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Flut : Häuser sollen besser gegen Hochwasser versichert werden

Bild: dpa

Nur ein Drittel der Häuser in Deutschland ist gegen Hochwasser und andere Schäden versichert. Jetzt wollen Politiker darüber nachdenken, wie sich der Anteil steigern lässt.

          Wenn Katastrophen eintreten, gerät die Versicherungswirtschaft meist erst ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Nach schweren Hagelstürmen läuft die Schadensregulierung geräuschlos. Weil ein großer Teil der Autobesitzer ohnehin Kaskoschutz besitzt, hält sich die Aufregung in Grenzen. Es gibt aber auch Extremfälle: Kreditversicherern wurde in der Finanzkrise vorgeworfen, ihren Regenschirm genau in dem Moment einzuziehen, in dem er gebraucht wurde. Der Staat sprang ein. Einige stark betroffene Branchen profitierten von den geförderten Teildeckungen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch im aktuellen Hochwasser wird der Staat nun wieder zum Akteur. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat den Versicherern vorgeworfen, 99 Prozent der betroffenen Hauseigentümer hätten keine Elementarschadensversicherung abschließen können. Im Bundesrat forderte er die Assekuranz zu besonnenem Handeln auf. „Sprechen Sie keine Schadensfallkündigung aus“, sagte er am Freitag in der Länderkammer. Kunden in den Flutregionen müssten sich auf ihre Deckungen verlassen können. Doch er ging noch einen Schritt weiter und stellte eine Verbindung von ausbleibendem Versicherungsschutz und dem sozialistischen Regime her. „Wir wollen weiter pulsierende Innenstädte“, sagte Tillich. Zu DDR-Zeiten seien Ortskerne verkommen. Ähnliches drohe, wenn sich die Haushalte nicht mehr durch private Policen absichern könnten.

          Die Versicherer sehen sich zu Unrecht in ungünstiges Licht gerückt. Die Zahlen seien genau umgekehrt, als der Dresdner Landeschef sage, lässt der Branchenverband GDV wissen. 99 Prozent der Häuser seien vom Schreibtisch aus problemlos versicherbar. Dennoch liege der Anteil der Häuser mit Elementardeckung nur bei 32 Prozent. „Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass sie im Schadensfall generell mit finanzieller Unterstützung durch Bund, Land oder Kommune rechnen kann“, beklagte GDV-Präsident Alexander Erdland gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Eine solche Versicherung zahlt auch bei Erdrutsch oder -beben und finanziert Folgen von Starkregen.

          Doch geht er weniger um die 99 Prozent, die in den unheiklen Gefährdungsklassen des Zonierungssystems für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) liegen. Für das restliche Prozent müssten sich Hausbesitzer auf den Besuch eines Fachmanns einstellen, der sich die Gefährdungslage ansehe und oft bauliche Schutzmaßnahmen empfehle, heißt es beim GDV. Zu den Umrüstungskosten kommen auf die Kunden höhere Selbstbehalte hinzu, so dass die Police erst im existenzbedrohenden Notfall greife.

          Es gibt Stadtgebiete in Deutschland, in denen Versicherungsschutz sehr schwer zu bekommen ist, weil die Prämien prohibitiv hoch sind - etwa in Köln-Rodenkirchen oder in der Dresdner Innenstadt. Kunden schließen dann oft gar keine Police ab und versuchen, die Folgen der regelmäßigen Hochwasser baulich zu lindern. Von der aktuellen Flut sind aber auch Gebiete betroffen wie in Halle oder in Passau, die in der risikoarmen ZÜRS-Gefährdungsklasse 1 liegen. Am kommenden Montag sind nun Erdland und der Vorsitzende seiner Hauptgeschäfsführung Jörg von Fürstenwerth bei Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) eingeladen, um über den mangelnden Deckungsschutz zu diskutieren. Kaum vorstellbar, dass sie dabei das Modell der Pflichtversicherung herausholen, das in Baden-Württemberg lange bestand und zu einer Versicherungsdichte von 95 Prozent geführt hat.

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