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Verspätung, Haftung, Retouren : Was der Poststreik für die Kunden bedeutet

  • Aktualisiert am

Ein Briefwagen, allein auf weiter Flur, nur wo ist der Bote? Bild: dpa

Nach der Bahn und den Erzieherinnen streiken nun auch die Postboten. Kommen meine Briefe jetzt noch an? Wer haftet, wenn ein wichtiges Schreiben den Empfänger verspätet erreicht? Was Kunden jetzt wissen müssen.

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          Im Tarifstreit mit der Deutschen Post will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Post mit unbefristeten Streiks zum Einlenken zwingen. Am ersten Tag kamen trotzdem neun von zehn Briefen an. Doch Verdi kann noch drauflegen. Ob der Ausstand eine schnelle Lösung bringt, ist zweifelhaft. Doch was bedeutet das für die Postkunden?

          Wo wird gestreikt und gibt es regionale Schwerpunkte?

          Verdi hat bundesweite Streiks angekündigt, regionale Schwerpunkte gibt nicht. Somit kann jeder betroffen sein, der ein Paket oder einen Brief verschickt oder erhält. Rund 85 Prozent des gesamten Briefverkehrs entfällt auf Geschäftspost. Verdi will strategisch ihr Pulver aber nicht gleich am Anfang verschießen und kündigte an, die Mitglieder Zug um Zug in Streiks zu rufen. Die Beschäftigten in den Briefverteilzentren machten den Anfang - sie sind ein neuralgischer Punkt in der Zustellungskette der Post. Schritt für Schritt wurden am Dienstag auch erste Zusteller einbezogen. Wer wissen will, wo genau gestreikt wird, kann sich unter der Nummer 0228 / 76 36 76 50 informieren.

          Kann Verdi die Post mit den Streiks wirklich lahmlegen?

          Während der Warnstreiks in den vergangenen Wochen hat das nicht so recht geklappt. Selten legten mehr als 10.000 Beschäftigte an einem Tag die Arbeit nieder. Dabei gilt der Organisationsgrad von Verdi bei der Post als hoch, konkrete Zahlen gibt es allerdings nicht. Andere Mitarbeiter, die rund 40.000 Post-Beamten, dürfen nicht streiken. Außerdem läuft in den Briefverteilzentren vieles über Maschinen.

          Versucht die Post, die Streikauswirkungen zu begrenzen?

          Ja. Das Unternehmen setzt beispielsweise Verwaltungskräfte in den Verteilzentren ein. Bei den Warnstreiks der vergangenen Wochen halfen auch Beamte aus. Und in den Grenzregionen kamen beispielsweise polnische DHL-Mitarbeiter zum Einsatz. In begrenztem Umfang kann die Post auch auf Service-Partner/Drittfirmen ausweichen. Nicht gestreikt wird in den neu gegründeten regionalen Paketgesellschaften, die den Knackpunkt des Tarifkonflikts bilden.

          Tarifkonflikt : Unbefristete Streiks bei der Post

          Kann eine Kunde die Post für eine verspätete Zustellung haftbar machen?

          Nein, die Post hat in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Haftungsrisiko im Streikfall ausgeschlossen, auch bei Einschreiben. Das heißt, ein Kunde kann keinen Schadensersatz von der Post verlangen, wenn beispielsweise online bestellte Lebensmittel verspätet und verdorben bei ihm eintreffen. Zwar gelingt es oft, dass Briefe von einem auf den anderen Tag zugestellt werden, in der Streikzeit sollten sich Postkunden darauf aber nicht verlassen. Nur bei Express-Sendungen schuldet die Post eine bestimmte Lieferfrist, sagt ein Unternehmenssprecher. 

          Was geschieht, wenn wichtige Schriftstücke verspätet ankommen?

          Das Risiko, dass ein Brief oder Paket rechtzeitig ankommt, trägt immer der Versender. Darauf weisen auch Verbraucherzentralen hin: Sollte ein Kündigungsschreiben erst nach Ablauf der Frist beim Empfänger eintreffen, verlängert sich der Vertrag um die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen vereinbarte Laufzeit.

          Was muss der Kunde bei Paketretouren beachten?

          Hier besteht im Prinzip kein zusätzliches Risiko. Ein Kaufvertrag über online bestellte Waren kann innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Zur Einhaltung der Widerrufsfrist ist es ausreichend, wenn die Ware innerhalb dieses Zeitraums abgeschickt wird. Wichtig dabei nur: Einlieferungsbeleg aufheben.

          Was sollten Kunden jetzt bei zeitkritischen Sendungen tun, um auf Nummer sicher zu gehen?

          Ist es, etwa bei einer Kündigung, wichtig, dass der Brief zu einem bestimmten Datum sicher ankommt, so ist es rasam, zusätzlich ein Fax zu senden. Schwierig ist das allerdings bei Dokumenten, die eine Originalunterschrift benötigen. Bei offiziellen Schreiben reicht meist eine Email nicht aus, da der Sender im Zweifelsfall nicht beweisen kann, dass der Inhalt der Email den Empfänger wirklich erreicht hat.

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