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Niedrige Zinsen : Richtig Schulden machen

Bild: iStock

Kredite sind so günstig wie nie. Doch auch sie müssen zurückgezahlt werden. Das sollte man nicht unterschätzen.

          Eine Rechnung können viele Verbraucher ganz ohne Taschenrechner anstellen, und sie tun es nur zu oft: Die Sparzinsen fürs Tagesgeld liegen im Schnitt bei geradezu albernen 0,16 Prozent. Selbst wer sein Konto bei einer Topzins-Bank hat, schafft selten mehr als 0,75 Prozent. Die Inflation dagegen liegt schon wieder bei 1,5 Prozent. Geld horten lohnt sich also nicht, damit verlieren Sparer.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im schlechtesten Fall schrumpelt das Ersparte sogar um 1,3 Prozent jährlich dahin, da kann man es lieber gleich ausgeben - oder man macht jetzt Schulden, das lohnt sich sozusagen doppelt: Denn auch die Kreditzinsen sind so niedrig wie nie. Ein Hauskredit mit zehnjähriger Zinsbindung kostet im besten Fall bloß 1,32 Prozent jährlich. Also weniger als jene 1,5 Prozent, um welche die Inflation den Kredit jährlich entwertet. Das mildert die Schuldenlast ja quasi von allein, denken viele – und entscheiden sich fürs Schuldenmachen statt Sparen. Doch das ist ein teurer Irrtum.

          Man sollte also lieber doch den Taschenrechner rausholen und vor allem genau überlegen, für welche Anschaffung man sich in die Miesen stürzt und in welcher Höhe. Denn auch bei Minizinsen können Schulden schnell zum Problem werden, wenn die aufgenommenen Summen groß sind. Um 20.000 Euro abzuzahlen, muss man bei gängigen Konditionen fünf Jahre lang monatlich 370 Euro aufbringen, das ist eine Menge Geld. Wer es in drei Jahren schaffen will, muss sogar 590 Euro berappen, da dürfte bei vielen das Geld schon knapp werden. Und tatsächlich lohnt sich das Schuldenanhäufen nur in sehr wenigen Fällen.

          Als Faustregel gilt, Ratenkredite sind zwar immer billiger als ein Konto, das längere Zeit im Dispo ist. Aber: Man sollte sie nur für Anschaffungen aufnehmen, die einem später entweder Kosten ersparen oder das Einkommen langfristig mehren. Alles andere ist gefährlich. Das eigene Haus ist immer ein guter Kreditgrund, da es später Mietzahlungen überflüssig macht oder bei Vermietung eigene Mieteinnahmen bringt. Zudem kann man bei Immobilien kaum so lange sparen, bis man sie aus einem Guthaben bezahlen kann, sonst zögen viele Familien erst ins Eigenheim, wenn die Kinder schon erwachsen sind. Auch Kredite für Bildung zahlen sich meist aus, weil das spätere Gehalt dadurch höher ausfällt. Insgesamt sollte man Kredite für Investitionen nutzen, dann ist das Geld gut angelegt.

          Von Konsumkrediten wird abgeraten

          Wer sie dagegen nutzt, um Konsumprodukte zu finanzieren, der macht in der Regel ein Minusgeschäft, selbst wenn die Minizinsen noch so verlockend klingen. Denn rund drei Prozent zahlt man bei Ratenkrediten im besten Fall dennoch dafür, sich bereits heute zu gönnen, wofür man sonst ersparen müsste. Meist verlangen Banken sogar vier bis sechs Prozent. Denn die 1,9 Prozent Superzins aus der Werbung erhalten nur die allerwenigsten Kunden, diejenigen mit bester Bonität nämlich. Aussagekräftiger ist bei Zinsvergleichen daher die Zwei-Drittel-Zinsnennung. Sie gibt an, welchen Zins zwei Drittel aller Kunden bei dieser Bank wirklich bekommen haben. Und das sind ebenjene vier bis sechs Prozent im besten Fall, oft sind es sogar sieben bis zehn Prozent Sollzinsen.

          Nun kostet ein Kredit über 10.000 Euro – den man etwa in die neue Küche steckt – selbst bei drei bis vier Prozent Zinsen immerhin 500 bis 600 Euro bei dreijähriger Laufzeit. Und sogar 800 bis 1000 Euro, wenn man fünf Jahre für die Rückzahlung braucht. Füllt man mit denselben Monatsraten – die für einen Kredit fällig werden – ein Tagesgeldkonto, hätte man nach drei Jahren bei 0,75 Prozent Zinsen immerhin 10.700 Euro zusammen und nach fünf Jahren sogar 11.200 Euro. Trotz Minizinsen stellen sich Sparer besser als Kreditnehmer. Und dass die Küche schon in drei Jahren inflationsbedingt 700 bis 1200 Euro mehr kostet, ist doch recht unwahrscheinlich.

          Eine Ausnahme, die Schuldenberater bei Konsumkrediten gelten lassen, ist der Autokredit für alle, die dringend einen Wagen brauchen, um zur Arbeit zu fahren. Dann nämlich mehrt der Kredit wieder sein Einkommen. Zudem kosten Fahrzeuge größere Summen, die sich nicht so schnell zusammensparen lassen. Es gilt aber auch hier erhöhte Vorsicht, damit der 30 000-Euro-Autokredit nicht zur Schuldenfalle wird. Wenn das Auto durch einen selbstverschuldeten Unfall nur noch ein Haufen Schrott ist, laufen die monatlichen Kreditraten weiter. Im besten Falle gibt’s zwar Geld von der Vollkaskoversicherung, doch die zahlt nur für den Zeitwert des Autos. Auf dem Wertverlust bleibt der Kunde sitzen. Noch heikler wird es, wenn beim Autokredit der Fahrzeugbrief – der zum Verschrotten benötigt wird – bei der Bank als Sicherheit hinterlegt wird. Der Kreditgeber rückt ihn nur gegen eine gleichwertige Sicherheit heraus, etwa den Fahrzeugbrief vom Auto des Partners. Geht auch das kaputt, ist der Schaden auf einen Schlag enorm.

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