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Immobilienblasen : Sind Maßnahmen gegen eine Immobilienblase nötig?

Blick auf einen Neubau in Berlin-Kreuzberg Bild: dpa

Die Bundesregierung stößt mit neuen Instrumenten für Immobilienkredite auf wenig Begeisterung. Ein Register wird es wohl nicht geben.

          2 Min.

          Die zu Wochenbeginn bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung, einen neuen Katalog von Instrumenten zu schaffen, um nötigenfalls einer Immobilienblase entgegenwirken zu können, haben gemischte Reaktionen hervorgerufen. Aus der Finanzbranche war zu hören, die Banken seien froh, dass es jetzt doch kein Wohnimmobilienkreditregister geben soll - sie hielten allerdings auch weitere Instrumente im Kampf gegen eine Immobilienblase derzeit nicht für nötig.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Register war der Bundesregierung im vergangenen Jahr vom Ausschuss für Finanzstabilität dringend empfohlen worden, der künftigen Finanzkrisen vorbeugen soll und dem unter anderem die Deutsche Bundesbank angehört. Für das Register hätten die Banken zusammengefasste oder einzelne Daten über die von ihnen vergebenen Immobilienkredite melden müssen. Das hätte einigen bürokratischen Aufwand bedeutet, weswegen sich die Banken-Lobbyisten dagegen gewehrt haben - offenbar mit Erfolg.

          Bundesregierung will Kreditvergabe stärker regulieren

          Die Bundesbank hingegen hatte argumentiert, in Deutschland gebe es bislang, anders als in den meisten anderen europäischen Ländern, keine brauchbaren Daten über die Vergabe von Häuserkrediten. Das mache es schwer, Schritte zu ergreifen, wenn man eine Immobilienblase befürchte, weil man auf keine hinreichend detaillierten Zahlen zurückgreifen könne. Jetzt hört man, die Regierung wolle zunächst auf vorhandene Daten setzen und perspektivisch auf eine europäische Lösung warten. Das heißt wohl: Das Register kommt nicht.

          Was die Bundesregierung dagegen als Gesetzentwurf ins Parlament einbringt, sind vier Schritte, mit denen die Finanzaufsicht Bafin das Neugeschäft bei der Kreditvergabe für Wohnimmobilien beschränken darf: Eine Obergrenze für die Darlehenshöhe, bezogen auf den Immobilienwert („Loan to value“); eine Vorgabe, in welcher Zeit ein gewisser Teil des Darlehen getilgt sein muss; eine Obergrenze für die Raten im Verhältnis zum Darlehen („Debt Service to Income“) und schließlich eine Obergrenze für das Verhältnis aus Verschuldung und Einkommen.

          Experten uneins über Notwendigkeit

          Die Verbände der deutsche Kreditwirtschaft warnten davor, solche Instrumente jetzt schon einzusetzen; bislang gebe es keine Immobilienblase in Deutschland. „Ich sehe heute nirgendwo die Notwendigkeit, irgendwo einer Überhitzung entgegenzuwirken“, sagte der Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon in Berlin. Zwar gebe es eine Handvoll regionaler Immobilienmärkte, an denen es „bemerkenswerte“ Preisentwicklungen gebe. „Aber von einer Blase in Bezug auf die Immobilienwirtschaft in Deutschland würde ich nicht sprechen“, sagte er.

          Auch die Bundesbank sieht keine Immobilienblase. In Deutschland seien in den Ballungszentren die Preise für Wohnimmobilien zwar stark gestiegen, „allerdings sehen wir keine klaren Anzeichen für eine exzessive Kreditvergabe oder Abschwächung der Standards", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch der „Stuttgarter Zeitung" und den „Stuttgarter Nachrichten".

          Andreas Zehnder, der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der privaten Bausparkassen, meinte indes: „Das Grundanliegen der Politik, einer möglichen Preisblase auf den Immobilienmärkten vorzubeugen, ist verständlich.“ Die Umsetzung müsse jedoch „mit Augenmaß“ erfolgen: „Für uns stehen jetzt die Reparaturarbeiten bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie im Vordergrund“, sagte Zehnder. Diese Richtlinie hatte im März die Kriterien für die Vergabe von Immobilienkrediten verschärft, mehrere Bundesländer fordern Nachbesserungen.

          Immobilienpreise stark gestiegen

          Michael Kemmer wiederum, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, warnte: „Die Kreditvergabemöglichkeiten zu beschränken kann gravierende realwirtschaftliche Folgen haben.“ Daher müsse sichergestellt sein, dass die neuen Steuerungsinstrumente nur dann angewendet würden, wenn sie zuvor intensiv geprüft worden seien: „Derzeit können wir keine Anzeichen für eine Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes erkennen.“

          Zuletzt hatte der Maklerverband IVD über einen drastischen Anstieg von Immobilienpreisen unter anderem in Frankfurt berichtet. Insgesamt stiegen in Deutschland demnach die Wohnungspreise in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern in zwölf Monaten um 9,4 Prozent. Bei Städten mit 250 000 bis 500 000 Einwohnern betrug der Zuwachs 8,6 Prozent.

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