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Benzin wird teurer : Preissprung in der Silvesternacht

Viele Tankstellen wollen die Preise noch in der Silvesternacht anheben. Bild: dpa

Silvester um Mitternacht wird das Benzin teurer. Wird man das an den Anzeigetafeln an den Tankstellen beobachten können? Für Autofahrer jedenfalls lohnt es sich, vorher noch zu tanken.

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          Voraussichtlich noch in der Silvesternacht dürften viele Tankstellen in Deutschland die Preise für Benzin und Diesel deutlich anheben. Der Autoklub ADAC rät Autofahrern deshalb, besser vorher noch mal zu tanken, wenn sie ohnehin unterwegs sind. „Die Preise steigen mit der ersten Preisanpassung im neuen Jahr“, sagte ein ADAC-Sprecher. Die großen Mineralölkonzerne dürften bei den nachts geöffneten Tankstellen um 0 Uhr vorangehen, viele freie Tankstellen dürften erst im Tagesverlauf folgen, meinte Michael Haberland vom Autoclub „Mobil in Deutschland“. Der Mineralölkonzern BP deutete an, aus kartellrechtlichen Gründen könnten sie den genauen Zeitpunkt der Preisanhebung für Kraftstoff vorher nicht verraten. Die Kassen in den Tankstellen-Shops jedenfalls seien bereits so programmiert, dass sie von genau 0 Uhr an wieder die höhere Mehrwertsteuer abzögen, sagte Jürgen Ziegner, der Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ab dem 1. Januar 2021 ist es mit den günstigen Preisen definitiv vorbei“, meinte Steffen Bock, der Geschäftsführer des Internetportals Clever Tanken. Zwei Faktoren verteuerten den Sprit: Zum einen wird die Mehrwertsteuer wieder angehoben, zum anderen wird die Bepreisung des CO2-Ausstoßes auf den Verkehr ausgeweitet. Der ADAC rechnet für Super E10 mit einer Verteuerung durch die CO2-Bepreisung um 7 Cent und durch die Mehrwertsteuer um 3 Cent je Liter, zusammen also etwa 10 Cent mehr. Diesel werde sich um etwa 8 Cent durch die CO2-Bepreisung und um 3 Cent durch die Mehrwertsteuererhöhung verteuern, also insgesamt um etwa 11 Cent je Liter.

          Steuersenkung war beim Sprit nur teilweise weitergegeben worden 

          Schon in den vergangenen Wochen waren die Preise für Benzin und Diesel kontinuierlich gestiegen. Auf Wochensicht hat sich Super E10 im Schnitt um 2,2 Cent auf 1,258 Euro je Liter verteuert. Diesel kostet 1,146 Euro je Liter und damit 2,8 Cent je Liter mehr als in der Vorwoche. Der ADAC hält es für möglich, dass die Ölunternehmen einen Teil des Preisanstiegs dadurch schon vorweggenommen haben. Es könnte auch einen Nachfrageanstieg zum Jahresende gegeben haben, weil viele Leute noch mal tanken wollten, bevor der Kraftstoff teurer wird. Gerade bei einer vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer war in anderen Ländern zu beobachten gewesen, dass manche Unternehmen schon vor dem Termin für die Wiederanhebung der Steuer die Preise heraufgesetzt haben. Möglich, dass es beim Benzin auch solche Effekte gab. Gleichwohl rechnet der Autoklub jetzt noch mal mit einem Preissprung für Kraftstoff, wie er so punktuell lange nicht zu beobachten gewesen sei.

          Als die Mehrwertsteuer gesenkt worden war, hatte es Kritik gegeben, dass die Steuersenkung an den Tankstellen nicht vollständig weitergegeben worden sei. Ökonomen um die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hatten das genauer untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen, es gebe Unterschiede je nach Kraftstoffart. Demnach lag die Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung, die sogenannte „Pass trough rate“, für Diesel zwar bei 83 Prozent, für Super E10 aber bei 61 Prozent und für E5 sogar nur bei 40 Prozent. Offenbar reagieren Diesel-Fahrer, das sind oft Profi- und Vielfahrer, preissensibler auf Preisänderungen und nutzen den Wettbewerb zwischen Tankstellen stärker. Deshalb wird es spannend, ob womöglich die Anhebung der Mehrwertsteuer von den Unternehmen stärker an die Verbraucher weitergegeben wird als vorher die Senkung.

          „Run“ auf Heizöl vor Silvester ist ausgeblieben

          Der Preis für Rohöl war zuletzt mit den Nachrichten über die Corona-Impfstoffe wieder etwas gestiegen. Seit kurzem liegt er jetzt wieder oberhalb von 50 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent. Wenn sich diese Entwicklung im neuen Jahr fortsetzt, dürfte das Kraftstoffe tendenziell auch weiter verteuern. Eine gegenläufige Kraft könnte der langsame Anstieg der Ölfördermenge im neuen Jahr sein, den die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) und ihre Verbündeten beschlossen haben.

          2021 könnte der Ölpreis vor allem in der zweiten Jahreshälfte nach oben gehen. „Die wirtschaftliche Erholung wird die Energienachfrage anschieben“, meinte Rohstoffanalystin Barbara Lambrecht von der Commerzbank. In den Wintermonaten werde Corona aber noch weiterhin „Bremsspuren“ hinterlassen, meint die Commerzbank-Analystin.

          Insgesamt war 2020 für Autofahrer ein ausgesprochen günstiges Jahr. Benzin und Diesel waren billig wie lange nicht mehr, das gilt auch für Heizöl. Auch das verteuert sich jetzt allerdings mit dem Jahreswechsel. Der Preis dürfte durch die CO2-Bepreisung um etwa 8 Cent je Liter steigen. Ob der alte oder der neue Mehrwertsteuersatz gilt, hängt dabei vom Zeitpunkt der Auslieferung ab, nicht der Bestellung. Es war erwartet worden, dass viele Hausbesitzer sich noch vor dem Jahreswechsel Öl liefern lassen, um die günstigeren Preise noch mitzunehmen, so dass es einen regelrechten „Run“ auf Heizöl geben könnte. Dieser Effekt war aber wohl nicht sehr ausgeprägt. Viele Ölhändler hatten allerdings die Preise offenbar auch schon im Vorgriff auf die Veränderungen angehoben. Der Energie Informationsdienst berichtete zuletzt von einem „deutlichen“ Preisanstieg auf 58,50 Euro je 100 Liter bei einer Abnahme von 3000 Litern.

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