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Kolumne: „Frag den Mohr“ : Soll ich mein Depot nachhaltig machen?

Umweltsünder oder Nachhaltigkeitsvorbild? Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen Bild: dpa

Was ist nachhaltig? Anleger müssen gut aufpassen, dass sie nicht auf heiße Marketingluft hereinfallen. Ein schneller Rat in zwei Minuten.

          1 Min.

          Ein Leser hat ein Depot mit ein paar Einzelaktien, mehreren Fonds und einen Sparplan auf einen Aktienfonds. Seine Hausbank empfiehlt ihm nun, das auf „nachhaltige Papiere“ umzustellen. Das klingt erst einmal gut. Ist aber mit höchster Vorsicht zu genießen. Dafür müsste erst einmal definiert werden, was Nachhaltigkeit in der Geldanlage überhaupt heißt. Ist das eine Nordex-Aktie, deren Konzern Windräder herstellt, oder ist sie es gerade nicht, weil die Windräder Tiere schreddern und die Landschaft zerstören? Ist es die Aktie von Electricité de France, einem Unternehmen, das jede Menge Atomkraftwerke betreibt und damit Strom sehr CO2-freundlich produziert, oder ist sie es gerade nicht, weil jede Menge hoch radioaktiver Müll für Jahrhunderte entsteht?

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die EU versucht gerade Nachhaltigkeit für die Finanzbranche zu definieren und hat schon Hunderte Seiten an Regelungen produziert, die eine Handreichung beim Thema Umweltschutz geben sollen. Strittige Themen wie die Atomkraft wurden erst mal in Arbeitsgruppen ausgegliedert. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

          Wenn also eine Bank Ihr Depot „nachhaltig“ machen will, dann will sie erst mal Bewegung ins Depot bringen und damit Geld verdienen. Wer also mit seinem bisherigen Depot zufrieden ist, Aktien und Fonds ganz nach seinem Geschmack ausgewählt hat, der sollte sich von dem Vorschlag nicht beirren lassen und ihn getrost zu den Akten legen. Freundlicherweise kann man sich die konkreten Vorschläge auch einmal anhören und erfahren, was die Bank unter „nachhaltigen Geldanlagen“ versteht. Wenn es nur teurere Fonds mit grünem Namen sind, hat keiner etwas gewonnen. Es liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor der Branche, wirklich transparent zu machen, warum Bayer nun nachhaltiger sein soll als BASF oder umgekehrt. Bisher verbirgt sich hinter dem Stichwort immer noch viel heiße Marketingluft.

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