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Wirtschaftswissen : Jugendliche sparen jeden Monat 36 Euro

Nicht alles auf einmal ausgeben: Junge Leute sparen gerne. Bild: SvenSimon

Junge Leute kümmern sich gerne um ihre Finanzen und legen jeden Monat etwas Geld zur Seite. An gutem Willen fehlt es nicht – aber an Wirtschaftswissen.

          3 Min.

          Um die jungen Leute in Deutschland muss man sich keine großen Sorgen machen. Das legt die neueste Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) nahe, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt worden ist. Alle drei Jahre lässt der Verband Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren repräsentativ befragen, zu ihrer wirtschaftlichen Lage und zu Themen wie Finanzverhalten und ökonomischem Wissen.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          In der Umfrage gibt sich die junge Generation zuversichtlich: 93 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden, 90 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft, ebenso viele schätzen die eigenen beruflichen Aussichten als gut oder sehr gut ein.

          „Das ist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit dem schon teilweise heute beobachtbaren Arbeitskräftemangel eine sicher nicht ganz unberechtigte Erwartung“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

          Nur ein Drittel glaubt ans Sparen

          Die wirtschaftliche Lage ihres Elternhauses bewerten 71 als gut und 2 Prozent als schlecht. Die eigene ökonomische Situation bezeichnen 60 Prozent als gut und 4 Prozent als schlecht. In Zahlen heißt das: Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen stehen im Durchschnitt 607 Euro im Monat zur Verfügung. Für diesen Betrag haben sie Taschengeld, Selbstverdientes und sonstige Einnahmen zusammengezählt.

          Das monatlich verfügbare Einkommen steigt naturgemäß mit dem Alter. Die 21- bis 24-Jährigen verfügen über 1165 Euro, die 18- bis und 20-Jährigen über 462 Euro und die 14- bis 17-Jährigen immerhin über knapp 120 Euro. Bei 44 Prozent aller Befragten stammen die Einnahmen vor allem von den Eltern.

          Sich um die eigenen Finanzen zu kümmern macht fast zwei Drittel der jungen Leute Spaß, doch nur vier von zehn kümmern sich regelmäßig darum. Sie seien aber eifrige Sparer, trotz historisch niedriger Zinsen, betont der Bankenverband. Gut die Hälfte spart regelmäßig, ein Drittel immerhin sporadisch. Allerdings sind sie auch realistisch: Nur ein gutes Drittel glaubt, Sparen lohne sich derzeit.

          Weniger Sparbücher mit dem Alter

          Durchaus ansehnliche Beträge würden zurückgelegt, sagte Kemmer. Die 21- bis 24-Jährigen sparten durchschnittlich 236 Euro im Monat, die 14- bis 17-Jährigen immerhin 36Euro. Ein Viertel legt höchstens 25 Euro zurück und 14Prozent mehr als 200 Euro. Je älter die Befragten sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie über ein eigenes Konto verfügen. Mit der Volljährigkeit gilt dies für 90 Prozent. Umgekehrt sinkt der Anteil der Sparbuchbesitzer mit dem Alter.

          Die Deutschen gelten als ein Volk von Sparern, die Sicherheit einer höheren Rendite vorziehen. Immer wieder empfehlen Anlagefachleute mit Blick auf die Altersvorsorge, auch in Aktien zu investieren. Für junge Leute, die erst am Anfang des Lebens stehen, langfristig ansparen und damit Schwankungen an den Aktienmärkten gut verkraften können, gilt dies nach Kemmers Worten allemal. Doch sie streben ihren Eltern nach; auch ihnen ist eine sichere Anlage besonders wichtig.

          Online-Banking – Online-Shopping

          Die jungen Leute äußern sich sehr positiv zum Thema Digitalisierung. Drei Viertel sehen in ihr Vorteile für die Gesellschaft und 85 Prozent für sich selbst. Bei der Wahl einer Bank ist ihnen inzwischen ein sicheres Online-Banking wichtiger als die Nähe zur Filiale. Mehr als ein Drittel betreibt schon Online-Banking. Drei Viertel kaufen im Internet ein, zum Bezahlen nutzen die meisten Paypal. Darauf reagieren deutsche Banken mit der Einführung eines neuen Online-Bezahlverfahrens mit dem Namen Paydirekt.

          Schon seit Jahrzehnten fordert der Bankenverband eine bessere Wirtschaftsbildung in der Schule. Schon oft hat er beklagt, junge Leute wüssten viel zu wenig über Ökonomie. Ist diese Kritik gehört worden? Eine gute Nachricht habe er zu vermelden, sagte Kemmer, das Interesse der jungen Leute an Wirtschaft habe wieder deutlich zugenommen.

          Rund ein Drittel hätte ein starkes oder sehr starkes Interesse. 2012 seien es nur 22 Prozent gewesen. Möglicherweise hätten die schwer verständlichen und zudem negativen Themen im Zusammenhang mit der Finanzkrise das Interesse gedämpft.

          Mehr Wirtschaftsunterricht an Schulen

          Auch das Wirtschaftswissen ist größer geworden; es habe sich seit der letzten Jugendstudie 2012 deutlich verbessert, sagte Kemmer. „In den Schulen spielen wirtschaftliche Inhalte eine größere Rolle, und die Bedeutung der ökonomischen Bildung insgesamt hat zugenommen.“ Doch gebe es immer noch bedenkliche Lücken. Vier von zehn Befragten hätten schlechte oder sehr schlechte Kenntnisse.

          So wisse nur ein Viertel, was eine Rendite sei, von dem Geschehen an der Börse hätten sechs von zehn keine Ahnung. Junge Leute müssten aber gewappnet sein, um als mündige Verbraucher und Bankkunden Finanzentscheidungen zu treffen. Der Bankenverband wünscht sich deshalb, genauso wie 80 Prozent der Befragten, mehr Wirtschaft in der Schule und, ebenso wie fast drei Viertel der jungen Leute, ein eigenes Schulfach Wirtschaft.

          Positiv voran gehe Baden-Württemberg, wo es ab dem kommenden Schuljahr so ein Fach geben soll, sagte Kemmer. Die Einführung eines verpflichtenden Fachs in ganz Deutschland sei jedoch nicht in Sicht.

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