https://www.faz.net/-hbv-8j1mi

Kaufen auf Pump : Lohnt sich jetzt ein Ratenkredit?

Mit drei Klicks zum neuen Sofa auf Pump: Das geht mit einem Ratenkredit. Bild: Picture-Alliance

Ob Nullprozent-Finanzierung beim Möbelhändler, Ratenkauf im Onlineshop oder Konsumkredit von der Bank – an jeder Ecke lockt den Kunden der Kauf auf Pump. Doch wann ist jetzt ein Ratenkredit sinnvoll?

          Heute kaufen, später bezahlen – das klingt verlockend und hilft, so manchen Konsumwunsch zu realisieren, der sonst unerfüllt geblieben wäre. Der Kauf auf Pump liegt im Trend. Laut dem deutschen Bankenverband wurden im vergangenen Jahr Verbraucherkredite in Höhe von 130 Milliarden Euro vergeben – 8,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Kürzlich warb das Möbelhaus „Who’s perfect“ sogar mit einer Negativfinanzierung von Minus einem Prozent auf 24 Monate. Das Versprechen: Wer das neue Sofa oder die Küche auf Raten kauft, bekommt beim Abbezahlen sogar noch Geld zurück. Tatsächlich handelte es sich um eine Null-Prozent-Finanzierung plus ein Prozent Rabatt auf den Kaufpreis.

          Seit dem 1. Juni bietet auch Paypal den Ratenkauf im Internet für deutsche Kunden an: Wer im Onlineshop seiner Wahl zur Kasse geht, kann dort direkt einen Kreditantrag stellen. Paypal prüft innerhalb weniger Sekunden Identität und Bonität, dafür müssen Verbraucher nur Name, Anschrift und Geburtsdatum eingeben. Spricht für das System nichts dagegen, kann der Kunde auf Raten kaufen und seine Ware gestaffelt über einen Zeitraum von sechs bis 24 Monaten zurückzahlen.

          Ein Paypal-Konto ist dafür nicht nötig. Die monatlichen Raten werden direkt vom Konto des Käufers abgebucht. Auch Sondertilgungen oder eine vorzeitige Rückzahlung des Gesamtbetrags sollen möglich sein. Andere Finanztechnologieanbieter wie BillPay, Klarna oder RatePay haben es schon vorgemacht. Zu ihren Kunden zählen etwa Eventim, Obi und Esprit, Butlers, MyToys und Otto.

          Was die Kunden und die neuen Ratenkredit-Anbieter freut, ärgert die Banken, die ihre Onlinekredite wegen höherer Auflagen schlechter losbekommen. Seit dem 1. Juli sind aber auch die Voraussetzungen für einen Kreditabschluss von der Bank im Internet erleichtert worden. Bankkunden müssen dafür nicht mehr die Filiale besuchen oder Papiere hin- und herschicken. Nun genügt es, sich über Smartphone, Tablet und Computer im Video-Chat mit dem Personalausweis zu identifizieren und mit einer zugesendeten Tan-Nummer elektronisch zu signieren. Auch hier ist es also leichter geworden, einen Ratenkredit abzuschließen – auch wenn es etwas komplizierter bleibt als der Ratenkauf des neuen Sofas im Onlineshop.

          Auf das Kleingedruckte achten

          Doch lohnt es sich für die Kunden überhaupt, einen Ratenkredit abzuschließen? Das kommt darauf an, denn nicht jeder Ratenkredit ist automatisch eine Null-Prozent-Finanzierung. Paypal nimmt von den Händlern für die Möglichkeit, einen Ratenkauf anzubieten, deftige Zinsen. Auch RatePay bittet die Händler zur Kasse und verlangt von ihnen für ihren Service zum Teil mehr als 11 Prozent. Nur geben die Onlineshops diese Kosten meist nicht an die Kunden weiter, sondern verbuchen sie als Marketingausgaben.

          Legen die Shops einen Teil dieser Kosten auf die Kunden in Form von Zinsen um, ist es ratsamer, möglichst die ganze Summe sofort zu zahlen – oder zu schauen, ob ein Verbraucherkredit bei einer Bank günstiger zu haben ist, auch wenn es etwas aufwendiger ist, ihn zu bekommen.

          Die FMH Finanzberatung hat die Angebote für Ratenkredite von Januar bis April 2016 ausgewertet: Ein bonitätsunabhängiger Ratenkredit von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 12 Monaten ist demnach bei der Ing-Diba für einen effektiven Jahreszins von 3,99 Prozent zu haben, bei der Sparda-Bank München für 4,06 Prozent. Für bonitätsabhängige Kredite bietet die Barclaycard Barclays Bank bei gleichem Betrag, gleicher Laufzeit und bester Bonität einen effektiven Jahreszins von 2,45 Prozent.

          Bei Ratenkrediten sollte man außer auf eine günstige Verzinsung auch auf das Kleingedruckte achten: Kann der Darlehensnehmer jederzeit Sondertilgungen leisten, ohne Gebühren zahlen zu müssen? Kann er wählen, ob er zu Beginn oder Ende des Monats zahlen möchte? Kann er auch mal eine Rate aussetzen, ohne dass gleich seine Bonität darunter leidet? Lässt sich die Ratenhöhe flexibel ändern? Kann das Darlehen kostenfrei abgelöst werden, oder fallen dann zusätzlich Gebühren, eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung, an, und wie hoch wären diese? Ob Ratenkredit im Onlineshop oder bei der Bank: in jedem Fall sollte man eine möglichst kurze Laufzeit mit geringeren Zinsen wählen, auch wenn die monatliche Rate bei den längeren Laufzeiten niedriger ist.

          Weitere Themen

          Euroboden zum dritten

          Hochzinsanleihen : Euroboden zum dritten

          Der im gehobenen Wohnsegment aktive Projektentwickler und Bauträger Euroboden kommt am Montag mit einer neuen Anleihe auf den Markt. Allem Anschein nach ist die Nachfrage gut.

          Topmeldungen

          Champions League im Liveticker : Bayern vorn, Bayer hinten

          Bayern München startet gegen Roter Stern Belgrad in die Champions League und führt zur Halbzeit. Bayer Leverkusen beginnt ebenfalls mit einem Heimspiel. Moskau lockt zwar keine Zuschauer, geht aber abermals in Führung. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.