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Was der Neid anrichtet : Vorsicht vor reichen Nachbarn

Villa mit Yacht in der Lombardei. Bild: Picture-Alliance

Wer reiche Nachbarn hat, geht eher pleite, zeigt eine neue Studie. Schuld ist der blanke Neid.

          Unter Nachbarn ist der Neid groß – das weiß das Sprichwort schon lange. „Keeping up with the Joneses“, so nennen es die Amerikaner, wenn man sich teure Autos oder große Grills kauft, nur weil die Nachbarn das auch haben. Vor zwei Jahren diente das Sprichwort sogar als Titel einer Actionkomödie. Tatsächlich wissen Ökonomen und Psychologen seit langem: Wie reich man sich fühlt, das hängt nur zum Teil davon ab, wie viel Geld man wirklich hat – und zu einem großen anderen Teil, wie sich der eigene Reichtum zu dem der Bekannten verhält.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt haben Ökonomen nachgewiesen, dass der Neid auf die Nachbarn Menschen tatsächlich systematisch dazu bringt, über ihre Verhältnisse zu leben. Dazu nutzten sie einen raffiniert einfachen statistischen Trick: Sie achteten auf Lotteriegewinne. Die sind nun wirklich ziemlich zufällig verteilt. Plötzlich kommt Reichtum in die Nachbarschaft – und das führt dazu, dass die Nachbarn des Lottogewinners häufiger pleitegehen. So steht es in einer Studie, die die amerikanische Notenbank von Philadelphia jetzt veröffentlicht hat.

          Für den Anfang zählte die Studie sehr einfach durch, wie viele Privatinsolvenzen es in jedem Postleitzahlenbereich einer kanadischen Provinz gab. Kanadische Postleitzahlen umfassen kleine Nachbarschaften mit rund einem Dutzend Haushalten. Dann verglichen die Forscher die Zahl der Insolvenzen mit den rund 7000 Gewinnern einer Lotterie aus den Jahren 2004 bis 2014. Die hatten nicht mal Millionen gewonnen, häufig ging es nur um umgerechnet 1000 oder 2000 Euro. Gewinne oberhalb von 100.000 Euro betrachteten die Forscher nicht mal. Doch die Auswirkungen dieser relativ kleinen Gewinne auf die Nachbarschaft war messbar.

          Eine Bank hilft

          In den fünf Jahren nach dem Lotteriegewinn war in jedem einzelnen Jahr die Zahl der Privatinsolvenzen in der Nachbarschaft höher als in Gegenden ohne Lottogewinn. Je höher der Gewinn ausfiel, desto eher gingen die Nachbarn pleite. Besonders ausgeprägt war der Effekt drei Jahre nach dem Lottogewinn – also dann, wenn der Gewinner sich schon etwas geleistet hatte, die Nachbarn nachgezogen waren und dann ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen konnten.

          Denn genau so liefen die Pleiten ab: Erst gewann einer Geld. Dann gaben seine Nachbarn ebenfalls mehr Geld aus. Die Forscher konnten sogar messen, dass die Nachbarn nicht etwa mehr Geld für Möbel oder feine Nahrungsmittel ausgaben, sondern für Dinge, die die Nachbarn sehen, zum Beispiel für Hausumbauten oder Autos. Dafür nahmen die Nachbarn höhere Kredite auf – und gingen entsprechend öfter in die Insolvenz.

          Bewahrt werden konnten sie allerdings von der Bank. Denn dieser Kreislauf funktionierte so nur, wenn es im Viertel keine Bankfiliale gab. Wenn die Nachbarn aber eine nahegelegene Filiale hatten, bei der sie Kreditangebote einholen konnten, dann gingen sie seltener pleite. Offenbar bemerken die Bankmitarbeiter vor Ort, was los ist, und halten die Nachbarn von den zusätzlichen Krediten ab.

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