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Ausgefallene Flüge : Flightright verklagt Lufthansa wegen ausstehender Erstattungen

Wenige Flüge: Lufthansa-Jets auf dem Flughafen in München Bild: AFP

Geld statt Gutschein – das dürfen Passagiere verlangen, wenn in der Corona-Krise Flüge ausfallen. Da viele auf Erstattungen warten, droht ein Rechtsdienstleister mit einer Klagewelle.

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          Ausgebliebene Erstattungen für Flüge, die in der Corona-Krise nicht gestartet sind, werden zunehmend ein Fall für die Gerichte. Flightright, ein Dienstleister zur Durchsetzung von Fluggastrechten, teilte am Mittwoch mit, nun gegen die Deutsche Lufthansa zu klagen. Auch gegen den irischen Billigflieger Ryanair will das Unternehmen vor Gericht ziehen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Flightright hat nach eigenen Angaben 20.000 Fälle vorliegen, in denen Kunden eine Erstattung der Ticketpreise zusteht, die nicht erfolgt ist. Es soll um ausstehende Rückzahlungen von mehr als 20 Millionen Euro gehen. Das Unternehmen ist einer von mehreren Anbietern, die seit Jahren im Auftrag von Passagieren Entschädigungen nach den EU-Flugastrechten für Verspätungen und andere Unregelmäßigkeiten eintreiben. Mit den Erstattungsansprüchen für in der Corona-Krise ausgefallene Flüge sieht das Unternehmen nun ein neues Tätigkeitsfeld für sich geschaffen.

          „Diese Gerichtsverfahren sind juristisch unnötig, denn die Rechtslage ist eindeutig“, sagt Flightright-Gründer Philipp Kadelbach. Wünschten Passagiere für einen ausgefallenen Flug eine Erstattung, müssten Airlines Geld zurückzahlen. Anders als bei Verspätungen gelte das unabhängig vom Grund des Ausfalls.

          Tausende weitere Klagen möglich

          Flightright räumt indirekt ein, den deutschen Marktführer und den bekannten Billigfluganbieter zunächst herausgepickt zu haben – wohl auch wegen der erhofften Aufmerksamkeit. Denn Lufthansa und Ryanair seien keine Einzelfälle. „Kaum eine Fluggesellschaft verhält sich derzeit gesetzestreu und zahlt den Fluggästen den Ticketpreis zurück“, erklärt Flightright.  „Wenn die Airlines weiterhin auf stur schalten, werden wir daher in den nächsten Tagen und Wochen tausende weitere Klagen für unsere Kunden einreichen", sagt Rechtsfachmann Oskar de Felice.

          Denn bis jetzt habe auch die Beauftragung des Rechtsdienstleisters, der dann anstelle der betroffenen Passagiere Zahlungen fordert, in vielen Fällen nicht geholfen. Die meisten Fluggesellschaften zeigten sich auch gegenüber Flightright zahlungsunwillig, wenn das Unternehmen außergerichtlich die Erstattungen verlange. Die Billigflieger Easyjet und Wizzair seien jedoch den Forderungen nachgekommen. „Das zeigt wieder einmal, wie schwer es Passagiere oft im Alleingang gegen übermächtig wirkende Airlines haben“, übt de Felice dennoch Kritik.

          Reisende haben die Wahl

          Die EU-Fluggastrechte lassen Kunden die Wahl, ob sie ein Guthaben, eine – in der Corona-Krise kaum mögliche – zeitnahe Alternativbeförderung oder Geld zurück bekommen wollen. Eine Rückzahlung müsste dann binnen sieben Tagen erfolgen. Doch das passiert laut Flightright selten. Auch in den Fällen, in denen Airlines eine Erstattung in Aussicht stellten, warten nach einer Umfrage im Auftrag des Unternehmens 78 Prozent der Passagiere auf das Geld.

          Die Fluggesellschaften sehen sich derweil in einer Notlage. Zahlen sie alle Kunden aus, wird die ohnehin abschmelzende Liquidität noch knapper. Sie haben daher mitunter Erstattungsverlangen erschwert und dafür vorgesehene Online-Verfahren abgeschaltet. Gleichzeitig versuchen sie, Kunden Gutscheine schmackhaft zu machen. Die Bundesregierung wollte eine vorübergehende Pflicht zur Annahme der Gutscheine schaffen, stieß aber auf Widerstand der EU-Kommission.

          Für den Lufthansa-Konzern hatte Rechtsvorstand Michael Niggemann auf der Hauptversammlung vor zwei Wochen vorgerechnet, dass der Konzern noch über rund 4 Milliarden Euro flüssige Mittel verfüge, wegen laufender Kosten würden es jeden Monat 800 Millionen Euro weniger. Und rund 1,8 Milliarden Euro der vorhandenen Mittel stammten aus Kundenzahlungen für Flüge bis Ende Mai, die wohl entfallen. Der Konzern verhandelt über ein Staatshilfepaket von 9 Milliarden Euro, das aber noch nicht fertig ist. Dass Lufthansa Rückzahlungen verweigere, bestritt Niggemann. „Erstattungen sind grundsätzlich weiter möglich“, sagte er. Doch die Auszahlungen könnten „nicht in den sonst üblichen Fristen erfolgen.“

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