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Easyjet kauft Air-Berlin-Teil : Hoffnung für die Ticketpreise

Großer Bahnhof, nein, Flughafen: Abschied vom letzten Air-Berlin-Flug in München. Bild: BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Easyjet kauft Teile von Air Berlin. Das macht den Fluggästen in Deutschland wieder Hoffnung. Die Ticketpreise könnten wieder fallen – aber auf einigen Strecken wird es schwer.

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          Am Ende ist es doch nicht nur die Lufthansa. Auch die britische Billig-Fluggesellschaft Easyjet bekommt einen kleinen Teil von Air Berlin. 81 Flugzeuge bekam die Lufthansa, seit vergangener Nacht ist klar: Easyjet übernimmt 25 Flugzeuge, die meisten sollen in Berlin stationiert werden und „das größte Kurzstrecken-Netzwerk am Flughafen Tegel“ werden, wie Easyjet selbst wirbt.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das kann Fluggästen die Hoffnung retten, die manchem zuletzt schon fast verloren schien: die Hoffnung auf Wettbewerb im innerdeutschen Flugverkehr und auf gebremste Ticketpreise. Eigentlich sinken die Ticketpreise in Deutschland seit Jahren, zumindest für Billigflüge. Doch nach dem Aus von Air Berlin war die Angst greifbar, dass es damit ein Ende haben könnte, weil die Lufthansa auf vielen Strecken zum Monopolisten würde.

          In den vergangenen Monaten waren derart viele ehemalige Air-Berlin-Passagiere bei der Lufthansa angekommen, dass die auf der Strecke Frankfurt-Berlin sogar einen Jumbo-Jet einsetzte. Die Lufthansa profitierte kräftig von höheren Ticketpreisen: Insgesamt bekam sie im ersten Halbjahr über den Gesamtkonzern gerechnet nur zwei Prozent mehr Geld pro Streckenkilometer, doch seit Sommer waren es ganze 4,5 Prozent – so trug auch die Air-Berlin-Pleite zum Rekordgewinn der Lufthansa bei. Entsprechend wuchs die Angst davor, dass es so weitergeht. Die Wettbewerbsbehörden brachten sich ebenfalls schon in Stellung: Die Lufthansa müsse voraussichtlich Strecken abgeben, um die Air-Berlin-Übernahme genehmigt zu bekommen, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager der F.A.Z. in dieser Woche.

          Konkurrenz nicht für alle Strecken

          Jetzt scheint es so, als werde Easyjet der Lufthansa zumindest auf einer Reihe von Strecken doch Konkurrenz machen. „Zumindest für die Berlin-Strecken ist das sicher gut“, sagt der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission, der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap, der F.A.Z. Doch er betont auch: Wie es mit anderen Städten aussieht, ist noch nicht so klar. „Wie sich die Lage auf anderen Strecken entwickeln wird, hängt sehr davon ab, welche Start- und Landerechte Easyjet erhalten wird, insbesondere für Frankfurt, München, Düsseldorf und auch Hamburg. Dass etwa Easyjet auch die Strecken Düsseldorf-München, Frankfurt-München oder Hamburg-München bedienen wird, ist noch nicht abzusehen.“ Trotzdem profitierten auch die Fluggäste, die nicht mit Easyjet fliegen – nämlich eben davon, dass die Lufthansa ihre Preise nicht so erhöhen kann.

          EASYJET

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          Wie viel Spielraum hat Easyjet für niedrige Preise? Das ist noch nicht so klar. Immerhin werden die 1000 Mitarbeiter, die die Fluglinie übernimmt, nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ungefähr so viel verdienen wie zuvor. Bisher allerdings spielte Air Berlin mit seinen Ticket-Preisen nur auf wenigen Strecken die Kosten ein. Wird der Wettbewerb auch Easyjet dazu treiben, unter Kosten zu fliegen? Zieht Easyjet sich dann ebenfalls aus dem Markt zurück? Oder wird Easyjet es trotz seiner Tarife schaffen, günstiger zu fliegen als Air Berlin?

          Ökonom Haucap ist da optimistisch. Wichtig sei vor allem, dass Passagiere und Gepäck am Flughafen schnell aus dem Flugzeug und wieder hinein kommen, damit die Maschinen wieder abheben können: „Die Flugzeuge müssen in der Luft sein. Darin scheint Easyjet ganz gut zu sein.“

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