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Folgen der Finanztransaktionssteuer : Private Altersvorsorge stark betroffen

Die Steuer soll bei jedem Umschichten anfallen.
          2 Min.

          Eine Finanztransaktionssteuer würde den Markt für Altersvorsorge in Deutschland stark verändern. Unter realistischen Annahmen über die Entwicklung der Kapitalmärkte könnten auf einen typischen Riestersparer Kosten von 14.000 Euro zukommen, wenn eine solche Steuer von 0,1 Prozent auf Transaktionen mit Aktien und von 0,01 Prozent auf Geschäfte mit Derivaten erhoben würde. Das geht aus Berechnungen der beiden führenden Anbieter von staatlich geförderten Riesterfonds, Union Investment und DWS, hervor. Sie repräsentieren zusammen 2,5 Millionen der knapp 3 Millionen Riesterfondsverträge.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          In der Versicherungswirtschaft, die 10,6 Millionen der insgesamt 15 Millionen Riesterverträge auf sich vereint, gibt es zwar keine so konkreten Berechnungen. Aber auch sie warnt davor, eine Steuer auf alle Finanztransaktionen einzuführen, wie es der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Sonntagabend im Alleingang angekündigt hat. „Es wäre kontraproduktiv, die private Altersvorsorge zu belasten und unattraktiver zu machen“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Versichererverbands GDV.

          Die Investmentfondsbranche warnt

          Seine Warnung fällt aber weniger entschieden aus als die der Investmentfondsbranche. Versicherer schichten ihre Portfolios seltener um als Investmentfonds und halten Papiere oft bis zur Endfälligkeit, weshalb ihre konventionellen Produkte seltener von der Steuer betroffen sein dürften. In der Branche sind auch Stimmen zu hören, die solche Kosten in Kauf nehmen würden, wenn es durch die Steuer gelänge, die Volatilität am Kapitalmarkt zu verringern. Wenn sie eingeführt würde, müsse die Steuer mindestens auf europäischer Ebene eingeführt werden, drängt Fürstenwerth. „Wir fordern, dass Altersvorsorgeprodukte von der Finanztransaktionssteuer ausgenommen werden.“

          Die Fondsbranche unterstützt diese Forderung. Würde die Steuer auch auf der Ebene des Kundendepots erhoben, könne die Branche renditestarke Produkte mit hohem Aktienanteil und häufigem Umschichtungsbedarf nicht mehr anbieten, warnt die DWS. „Die Zeche zahlt dann der Kleinsparer“, sagt Frank Breiting, Leiter der privaten Altersvorsorge bei der Fondsgesellschaft. Die Berechnungen des Wettbewerbers Union hält man in seinem Haus für realistisch. Die Kosten von 14.000 Euro ergeben sich für einen 40 Jahre laufenden Vertrag, in den ein Kunde monatlich 100 Euro einzahlt und der sich mit 5 Prozent im Jahr nach Abzug der Kosten verzinst.

          Zugrunde legten die Fondsexperten Daten ihres stark nachgefragten Publikumsfonds Uni Global. In diesem wurde jede Aktie jährlich im Durchschnitt 0,9 Mal in ein anderes Wertpapier umgeschichtet. Im Ergebnis führte dies zu einem Endvermögen von 135.000 Euro mit Steuer. Ohne Steuer würde es der Rechnung nach 149.000 Euro betragen.

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