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Misere der Flugzeugfonds : Emirates sortiert die ersten A380 aus

Frontansicht eines A380 Bild: Airbus

Nach Singapore Airlines und Air France schickt nun auch der größte Kunde Emirates die Riesenflieger in den Ruhestand. Anlegern droht neues Ungemach.

          5 Min.

          Seit Februar steht fest, dass Airbus den letzten A380 im Jahr 2021 fertigen will. Das Interesse am größten Passagierflugzeug der Welt ist stark geschwunden. Inzwischen wendet sich selbst der Hauptabnehmer Emirates ab. Und dennoch ist der vierstrahlige Jet abgesehen von seiner Größe – bis zu 850 Menschen könnten darin Platz finden – noch immer für Rekorde gut.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Aktuell verfügt die Flotte von Emirates über 113 dieser Riesenflieger – so viele wie niemals zuvor. Insgesamt hat die arabische Fluggesellschaft 123 A380 bestellt, die bis Jahresende 2021 ausgeliefert sein sollen. Ursprünglich waren es gleichwohl 162.

          Emirates setzt jedoch nur noch 111 dieser Flugzeuge tatsächlich im Flugbetrieb ein, zwei sind geparkt, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Dieses Schicksal teilen die beiden Maschinen mit weiteren A380, die ihren Ersteinsatz nach rund zehn Jahren auf Strecken rund um die Erde für große Fluggesellschaften wie Singapore Airlines oder Air France inzwischen beendet haben. Einige gebrauchte A380 warten noch auf Abnehmer. Andere wurden schon in Einzelteile zerlegt, da sich kein passender Käufer oder neuer Leasingnehmer fand.

          1,6 Milliarden Euro sind investiert

          Die Misere dieses Großraumfliegers bewegt viele Investoren. Nach Berechnungen der Ratingagentur Scope sind etwa 1,6 Milliarden Euro an Anlegergeld in 21 A380-Flugzeuge geflossen. Die Leasingnehmer dieser Flugzeuge: Singapore Airlines, Air France und Emirates. Insgesamt haben deutsche Anleger demnach bis zum Jahr 2016 mehr als 3 Milliarden Euro in rund 70 Flugzeugfonds investiert.

          Eine der betroffenen Fondsgesellschaften ist die Dr. Peters Group. Hier geht es allein mit Blick auf A380-Flugzeuge um etwa 13.000 Anleger und 360 Millionen Euro. Die jährlichen Auszahlungen von bis zu 7,5 Prozent lockten so manchen Investor – trotz des höheren Risikos. Die Anteile können als geschlossene Fonds nicht einfach wieder zurückgegeben oder an einer Börse verkauft werden wie andere Wertpapiere. Es existiert zwar ein Zweitmarkt, der aber weniger liquide ist.

          Alles Verwertbare ausgebaut

          Wie steht es um die Fonds von Dr. Peters im Detail? Zwei A380 werden seit Ende 2018 zerlegt und sollen in Einzelteilen verkauft werden. Dies betrifft die Fonds DS 129 und DS 130. Mittlerweile seien alle verwertbaren Teile der beiden Flugzeuge ausgebaut, geprüft, verpackt sowie eingelagert und würden nun innerhalb des Komponentenverkaufs vermarktet, sagt Sebastian Podwojewski, Sprecher von Dr. Peters. Seit dem Verkaufsbeginn im Dezember 2018 hätten so schon mehr als 500 Teile veräußert werden können, wie die Fahrwerke sowie wesentliche Teile der Kabine und der Bordcomputer.

          „Mit diesem Auftakt sind wir zufrieden“, sagt Podwojewski. Auch der erzielte Verkaufserlös von bislang zusammen gut 35 Millionen Dollar sei solide. Da der Komponentenverkauf auf mindestens zwei Jahre angelegt sei, könne man aber derzeit noch kein abschließendes Urteil abgeben. Hinzu kämen monatliche Einnahmen von rund 480.000 Dollar für jedes Flugzeug aus dem Vermieten der Triebwerke an den Motorenhersteller Rolls Royce.

          Auf diese Weise hätten beide Fondsgesellschaften im Sommer schon vollständig entschuldet werden können. Zudem hätten diese Fonds im Herbst ihre Auszahlungen mit 5 Prozent wieder aufnehmen können. Prospektgemäß hätten es jedoch 7,25 Prozent sein müssen. Im Frühjahr 2020 seien ebenfalls 5 Prozent vorgesehen. Die tatsächliche Auszahlung hänge aber von den Verkaufserlösen ab.

          Auf Tuchfühlung: A380 auf der Dubai Airshow

          Es gibt zwei weitere A380, die Singapore Airlines schon an Dr. Peters zurückgegeben hat. Bei der Wiedervermarktung dieser Flugzeuge, die mit Hilfe des Fonds DS 131 finanziert worden seien, strebe man noch immer einen möglichen Anschlussleasing-Vertag oder einen Verkauf der Flugzeuge an, sagt Podwojewski: „Leider müssen wir jedoch konstatieren, dass sich das Marktumfeld für den A380 nach der Produktionsstopp-Entscheidung durch Airbus weiter eingetrübt hat.“ Daher sei es trotz intensiver Vermarktungsbemühungen bislang nicht gelungen, eine komplette Anschlusslösung für beide Flugzeuge zu erreichen. Eine wirtschaftlich tragfähige Zwischenlösung sei aber auch für diese Fondsgesellschaft ein Triebwerks-Lease, der monatlich stabile Einnahmen von ebenfalls rund 480 000 Dollar je Flugzeug generiere.

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