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Frankfurter Sparkasse : Einige Automatenkarten werden einfach abgeschafft

Kunden in einer Frankfurter Sparkasse: Nicht mehr alle können bald den automatischen Service nutzen. Bild: Kerstin Papon

Irritierende Post für den Sparer: Die Sparkasse will einige Kontokarten nicht mehr erneuern. Der Grund: Zu hohe Kosten. Den Kunden soll nun am Schalter geholfen werden.

          „Ihr Konto bleibt bis auf weiteres bestehen.“ Einen solchen Satz bekommt man als Bankkunde auch nicht jeden Tag zu lesen. Ihm geht kein Ärger mit dem Kreditinstitut oder einer Behörde voraus, keine Übernahme desselben oder ein Kontowechsel. Er ist vielmehr zu lesen in der Betreffzeile eines Briefes, den die Frankfurter Sparkasse in diesen Tagen an einige Kunden verschickt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Adressiert ist er an Inhaber eines Sparkontos, das in diesem konkreten Fall seit Jahren besteht. Es handelt sich schlicht um ein Sparkonto – das „Flexibel Sparen“ heißt. Bei dem Kunden hinterlässt das Schreiben auch nach einer ersten Schrecksekunde Irritationen.

          Im Betreff ist daneben zu lesen: „Ihre Automatenkarte wird zum 1. Januar 2017 nicht ersetzt.“ Auch dies wirkt ein wenig befremdlich, ist doch in der Bankenbranche seit längerem ein Trend hin zu Karten und zur Selbstbedienung der Kunden zu beobachten. Das gute alte Sparbuch hat bei den meisten Instituten längst ausgedient. Mit Sparkarten können Anleger bei vielen Banken an Automaten selbständig Geld einzahlen oder abheben und sich eine Übersicht über das Geld oder die Bewegungen auf dem Konto verschaffen. Weithin werden Bankmitarbeiter abgebaut und Filialen geschlossen.

          Betroffen sind die Sparkonteninhaber

          Das alles weiß man und fühlt sich deswegen gleich um Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zurückversetzt. Denn in dem Brief der Sparkasse ist weiter zu lesen, dass der Kunde durch die fehlende Karte die Geldautomaten vom 1. Januar an nicht mehr nutzen könne. Aus technischen Gründen stünden die Kontoauszugsdrucker schon von Mitte Dezember an nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen erhalte der Kunde Auszahlungen persönlich an der Kasse der Sparkasse.

          Was geschieht mit den Kontoauszügen? „Über die Kontobewegungen des vergangenen Kalenderjahres informieren wir Sie gerne zu Jahresbeginn per Post“, lauten weitere Zeilen des Briefes. Dieser Versand sei kostenfrei und ein Service der Sparkasse, sagt eine Sprecherin des Instituts. Und was heißt „bis auf weiteres“ für das Konto? Es gebe keinen konkreten Plan, das Konto „Flexibel Sparen“ abzuschaffen, sagt die Sprecherin. Dabei stelle sich natürlich bei jedem Kontomodell ab und an die Frage, ob es noch genügend Nutzer und damit eine aus betriebswirtschaftlichen Gründen ausreichend große „kritische Masse“ gebe.

          Und warum erfolgt nun der aktuelle Schritt? „Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase muss auch die Frankfurter Sparkasse derzeit Produkte anpassen und ihre Produktpalette optimieren“, heißt es in dem Kundenschreiben. Daher habe man sich entschieden, das „Flexibel Sparen“ „nur noch bedingt“ weiterzuführen. Es handelt sich dabei um kein besonders ausgefallenes Sparkonto, sondern es wurde dem Kunden vor Jahren vielmehr als eine Art Tagesgeldersatz und Gegenkonto für sein Depot angepriesen. Inzwischen biete die Frankfurter Sparkasse mit dem „Cash Plus“-Konto ein Tagesgeldkonto an, das mehr Flexibilität ermögliche und Geld sparen im Alltag so einfach wie möglich mache, heißt es dort.

          Service bald nur noch zu den regulären Öffnungszeiten

          Auf Nachfrage ist des Weiteren zu hören, dass der regelmäßige Austausch der Karten ein hoher administrativer und finanzieller Aufwand sei, da allein jede Karte, die standardmäßig mit einem hochwertigen Chip ausgestattet sei, schon mehr als 5 Euro koste. Zudem habe man festgestellt, dass viele Kunden ihr Konto tatsächlich als Sparkonto nutzten und selten mit der Karte Geld abheben würden, sagt die Sparkassen-Sprecherin. Da die Karte zudem für die Legitimation nicht zwingend notwendig sei, habe die Frankfurter Sparkasse die unternehmerische Entscheidung getroffen, keine Karten mehr auszugeben. Einige Kunden hätten ihr Bedauern darüber geäußert, dass es künftig keine Karten mehr geben werde.

          „Wir reden aber sehr gerne mit unseren Kunden von Mensch zu Mensch“, sagt die Sprecherin. Nicht umsonst hätten sie das größte Filialnetz in Frankfurt. Doch für viele Bankkunden ist es erfahrungsgemäß schwierig, ein Kreditinstitut zu den vorgesehenen, meist engbegrenzten Öffnungszeiten aufzusuchen. Dies gilt besonders, wenn es sich um Zweigstellen handelt, die in der Regel noch eingeschränkter geöffnet haben als die zentralen Filialen in den Innenstädten. Und selbst Letztere sind bei der Frankfurter Sparkasse längstens am Donnerstag von 8 bis 18 Uhr zu erreichen, was sich gleichwohl mit anderen Instituten vergleicht.

          Und was wird der Kunde der Frankfurter Sparkasse nun tun? Auch wenn er zu einem „Cash Plus-Konto“ wechselt, bekommt er keine Karte mehr, aber zumindest einen Hauch mehr an Zins. Bei einem Online-Banking-Vertrag könne er wie gewohnt über das Referenzkonto verfügen, schreibt die Sparkasse in dem Brief. Auszüge würden auf Wunsch in das elektronische Postfach gesendet.

          Ungeachtet dessen sollte er sich vor allem durch die für so manchen irritierenden Formulierungen in dem Schreiben nicht schrecken lassen. Denn auch wenn ein Konto abgeschafft wird, ist das Geld ja nicht wirklich ebenfalls weg. Und um den kaum vorhandenen Zins ist es ohnehin nicht schade.

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