauchern 14 Tage Zeit, einen Online-Kauf zu widerrufen. Manche Händler haben diese Frist sogar von sich aus auf 30 oder 60 Tage verlängert. Oft ist es aber so, dass Mängel erst später entdeckt werden. Hier greift das Gewährleistungsrecht. Es regelt, dass ein Händler Mängel in den ersten sechs  Monaten nach dem Kauf auf ihre Kosten beseitigen muss. Es sei denn, er kann nachweisen, dass der Mangel vom Kunden verursacht wurde.

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