https://www.faz.net/-gv6-9x8io
Bildbeschreibung einblenden

Finanzielle Unsicherheit : Frauen sorgen zu wenig vor

Immer noch zu wenige Frauen in Deutschland kümmern sich um ihre finanzielle Sicherheit. Bild: Picture-Alliance

Frauen in Deutschland haben im Vergleich zu jenen in anderen Ländern kaum finanzielle Rücklagen. Einige Gruppen sind dabei besonders schlecht abgesichert. Laut einer Studie besteht aber Hoffnung auf Besserung.

          3 Min.

          Banken und Finanzratgeber sind in letzter Zeit auf eine neue, bisher unentdeckte Zielgruppe gestoßen: Frauen. Denn auch die, so ist plötzlich durchgesickert, haben Geld, das sie anlegen und verwalten möchten. Ratgeberinnen wie Madame Moneypenny, die Seminare geben, in denen sie Frauen dazu ermuntern, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, sind ungeheuer erfolgreich. Was zum einen zeigt, wie lange man dachte, Frauen und Finanzen passten eben einfach nicht zusammen. Und zum anderen, wie nötig es ist, mit diesem Vorteil aufzuräumen. Denn finanzielle Absicherung bedeutet vor allem Unabhängigkeit. Die fehlt vielen Frauen, sind sie doch beispielsweise deutlich gefährdeter, von Altersarmut betroffen zu sein als Männer.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Eine Studie des Vermögensverwalters Columbia Threadneedle Investments hat nun das Verhältnis von Frauen und Finanzen in Deutschland, Großbritannien und Italien untersucht. Die Ergebnisse sind durchwachsen – und überraschend.Laut der Studie sind zwei Drittel der befragten Frauen in Deutschland nach eigenen Angaben hauptverantwortlich für finanzielle Entscheidungen. Dies gilt sowohl für den beruflichen als auch den privaten Bereich. Bei den Männern sind es 73 Prozent.

          Frauen investieren nur selten

          Frauen, die selbständig arbeiten, sind deutlich häufiger Entscheidungsträgerinnen als andere. Hier tragen 67 Prozent die alleinige finanzielle Verantwortung. Bei Frauen, die angestellt oder Hausfrauen sind, ist das deutlich seltener der Fall: Von ersteren waren 59 Prozent für finanzielle Entscheidungen verantwortlich, von letzteren nur 31 Prozent. Florian Uleer, Deutschlandchef von Columbia Threadneedle Investment, sagt, diese Zahlen seien erschreckend niedrig: „Wenn Frauen in keinem Arbeitsverhältnis stehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu Hause finanzielle Entscheidungen treffen können, leider sehr gering.“

          Hinzu kommt, dass sich die finanzielle Verantwortung, die Frauen übernehmen, nicht unbedingt in finanziellen Anlagen und Vorsorge für die Zukunft niederschlägt. Der Studie zufolge besitzt nur knapp ein Viertel der Frauen in Deutschland Investments, bei den Männern sind es mit 42 Prozent fast doppelt so viele. Auch hier sind es vor allem selbständige Frauen, die mit 38 Prozent deutlich mehr investieren als Frauen im Durchschnitt.

          Im Vergleich zu Großbritannien und Italien steht Deutschland mit diesen Zahlen wenig gut da. Denn während hierzulande 37 Prozent der Frauen angeben, weder finanzielle Rücklagen noch Investments zu besitzen, sind es in den beiden anderen Ländern nur 23 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich dieses Gefälle bei den Rentnerinnen: 44 Prozent der deutschen Frauen geben an, keinerlei Ersparnisse oder Investments zu haben, bei den Italienerinnen sind es 28 Prozent, bei Britinnen hingegen nur 12 Prozent.

          Zwar könnten diese Unterschiede auch teilweise damit zusammenhängen, dass es in anderen Ländern eine größere Affinität zu Anlagen am Kapitalmarkt gibt. Diese sei in Deutschland generell sehr niedrig, sagt Uleer. Gänzlich erklären lassen sich diese deutlich niedrigeren deutschen Zahlen damit aber nicht: Denn die Unterschiede, zwischen Frauen und Männern sind etwa in Italien dennoch kleiner als in Deutschland.

          Fehlende Aufklärung

          Die Vergleiche legen nahe, dass eine schlechte finanzielle Absicherung nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, sondern viel mehr strukturell bedingt ist. Anders ließe sich kaum erklären, dass britische Frauen so viel mehr Rücklagen haben als deutsche, oder Singles besser versorgt sind als geschiedene Frauen.

          „Das ist einfach eine Frage der Aufklärung“, sagt Uleer. „Man muss selbst kein Finanzexperte sein, um am Kapitalmarkt zu investieren.“ Das gelte übrigens auch für die Männer: Diese könnten schließlich auch deutlich mehr investieren.

          Obwohl Frauen in Deutschland wenige Rücklagen haben, bedeutet das nicht, dass ihnen ihre Finanzen egal wären. Der Mehrheit der befragten Frauen bereitet ihre finanzielle Situation Sorgen. Knapp über die Hälfte der Befragten sorgt sich um die gesundheitliche Versorgung und Pflege. Bei Müttern und jüngeren Frauen, den sogenannten Millenials, äußert sich die finanzielle Sorge auch in psychischem Stress. Weiter zeigt die Studie, dass 30 Prozent der Rentnerinnen es bereut, keine private Vorsorge getroffen, 23 Prozent nicht genug Erspartes zu haben, um etwas vererben zu können.

          Überhaupt sind gerade Rentnerinnen, aber auch Witwen und geschiedene Frauen laut der Studie am schlechtesten abgesichert. Was in Zahlen bedeutet: 51 Prozent der geschiedenen, 45 Prozent der verwitweten Frauen sind es gar nicht.

          Das bedeutet nicht, dass die Situation so bleiben muss. Die Studie zeige, sagt Uleer, dass das Thema einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfe. Denn deutsche Frauen hätten hier sowohl in Bezug auf die Männer als auch auf Frauen in den Nachbarländern Nachholbedarf. Dass die Entwicklung zumindest in die richtige Richtung gehen könnte, lässt eine andere Studie von Columbia Threadneedle vermuten: Viele der Millenials, so heißt es dort, griffen auf finanzielle Beratung zurück.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Australien taucht ab – aber nicht mehr mit U-Booten aus Frankreich.

          Sicherheitspakt im Pazifik : Ein Deal entzweit den Westen

          Australien, die USA und Großbritannien haben einen Sicherheitspakt geschlossen, der Canberra Zugang zu Atom-U-Booten ermöglicht. Frankreich fühlt sich durch die Vereinbarung betrogen und reagiert enttäuscht.
          Authentizität, Professionalität und Perfektion: Frauen haben es bei Bewerbungsbildern nicht leicht.

          Empfehlungen für Frauen : So wird das Bewerbungsbild perfekt

          Immer besser, hoffentlich perfekt: Was Bewerbungsfotos betrifft, bewegen sich Frauen auf einem schmalen Grat. Der Wunsch, sich optimal zu präsentieren, kann schnell nach hinten losgehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.