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Bezahlfernsehen : So sehen Sie die Champions League

Axel Witsel von Dortmund im Zweikampf mit Ruud Vormer von Club Brugge KV Bild: dpa

Vorbei die Zeit, als Spiele der Champions League kostenlos im Fernsehen liefen. Sky und DAZN verlangen Geld. Welches Abo lohnt sich?

          Der deutsche Fußballfan wird in diesem Jahr auf eine harte Probe gestellt. In der ersten Jahreshälfte hat er leiden müssen, weil die Bundesligavereine in den europäischen Wettbewerben so schlecht abschnitten wie lange nicht. Dann sah er im Sommer mit Schrecken zu, wie die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland eine historische Schlappe hinnehmen musste. Und nun, da der Fan sich auf die neue Saison in der Champions League freut, muss er sich auch noch von einer liebgewonnenen Gewohnheit verabschieden. Fußball im frei empfangbaren Fernsehen – die Zeiten sind vorbei. Wer vom nächsten Dienstag an deutsche Spitzenklubs und internationale Topstars sehen will, muss dafür bezahlen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jahrelang wurden deutsche Fußballfans ziemlich verwöhnt. Von 2012 bis zum Endspiel im vergangenen Frühjahr hatte das ZDF die europäische Königsklasse im Kleinformat angeboten: mittwochs ein Live-Spiel, möglichst mit Beteiligung eines Bundesligaklubs, und am Ende das Finale an einem Samstag.

          Nun aber beginnt eine neue Epoche. Der Bezahlsender Sky hat sich abermals die Rechte an sämtlichen Champions-League-Partien für die nächsten drei Jahre bis zur Saison 2020/21 gesichert. Er teilt sich die Übertragungen aber nicht länger mit dem öffentlich-rechtlichen ZDF, sondern mit der Streamingplattform DAZN. Dem ZDF waren die Rechte schlicht zu teuer.

          Das Programm zu überblicken ist schwer

          Für Fußballfans wird es künftig schwer, das Programm zu überblicken. Zum einen gibt es künftig in der Gruppenphase neue Anstoßzeiten. Zwei Begegnungen eines jeden Spieltages beginnen schon um 18.55 Uhr, die restlichen sechs um 21 Uhr und damit eine Viertelstunde später als bisher gewohnt. Noch kniffliger ist die Verteilung, wer von den beiden Anbietern welches Spiel überträgt. Sky und DAZN haben ein kompliziertes „Picking“-Verfahren ausgetüftelt, das schwer zu durchdringen ist. Nur Halbfinale und Finale übertragen beide Anbieter parallel.

          Für den Fußballfan bedeutet dies, dass er nicht alle Spiele seines Lieblingsklubs bei demselben Anbieter live sehen kann. Ein Anhänger des FC Bayern München kommt an den Sky-Angeboten kaum vorbei: Der Bezahlsender zeigt fünf der sechs Gruppenspiele des deutschen Rekordmeisters live in voller Länge. Darüber hinaus kann Sky sich an neun der zwölf Spieltage in der K.-o.-Runde das attraktivste Spiel aussuchen – mutmaßlich werden es solche sein, an dem der FC Bayern beteiligt ist.

          Auch Fans von Borussia Dortmund werden von Sky mit vier Gruppenspielen gut bedient. Die Spiele der anderen beiden Bundesligaklubs, FC Schalke 04 und TSG Hoffenheim, sind in voller Länge vor allem bei DAZN zu sehen. Ausschnitte davon sind zudem in den Live-Konferenzen zu sehen, die Sky an jedem Spieltag zeigt, oder in den Zusammenfassungen um Mitternacht auf Sky Sport News HD.

          Sky lockt mit Aktionspreisen

          Die Frage wird sein, was die Champions League den deutschen Zuschauern wert ist. Erst kürzlich hat die Beratungsgesellschaft PwC dazu eine Umfrage veröffentlicht. Demnach würden 59 Prozent der Deutschen niemals für Sport im Fernsehen extra bezahlen. Immerhin jeder fünfte würde Geld dafür ausgeben, um ein Live-Ereignis verfolgen zu können – und zwar durchschnittlich 15 Euro im Monat. Die aktuellen Preise liegen sowohl bei Sky wie bei DAZN darunter. DAZN verlangt fürs Internetfernsehen generell 9,99 Euro im Monat.

          Für das Geld gibt es nicht nur die Champions League, sondern auch europäische Topligen. DAZN ist damit vor allem für jene Fußballfans interessant, die ein möglichst breites Angebot wollen. Die Streaming-Plattform überträgt auch viermal so viele Champions-League-Spiele wie Sky und dazu auch noch sämtliche Partien der Europa League, an der Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig teilnehmen.

          Sky lockt Zuschauer derweil mit Aktionspreisen. Wer jetzt ein TV-Sport-Paket-Abo abschließt, muss für die ersten drei Monate nur 9,99 Euro bezahlen, für den Rest des ersten Jahres 14,99 Euro monatlich. Im zweiten Vertragsjahr wird dann der reguläre Preis von 29,99 Euro im Monat fällig. Kein Abo ist beim Sky Ticket „Supersport“ nötig. Ein Monatsticket kostet normalerweise 29,99 Euro. Es ist derzeit zum Preis eines Tagestickets von 9,99 Euro erhältlich und gilt für drei Monate. Das Sky Ticket ist – wie das DAZN-Abo – monatlich kündbar.

          Die Preispolitik des Pay-TV-Senders verwirrt so manche Kunden. Vor allem solche, die ihren regulären Vertrag gekündigt haben und die Sky mit immer neuen und günstigeren Angeboten zurückgewinnen will. „Diese Art der Preispolitik lässt sich nur mit dem Feilschen auf einem Basar vergleichen“, sagt einer, der vor kurzem sein teures Sky-Abo gekündigt hat.

          Wer weiterhin nichts für die Champions League bezahlen will, der wird im besten Fall ein Spiel live sehen können: das Finale am 1. Juni in Madrid. Sollte nämlich einer der deutschen Teilnehmer so weit kommen, würde das Endspiel nicht nur bei Sky und DAZN übertragen, sondern auch im frei empfangbaren Fernsehen. So wie früher.

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