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Neue Bausparverträge : Erst bauen, dann sparen

Die Immobilien-Zinsen sind so niedrig wie lange nicht. Bild: dpa

Erst sparen, dann einen Kredit bekommen? Das ist nicht mehr immer so. Für Bausparkassen dreht sich das Geschäftsmodell teilweise um.

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          Deutschlands Bausparkassen befinden sich in einer der schwierigsten Phasen in ihrer fast 100-jährigen Geschichte. „Die Bausparkassen sind diejenigen, die durch die EZB-Politik am stärksten beeinträchtigt sind“, sagt Klaus-Jörg Mulfinger, im Vorstand der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) für die Landesbausparkasse zuständig. Bausparer, die seit vielen Jahren in einen Bausparvertrag eingezahlt haben und jetzt das Darlehen in Anspruch nehmen könnten, tun das häufig nicht, weil sie dafür die damals vereinbarten Zinsen von 3 oder 4 Prozent oder mehr zahlen müssten – und man heute viel billigere Baukredite bekommt. Entsprechend ist das Geschäft der LBS Hessen-Thüringen mit Baudarlehen weiter gesunken, von 74 auf 58,9 Millionen Euro im Jahr 2015.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bausparkasse hat dieser Entwicklung aber nicht untätig zugeschaut, wie Peter Marc Stober ausführte, Sprecher der LBS-Geschäftsleitung. Vielmehr hat sie ihr Angebot ergänzt. In zunehmendem Maße vergibt sie Kredite, für die man nicht mehr vorher jahrelang in einen Bausparvertrag einzahlen muss. Wer jetzt bauen will, bekommt einen sogenannten Vorfinanzierungskredit, der mit einem Bausparvertrag hinterlegt wird, in den der Bausparer die nächsten Jahre einzahlt. Das geht auch, wenn man einen Bausparvertrag hat, der noch nicht zuteilungsreif ist. Aus einem Produkt, bei dem man zuerst spart und dann baut, wird das Umgekehrte. Schon 2013 hat bei der LBS dieser Teil des Kreditgeschäfts ein größeres Volumen ausgemacht als die klassischen Bauspardarlehen. 2015 war dieses Geschäft mit 149 Millionen Euro mehr als doppelt so groß wie das mit Bauspardarlehen.

          Noch zehn Verfahren um vorzeitig gekündigte Bausparverträge

          Wie die meisten Bausparkassen, so hat auch die LBS Hessen-Thüringen darüber hinaus damit zu kämpfen, dass sie für alte Bausparverträge noch hohe Guthabenzinsen zahlen muss, die sie für eigene Anlagen immer seltener bekommt. Deshalb hat auch sie zahlreichen Kunden mit alten Verträgen gekündigt. In diesem Jahr sollen es weniger als 0,5 Prozent der 800.000 Bausparverträge mit einer Bausparsumme von fast 20 Milliarden Euro sein.

          Für 2014 hatte die Bausparkasse die Zahl von 6200 gekündigten Verträgen genannt. In diesem Zusammenhang seien zehn Gerichtsverfahren noch anhängig, alle vor Landgerichten. Rund 20 Verfahren habe man abschließen können. Ziel der Bausparkasse ist es, die durchschnittlichen Verzinsungen aller Bauspareinlagen von derzeit 1,88 Prozent bis 2019 auf 1,33 Prozent zu senken. Das geschehe aber vor allem durch das Auslaufen von Verträgen, hieß es, nur in kleinem Ausmaß durch die Vertragskündigungen.

          Die Bausparkasse hat 2015 einen Überschuss von 2,7 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 2,5 Millionen Euro im Vorjahr. Die Zahl der neuen Bausparverträge ging zurück, in Hessen von 69.886 auf 65.685, in Thüringen von 26.913 auf 22.749. Die Bausparsumme stieg aber auf 2,9 Milliarden Euro. Um die Bausparkasse zu entlasten, hat die Helaba ihr einen Teil der Pensionslasten abgenommen. Die LBS hat im Zusammenhang mit dem niedrigen Zinsniveau Pensionsrückstellungen von 18,2 Millionen Euro gebildet, die Helaba gab ihr dafür einen „außerordentlichen innerbetrieblichen Ausgleich“ von 16,1 Millionen Euro. Damit habe die LBS „ihre Hausaufgaben gemacht“, sagte Helaba-Vorstand Mulfinger. Wenn andere Bausparkassen wie die LBS West oder die neue große LBS im Südwesten an Fusionen interessiert seien, erwarte man ähnliche Schritte zur Bereinigung von Altlasten.

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