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Aufgepasst beim Wechsel : Achtung, Billigstrom!

Selbst wer bei den Angeboten auf Vergleichsportalen die Prämien ausschließt und sich nur die reinen Strompreise anzeigen lässt, sollte sich nicht sicher fühlen. „Bei den Billigtarifen ohne Bonus treten Preiserhöhungen mit der gleichen Häufigkeit auf wie bei Tarifen mit Bonus“, sagt Meyer. „Es ist ein Trugschluss, dass man sich bei Tarifen ohne Bonus entspannt zurücklehnen kann.“

Kunden der BEV werden wohl weder Prämien noch Guthaben zurückerhalten. Auf jeden Fall sollten sie schleunigst eine Lastschrift widerrufen und kein Geld mehr auf ein BEV-Konto überweisen, sondern auf ein Extrakonto des vorläufigen Insolvenzverwalters. Betroffene Kunden bekommen ihren Strom nun vom Grundversorger, jedoch zu einem höheren Preis. Ein neuer Wechsel ist also angesagt. Check 24 versucht dabei, das Beste für sich herauszuholen. Das Portal lockt alle, die bei ihm einen BEV-Tarif abgeschlossen haben, mit einem Gutschein von 30 Euro. Eingelöst werden kann er, wenn ein neuer Vertrag über Check 24 abgeschlossen wird. So geht das Spiel wieder von vorne los.

„Fast jeder vierte Energieversorgungsvertrag von Haushaltskunden wird inzwischen über ein Vergleichsportal vermittelt“, sagt der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, vergangenes Jahr fest. Alleine kann sich ein Stromkunde kaum einen Überblick über die Angebotsvielfalt verschaffen, denn im Durchschnitt kann jeder Haushalt unter 124 Anbietern wählen, wie die Bundesnetzagentur errechnet hat.

Nun gibt es Kritik an den Online-Maklern.„Verbraucher wären besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten“, sagt Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die Portale „mit großer Sorgfalt und Transparenz informieren“.

Die von den Lieferanten gezahlten Provisionen hätten keinen Einfluss auf das Ranking der Angebote, versichern die Makler, die ihre Rolle nicht als Kontrolleure der Stromlieferanten sehen. „Wir sind als Vergleichsportal nicht die Wächter des Marktes, sondern können den Markt nur transparent widerspiegeln“, sagt Verivox-Managerin Dagmar Ginzel. Ähnlich argumentiert Check24. „Wir haben keine umfassende Einsicht in die finanzielle Situation von Energieanbietern“, teilte ein Sprecher mit.

Die Makler schieben den Schwarzen Peter weiter. Es sei Aufgabe der Bundesnetzagentur, „eine möglichst sichere, preisgünstige und verbraucherfreundliche Versorgung mit Strom und Gas sicherzustellen“, betonte Ginzel. Im Fall BEV wie bei früheren Anbieterinsolvenzen zeige sich aber, dass die Behörde „eher zu spät als zu früh eingreift“. Die Bonner Behörde sieht das anders: In alle Fällen seien „stets die jeweils erforderlichen Aufsichtsmaßnahmen eingeleitet“ worden, erklärte sie.

Die Bundesnetzagentur wirbt grundsätzlich dafür, den Wettbewerb zwischen den Anbietern zu nutzen, um sich gegen steigende Strompreise zu wappnen. Das tun zwar viele Haushalt. Fast 4,7 Millionen von ihnen haben im Jahr 2017 ihren Stromlieferanten gewechselt. Doch die Zahlen stagnieren im Vergleich zum Vorjahr, was Netzagentur-Chef Jochen Homann für „unverständlich“ hält.

Unter denen, die einen neuen Stromanbieter suchen, sind aber immer mehr Profiwechsler, „die jedes Jahr eine neues günstiges Angebot finden“, wie Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beobachtet hat. Die Billiganbieter geraten damit von zwei Seiten unter Druck. Weniger Kunden bleiben ihnen auch nach Auslaufen der Lockvogelangebote treu. Zugleich steigen ihre Beschaffungskosten. Denn der Preis an der Strombörse, wo sich viele Discounter kurzfristig eindecken, ist nach Zahlen der Bundesnetzagentur seit Anfang 2018 um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Im Endeffekt, da sind sich Vergleichsportale und Netzagentur einig, muss der Verbraucher selbst aufpassen. Grundsätzlich gebe es „keine dauerhaft günstigen Tarife“, betonte Verivox-Managerin Ginzel. „Ob ein Unternehmen über das erste Vertragsjahr hinaus dauerhaft günstige Tarife anbieten kann, ist ein Blick in die Glaskugel“, hieß es bei Check.24. Und ein Sprecher der Netzagentur sagte: „Generell empfehlen wir Verbrauchern, auffallend günstige Angebote genau zu prüfen und sich der möglichen Risiken bewusst zu sein.“

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