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Immobilien-Finanzierung : Auf dem Land schneller schuldenfrei

Günstig finanziert? Bild: dpa

Mit einem durchschnittlichen Einkommen braucht man in Deutschland 26 Jahre, um den Kredit für eine Wohnung mit 110 Quadratmetern abzuzahlen. Doch regional gibt es große Unterschiede.

          4 Min.

          Wer träumt nicht davon, eine Immobilie zu kaufen und dennoch in Windeseile schuldenfrei zu sein? Am schnellsten möglich ist dies hierzulande offenbar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Dies jedenfalls ergibt eine Untersuchung der Postbank. Demnach sind dort durchschnittlich nur 6,1 Jahre vonnöten, um ein Darlehen für eine Eigentumswohnung mit 110 Quadratmetern abzuzahlen und diese dann ganz und gar sein Eigen nennen zu können.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Salzwedel liegt gut 100 Kilometer Luftlinie von Hannover entfernt in nordöstlicher Richtung. Aber auch Prignitz in Brandenburg oder Holzminden in Niedersachsen stehen dieser Region mit einer durchschnittlichen Tilgungsdauer von 6,9 beziehungsweise von 7,7 Jahren kaum nach. 54 Jahre lang müsste demnach zum Beispiel ein Normalverdiener seinen Hypothekenkredit in Würzburg zurückzahlen.

          Für die Analyse der Postbank wurden die Immobilienpreise in allen Kreisen und kreisfreien deutschen Städten ins Verhältnis zum jeweiligen durchschnittlichen Einkommen gesetzt. Daraus wurde berechnet, wie lange jemand braucht, um einen Kredit für eine Wohnung abzuzahlen.

          Es wurde angenommen, dass für Zins und Tilgung höchstens 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens aufgewendet werden können. Während der Laufzeit sinkt der Anteil der Zinszahlungen, der Anteil der Tilgung nimmt zu. Der niedrige Zins kann finanzmathematisch dazu führen, dass Kreditverträge zumindest theoretisch sehr lange laufen müssen, bis sie endlich getilgt sind. Die zur Finanzierung gewählte Eigenkapitalquote betrug 20 Prozent. Sie deckt auch die mit 10 Prozent angenommenen Nebenkosten des Immobilienkaufs ab.

          Grundsätzlich zeigt die Studie, dass Immobilienkäufer im Durchschnitt in deutschen Großstädten länger brauchen, um wieder schuldenfrei zu sein. In ländlicheren Regionen, vor allem vielen dünner besiedelten Gegenden im Osten Deutschlands hingegen können sie ihre Immobiliendarlehen vergleichsweise schnell abbezahlen. Anders ist dies freilich auch dort in Regionen, die zum Beispiel für den Tourismus attraktiv sind, und wo zudem die durchschnittlichen Einkommen vergleichsweise niedrig sind, wie an der Ostsee.

          Im Durchschnitt fast 26 Jahre

          Ein weiteres Ergebnis der Studie: Immobilienerwerber brauchen hierzulande bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent im Durchschnitt fast 26 Jahre, um das Darlehen für ihre Wohnung von 110 Quadratmetern abzubezahlen. Steigen die Zinsen dabei um nur einen Prozentpunkt, verlängert sich die Tilgungsdauer im Durchschnitt über alle Kreise um rund sieben Jahre. In einzelnen Städten schlägt sich dieser Effekt freilich noch deutlicher nieder wie zum Beispiel in Lübeck mit 27 Jahren.

          Ein Grund, das aktuell sehr günstige Zinsumfeld auszunutzen, sagen die Finanzexperten der Postbank. Sie raten deswegen, den Erwerb einer Immobile angesichts möglicherweise bald steigender Baugeldzinsen nicht auf die lange Bank zu schieben. Übereilen sollten Interessierte den Kauf dennoch nicht und ihn wohl überlegen. Denn viele Immobilienpreise sind derweil deutlich gestiegen.

          Aktuell müssen nach Daten der FMH-Finanzberatung für ein Hypothekendarlehen mit 20 Jahren Zinsbindung im Bundesdurchschnitt 2,24 Prozent an Zinsen gezahlt werden. Der Satz ist zuletzt wieder etwas gefallen. Im Tief waren es im Mai sogar nur rund 1,85 Prozent. Vor zehn Jahren beliefen sich die Zinsen für eine derartige Finanzierung noch auf 5 Prozent.

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