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Wer zahlt fürs Studium? : Man kann auch auf Kredit studieren

Bafög, Nebenjob, Kredit: Studenten haben verschiedene Möglichkeiten, ihr Studium zu finanzieren. Bild: dpa

Nur ein kleiner Teil von Studenten nutzt bislang spezielle Studienkredite. Dabei gibt es mindestens zwei Situationen, in denen sie sinnvoll seien können. FAZ.NET erklärt, was Sie beachten müssen.

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          Wer soll für den Unterhalt von Studierenden aufkommen? Diese Frage wird in verschiedenen Ländern unterschiedlich beantwortet. In Skandinavien zum Beispiel gelten Studenten als Erwachsene, die sich schon vom Elternhaus gelöst haben – auch finanziell. Ihre Eltern müssen nicht für ihr Studium zahlen, sie erhalten von anderen Stellen Zuschüsse und Darlehen. In Deutschland hingegen betrachtet man Studenten als junge Erwachsene, die dem Elternhaus erst langsam entwachsen. Sie haben einen gesetzlich verankerten Unterhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern, in der Regel bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss. Die Studierenden sind frei in der Wahl des Fachs, müssen aber zügig und zielorientiert studieren, um die Belastung der Eltern gering zu halten.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          Derzeit können Studenten, die nicht bei ihren Eltern wohnen, 670 Euro im Monat als Unterhalt verlangen. Zu diesem Betrag, der dem Bafög-Höchstsatz entspricht, kommen die Kosten für die Krankenversicherung hinzu. Nur wenn die Mittel der Eltern nicht ausreichen, beteiligt sich der Staat an der Studienfinanzierung. Dafür müssen die Studenten Bafög beantragen. Der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern fällt außerdem geringer aus, wenn man mehr als geringfügig arbeitet, gespart oder geerbt hat.

          In Deutschland sind es also grundsätzlich die Eltern und der Staat, die für den Unterhalt der Studenten aufkommen sollen. Nach der letzten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks vom Sommersemester 2012 stammt zwar der Großteil der studentischen Einnahmen aus diesen beiden Quellen, allerdings waren es weniger als 670 Euro im Monat. Der nicht mehr im Elternhaus wohnende Student verfügte im Durchschnitt über 864 Euro im Monat, knapp die Hälfte stammte von den Eltern und 16 Prozent aus dem Bafög. Das ergibt rund 550 Euro. Selbst verdient waren 24 Prozent oder gut 200 Euro. Das meiste gaben die Studenten für das Wohnen aus, rund 34 Prozent ihrer Einnahmen.

          Der Kredit als letztes Mittel

          Es gibt noch eine Geldquelle von Bedeutung, zumindest für einen Teil der Studenten: Rund 6 Prozent nehmen einige hundert Euro im Monat über einen Studienkredit auf. Diesen gibt es hierzulande erst seit dem Jahr 2005. Er tauchte auf, als Studiengebühren eingeführt wurden. Die sind inzwischen wieder verschwunden, der Kredit ist aber geblieben. Man kennt ihn vor allem aus angelsächsischen Ländern, wo junge Leute die hohen Studiengebühren auf Pump finanzieren und sich nicht selten stark verschulden. „In Deutschland dient er dagegen nur als Ergänzungsfinanzierung“, sagt Ulrich Müller, Studienkreditexperte im CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh: „Er ist ein Baustein neben Bafög, Begabtenförderung und dem Zuverdienst über einen Nebenjob, wenn das Geld der Eltern nicht reicht.“

          Zwei Hauptanlässe gebe es, einen Kredit aufzunehmen. „Entweder hat man keine andere Möglichkeit, finanzielle Lücken zu schließen, oder man will sich ganz auf das Studium konzentrieren.“ Das gilt zum Beispiel für Studierende im letzten Jahr, die ihren Nebenjob aufgeben, um sich ganz auf die Abschlussprüfungen zu konzentrieren. Allgemein werden Kredite gerne zum Ende des Studiums hin beantragt. Müller lobt den Studienkredit als sinnvolles zusätzliches Finanzierungsinstrument – rät aber dringend, zuerst alle anderen Quellen auszuschöpfen. Denn: Geld von den Eltern, Stipendien und mindestens die Hälfte des Bafög muss man nicht zurückzahlen. Auch sollte man genau überlegen, welchen Lebensstil man auf Kredit finanziert.

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