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Bildbearbeitungs-Apps im Test : Wer macht das Foto besser?

  • -Aktualisiert am

Der Himmel düster, der Dom grau - was können die Autokorrekturen der Apps da ausrichten? Bild: Stefan Finger

Apps für die Bildbearbeitung vollbringen kleine Wunder. Das Selfie wird schärfer, die Landschaft weniger verregnet. Und diese Technik kostet nicht mal viel.

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          Der Schuss sitzt nicht immer: Mal gerät die Bergkulisse zu dunkel, mal strahlt die Familie mit roten Kaninchenaugen vor dem Weihnachtsbaum. Moderne Bildbearbeitungsapps korrigieren missratene Handyfotos. Mit einem Wisch die Helligkeit, den Kontrast und die Sättigung regulieren, das können alle Apps. Doch Farbton, Licht oder Härte des Fotos verändern - bei den Filterfunktionen trennt sich die Spreu vom Weizen.

          Afterlight zählt laut Downloadzahlen zu den drei beliebtesten kostenpflichtigen Bildbearbeitungs-Apps. Mit weniger als einem Euro kommt das Programm als Schnäppchen daher - doch ist das gemessen am Leistungsumfang immer noch zu teuer. Es fehlen Basisfunktionen wie eine Rote-Augen-Retusche oder eine automatische Bildkorrektur. Zahlreiche Filter lassen das Foto zwar mal etwas blasser, bunter oder blaustichig erscheinen. Doch sie unterscheiden sich nur wenig und wirken genauso unkreativ wie der einzige weitere Effekt: Farbige Strahlen und Schatten, deren Sinn sich auch auf den zweiten Blick nicht erschließt.

          Ganz anders Enlight. Filter lassen sich hier auch selektiv in ausgewählten Bildbereichen anwenden. Und wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich der Eiffelturm in New York machen würde, kann einfach zwei Fotos verschmelzen - auf Wunsch auch kopfüber. Zwei essentielle Funktionen bietet die App allerdings nicht: eine automatische Bildkorrektur und Rote-Augen-Retusche. Den Machern der vier Euro teuren Nobel-App erschien das vermutlich zu lapidar.

          Der Photo Editor Pro kann da nicht ganz mithalten, auch wenn er eine hübsche Option zur künstlerischen Veredelung bereit hält: Mit dem Finger lassen sich Bereiche eines Schwarzweißfotos einfärben. Das kostenlose Basisangebot enthält nur wenige Filter. Weitere müssten hinzugekauft werden, ebenso wie Rahmen oder Sticker. Ein Paket mit 18 Schnurrbartstickern kostet zum Beispiel 1,48 Euro.

          Längst hat auch Google die Bildbearbeitung als Markt erkannt und 2012 die Gratis-App Snapseed gekauft und weiterentwickelt. Die futuristische Bedienung stiftet anfangs Verwirrung. So werden Untermenüs nur beim Tippen auf den Bildschirm sichtbar. Praktisch: Auch für ausgewählte Bereiche des Fotos lassen sich Helligkeit, Sättigung und Kontrast einstellen. So wird ein zu dunkel geratener Himmel aufgehellt, ohne dass sich der Rest des Bildes verändert. Eine nützliche Option.

          Photo Studio Pro kann ihren vergleichsweise stolzen Preis von 4,45 Euro nicht rechtfertigen. Die App hat zwar alles, was der Otto Normalnutzer braucht, inklusive einiger netter Filter, bietet aber auch nicht mehr als die kostenlosen Apps. Wirklich ausgefallen ist einzig die Funktion „Klonen“: Damit kann sich der Nutzer vervielfältigen und seine Doppelgänger in eine andere Ecke des Bildes oder in ein anderes Foto plazieren. Außerdem praktisch: Nicht nur für das Bild als Ganzes gibt es eine Autokorrektur, sondern auch für einzelne Bereiche.

          Rote Augen, düsterer Dom - welche App kann helfen?

          Picsart ist die Bildbearbeitungs-App für Kreative. Es gibt zahllose Möglichkeiten, Fotos zu verwandeln und zu gestalten. Ein Klick - und der fotografierte Kölner Dom wird zum Ölgemälde, zur Pastellzeichnung oder zum Pop-Art-Kunstwerk. Das Bild lässt sich in freier Form beschneiden und mit Sprechblasen zur Fotostory verwandeln. Selfie-Freunde können sich die Zähne heller und die Haut reiner machen. Einziges Manko: Ein versehentlicher Klick auf den nervigen Werbebalken am unteren Rand ist fast unvermeidlich.

          Photoshop gilt am PC als die Mutter aller Bildbearbeitungsprogramme. Mit der Gratis-App Photoshop Express bietet Adobe eine Smartphone-Version. Sie überrascht zwar nicht mit Originalität, überzeugt aber durch Übersichtlichkeit sowie umfangreiche und hochwertige Basiswerkzeuge: Zahlreiche Filter zeichnen die Selfie-Haut weicher und die Wangen rosiger. Leider ist auch diese App nur auf den ersten Blick kostenlos. Denn einige Funktionen und Filter gibt es nur als In-App-Kauf. 2,20 Euro kostet ein Paket mit 20 Filtern.

          Doch welche App liefert im Praxistest die besten Ergebnisse? Die Kompetenz beim Korrigieren roter Augen und beim Aufhübschen einer tristen Aufnahme der verregneten Kölner Skyline gehen in die Wertung ein. Den Apps Afterlight, Snapseed und Enlight fehlt eine Einstellung, um rote Augen zu entfernen. Die Konkurrenz bewältigt die Aufgabe gut und ohne erkennbare Unterschiede. Alle Fotos sehen hinterher aus, als habe es rote Augen niemals gegeben.

          Der Himmel düster, der Dom grau - was können die Autokorrekturen der Apps da ausrichten? Während Photoshop Express das Foto stark aufhellt, verstärkt Picsart den Kontrast so sehr, dass das Bild schon fast an ein Gemälde erinnert.

          Fazit: Photoshop Express liegt unter dem Strich nicht nur im Autokorrektur-Test vorn, sondern macht insgesamt den besten Eindruck unter den sieben getesteten Apps. Foto-Laien, die mit einem Klick retten wollen, was zu retten ist, liegen mit dem Allrounder richtig. Wer dagegen gern mit Fotos spielt, indem er sie verfremdet oder mit ausgefallenen Rahmen schmückt, ist mit Picsart oder Snapseed besser bedient. Und Profis, die regelmäßig Bilder mit dem Handy bearbeiten und eine Autokorrektur ohnehin nicht benötigen, werden auch die vier Euro für Enlight nicht bereuen.

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