https://www.faz.net/-gv6-9n3tj

Neue Flixtrain-Strecke : Eine Zugfahrt für 9,99 Euro

Ein Flixtrain hält auf der neuen Verbindung Berlin–Köln im Hauptbahnhof Hannover. Bild: dpa

Günstiger als mit Flixtrain kann man nicht Bahn fahren. Jetzt hat die nächste Strecke eröffnet. Die Züge haben aber ihre Nachteile.

          3 Min.

          Von Großstadt zu Großstadt für 9,99 Euro? Nein, es gibt keine neue, ultragünstige Billigfluglinie, die solche Kampfpreise anbietet. Auch die Bahn hat die Preise nicht dramatisch gesenkt. So günstig konnte man bisher nur mit der Mitfahrzentrale oder dem Fernbus reisen. Inzwischen gibt es eine weitere Möglichkeit: die Billigzüge des privaten Anbieters Flixtrain.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Flixtrain unterbietet die Preise der Deutschen Bahn deutlich, eine Idee, die seit vergangenem Frühjahr offenbar bei den Passagieren ankommt. Daher wird das Liniennetz nun erweitert. Nun fährt auch auf der Strecke von Berlin nach Köln einmal täglich ein Flixtrain hin und zurück und hält unterwegs unter anderem in Hannover, Bielefeld, Dortmund, Essen und Düsseldorf. Im Sommer soll ein zweiter Zug hinzukommen. Damit geht die dritte Verbindung in Betrieb, nach Köln–Münster–Hamburg und Stuttgart–Frankfurt–Hannover–Berlin. Im Juli soll auch zwischen Köln und Hamburg ein weiterer, dann dritter Zug am Tag rollen.

          Flixtrain reagiert damit auf die unerwartet hohe Nachfrage. „Wir haben 2018 unser Ziel von 500.000 Kunden deutlich übertroffen“, sagt Fabian Stenger, Geschäftsführer von Flixtrain. Genauer will er es noch nicht sagen. Die grün gestrichenen Züge gehören zum Unternehmen Flixmobility, das in Deutschland mit Flixbus zum Marktführer bei Fernbussen geworden ist.

          „Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren die Zahl der Züge auf den bestehenden Verbindungen zu erhöhen und alle Großstädte mit Flixtrain zu verbinden. Flixbus soll dabei auch als Zubringer dienen, um weitere Städte an die Züge anbinden zu können.“ So gibt es zum Beispiel schon jetzt eine Umsteigemöglichkeit von Hamburg nach Stuttgart. Den ersten Teil fährt der Bus bis Hannover, dort wechseln die Passagiere mit 30 Minuten Wartezeit in den Flixtrain nach Stuttgart.

          Ein unschlagbarer Preis

          Der Hauptvorteil von Flixtrain gegenüber der Deutschen Bahn ist der deutlich günstigere Preis, der bei 9,99 Euro startet. Der Staatskonzern bietet seine billigsten Fernkverkehrstickets für 19 Euro an. Selbst die teuren Flixtrain-Fahrkarten – bei kurzfristiger Buchung, vor Feiertagen und Wochenenden – kosten nicht mehr als 50 Euro, während die Deutsche Bahn dann auch mehr als 100 Euro verlangt.

          Dafür müssen Kunden der privaten Konkurrenz ein paar Nachteile in Kauf nehmen. Der Komfort ist in den deutlich älteren Waggons geringer als im ICE. Es gibt nur ein Bordbistro mit kalten Snacks und kein Restaurant wie im ICE. Und die Fahrzeiten sind länger. So schafft der ICE die Strecke Berlin–Köln in 4:19 Stunden, Flixtrain braucht 5:40 Stunden. Das ist aber deutlich schneller als der Flixbus, der mindestens 8:25 Stunden benötigt und auch nicht günstiger ist.

          Die spannende Frage für Passagiere ist nun, ob Flixtrain sein Angebot auch langfristig aufrechterhalten und wie geplant ausbauen kann. Denn schon vorher hatten sich private Wettbewerber (Locomore, Inter Connex, Hamburg-Köln-Express) an Fernstrecken versucht, sind aber aus finanziellen Gründen gescheitert. Flixtrain könnte es hingegen schaffen, in ein paar Jahren profitabel zu werden. „Flixtrain wird beweisen, dass es erfolgreicher sein kann.

          Es kann die Zugverbindungen in ein bestehendes Busnetz integrieren, hat starke Finanzinvestoren und eine etablierte Marke“, heißt es in einer Studie der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little über Billigzugkonzepte in Europa. In der Tat: Flixbus kennen mittlerweile viele, und auf dessen Internetseite lassen sich auch die Zugtickets kaufen. Diesen Vorteil hatten private Zuganbieter vorher nicht.

          Hürden für mehr Verkehr auf der Schiene

          Dennoch ist es schwer, so rasch zu wachsen wie das Busnetz. Die Hürden für mehr Verkehr auf der Schiene sind deutlich höher. Das liegt zum einen an der sogenannten „Trassenvergabe“: Flixtrain konkurriert mit der Deutschen Bahn darum, wer wann auf einer bestimmten Strecke fahren darf. Manch hochbelastete Gleise haben kaum mehr Platz für zusätzliche Züge. Ein Problem sind auch die fehlenden Waggons für weitere Züge. Flixtrain betreibt die Verbindungen nicht selbst, sondern mit Partnern.

          Die kaufen aber keine teuren ICE oder neue Wagen, sondern alte. Davon gibt es aber nicht viele. Zudem gibt es Gerüchte, dass die Deutsche Bahn gebrauchte Waggons selbst erwirbt, weil sie selbst Bedarf hat und damit vielleicht auch der Konkurrenz das Leben schwerermacht. Lokomotiven lassen sich hingegen über die zahlreichen privaten Güterzugbetreiber leichter bekommen.

          Ein Potential für Billigzüge scheint es zu geben, wie erfolgreiche Beispiele aus dem Ausland zeigen. In Österreich ärgert die Westbahn die staatliche ÖBB. In Frankreich und Belgien werden die Billigzüge von den dortigen Staatsbahnen selbst betrieben, um der drohenden Konkurrenz aus dem Ausland zuvorzukommen. In Frankreich zum Beispiel fahren unter der Marke „ouigo“ alte, umgebaute TGV, die enger bestuhlt sind, weniger Gepäck erlauben und wie Billigflieger eher günstigere Bahnhöfe am Rand der Großstädte bedienen. Sie sind bis zu 50 Prozent billiger als die klassischen TGV.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Türkische Syrien-Offensive : „Erdogan will unsere Allianz brechen“

          Ünal Ceviköz, der Vize-Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, erklärt im Interview die innenpolitischen Motive des Nordsyrien-Feldzugs – und warum er die Ansiedlung von zwei Millionen Flüchtlingen in der „Sicherheitszone“ für utopisch hält.
          Bernd Lucke, Wirtschaftswissenschaftler und AfD-Mitbegründer, verlässt nach seiner verhinderten Antrittsvorlesung den Hörsaal der Universität Hamburg.

          Bernd Lucke : Nazischweine und Gesinnungsterror

          Vom AStA kann man nicht viel erwarten. Aber die Hamburger Regierung und die Universität leisten sich in Sachen Bernd Lucke eine peinliche Vorstellung.

          Ab 2020 : Klimaschutz führt zu neuen Regeln für Steuerpflichtige

          Die Politik will das Klima schützen. Hausbesitzer bekommen daher bis zu 40.000 Euro für energetische Sanierungen, und die Pendlerpauschale steigt. Für kurze Flüge dagegen wird die Mehrwertsteuer teurer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.