https://www.faz.net/-gv6-6mjq5

Finanzprodukte : Rohstoffanlagen werden immer beliebter

Anleger investieren immer mehr in Agrarrohstoffe wie Sojabohnen. Bild: dpa

Während Gold im heimischen Tresor Platz findet, sieht es mit Öl oder Kupfer anders aus. Indexfonds und physisch besicherte Papiere bieten sich an.

          4 Min.

          Investorenlegende Jim Rogers ist überzeugt, dass eine Wette auf Rohstoffe langfristig immer aufgeht: "Verbessert sich die Konjunktur, kommt es zu Knappheiten. Verschlechtert sich jedoch die Weltwirtschaft, werfen die Zentralbanken die Notenpresse an, und die Anleger gehen aus Angst vor Inflation in Sachwerte. Die Folge ist die gleiche: Die Rohstoffpreise steigen."

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch wenn nicht alle Investoren den Optimismus von Rohstoff-Fan Rogers teilen, hat diese Anlageklasse in den vergangenen Jahren einen Boom sondergleichen erlebt. Waren Rohstoff-Investments noch vor einigen Jahren ein paar Spezialisten vorbehalten, werden sie heute von vielen Vermögensberatern als Beimischung für das Depot empfohlen. Argumentiert wird dabei meist mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und dem steigenden Energiehunger in den Schwellenländern. Dadurch nehme die Nachfrage nach Öl, Industriemetallen und Agrarrohstoffen zu, während allerdings das Angebot begrenzt sei.

          Konjunktur, Wetter, Rezession

          Grundsätzlich steigen die Rohstoffpreise vor allem in Phasen des Aufschwungs, da die Industrie bei guter Konjunkturlage mehr Metalle und Energie benötigt. Bei Agrarrohstoffen ist das Wetter zudem wichtig für die Preisbildung, da es das Angebot maßgeblich beeinflusst. So sind in den vergangenen Wochen die Preise für Mais und Sojabohnen stark gestiegen, da die starke Trockenheit in den amerikanischen Hauptanbaugebieten den Pflanzen geschadet hat.

          Bei Gold verhält es sich genau umgekehrt. Der Preis des Edelmetalls steigt gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, wie sie im Moment herrschen. Die europäische Schuldenkrise und die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten lassen die Anleger nach Sicherheit streben. Diese meinen sie im Gold zu finden. Im Sommer stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls von 1500 Dollar bis auf 1914 Dollar. Dazu hat Gold den Vorteil, dass es sich relativ leicht lagern lässt - ein Kilogramm Gold findet auch im heimischen Tresor Platz, bindet zum aktuellen Kurs jedoch fast 55.000 Euro.

          Kein Platz für Kakaosäcke

          Das sieht bei Industriemetallen, Öl und Kakaobohnen jedoch ganz anders aus. Da die meisten Privatanleger zwar an den steigenden Rohstoffpreisen teilhaben, sich aber keinen Tanklaster mit Rohöl oder eine Tonne Kupfer in den Garten stellen möchten, wurden Produkte konzipiert, die das eine ermöglichen, das andere jedoch ausschließen. Seitdem im Sommer 2008 für viele Rohstoffe Rekordpreise gezahlt wurden, hat der Handel mit börsennotierten Rohstoffpapieren, sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) oder Exchange Traded Commodities (ETC), einen Boom erlebt.

          Waren Anfang 2008 noch etwa 44 Milliarden Dollar in Rohstoffpapieren investiert, ist es heute mehr als das Vierfache. Im Gegensatz zu den klassischen Zertifikaten wird bei den meisten ETF und ETC versucht, das Emittentenrisiko, also die Gefahr eines Zahlungsausfalls des Anbieters, auszuschalten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          München braucht eine Therapie : Kann Bayern nichts richtig machen?

          Bayern-Trainer Hansi Flick hat eine gewagte These aufgestellt. Die dürfte er inzwischen bereuen. Doch plötzlich wird so aus einem Champions-League-Spiel, in dem es sportlich um nichts mehr geht, ein bizarres Duell.
          Immer mehr junge Mädchen und Frauen wünschen sich eine Transition zum Mann.

          Diagnose Transgender : Einmal Mann sein – und wieder zurück

          Die Zahl der jungen Frauen, die ihr Geschlecht ändern wollen, nimmt rasant zu. Gleichzeitig sind Hormone und Operationen so leicht und unkompliziert zu bekommen wie nie zuvor. Doch manche bereuen diesen Schritt später.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.