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Kolumne: „Frag den Mohr“ : Wird Öl bald wieder billiger?

Verdient kräftig Geld für Norwegen: Ölplattform im Johan Sverdrup Ölfeld Bild: dpa

Die großen Ölverbraucher machen Druck. Die USA zapfen nun sogar ihre Notfallreserve an. Sie könnten damit Erfolg haben. Ein schneller Rat in zwei Minuten.

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          Hoffentlich wird Öl wieder billiger! Das sagen zumindest die großen Ölverbraucher. Gemeint sind nicht nur die Vielfahrer auf der Autobahn, sondern auch Staatschefs wie Joe Biden in den USA und die Führung der Volksrepublik China. Sie halten den Ölpreis für zu hoch. Die Vereinigten Staaten haben nun als erstes Land bekanntgegeben, 50 Millionen Fässer zu je 159 Litern aus ihrer Notfallreserve auf den Markt zu bringen. Auch andere Länder erwägen, ihre nationalen Ölreserven anzuzapfen, um so ein wenig Druck aus dem Markt zu nehmen. Noch immer liegt der Preis rund 100 Prozent höher als vor einem Jahr und treibt die Inflation auf mehrjährige Höchststände.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die hohen Preise haben zwei Effekte. Erstens: Viele Verbraucher denken einen Moment länger darüber nach, ob die aktuelle Autofahrt wirklich sein muss und ob es im Wohnzimmer nicht auch ein halbes Grad weniger Raumtemperatur tut. Fachleute am Ölmarkt drücken es etwas härter aus: Käufer werden aus Kostengründen zu einer geringeren Nachfrage gezwungen. Und zweitens ist der hohe Preis ein Anreiz für viele Produzenten, mehr Öl zu fördern.

          Das Fracking in den USA lohnt oft erst ab einem Preisniveau von rund 50 Dollar je Fass mit 159 Litern. Liegt der Preis wie aktuell auf knapp 80 Dollar, schmeißen viele ihre Produktion an. 500.000 Fässer mehr werden in Amerika derzeit am Tag produziert. Nächstes Jahr wird mit einem weiteren Plus von 800.000 Fässern gerechnet. In Norwegen wurde zuletzt deutlich mehr in den Ausbau der Förderkapazitäten investiert. Und auch das Ölkartell OPEC erhöht langsam – aus Sicht der großen Nachfrager: zu langsam – seine Förderung.

          In der Summe rechnet die Internationale Energieagentur nach 17 Monaten Knappheit bald schon mit einem Überschuss an Öl. Entsprechend sind die Preise zuletzt leicht gesunken. Es könnte die Trendwende sein und bald auch Benzin und Heizöl erschwinglicher machen. Wer noch ein wenig Geduld (und Öl im Tank) hat, kann im Februar wahrscheinlich billiger Heizöl tanken als heute.

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