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Immobilienkredite : Gute Zeiten für Hausbauer

Die Finanzierung einer Immobilie sollte gut überlegt sein. Bild: dpa

Die Zinsen sinken wieder. Das hat niemand erwartet. Kredite gibt’s so billig wie noch nie.

          2 Min.

          Vor einem Jahr war allen klar, dass 2019 die Zinsen von Anleihen steigen würden. Das werde die Folge einer besseren Konjunktur sein, die zu höherer Inflation führen werde. Für Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erwarteten die Banken 0,9 Prozent Rendite. Nicht viel zwar, aber mehr, als damals zu verdienen war. Doch nun sieht die Realität ganz anders aus. Und das wirkt sich auch auf Kredite und Aktien aus.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit ist nicht gestiegen, sondern gefallen – und zwar deutlich. Vor einem Jahr lag sie noch bei 0,7 Prozent, zuletzt war sie auf dem Weg zur Nulllinie. Mittlerweile stoppte die Talfahrt vor der Nulllinie bei 0,1 Prozent. 2016 war das schon einmal so, bis auf minus 0,2 Prozent war die Rendite damals gesunken. Übersetzt hieß das: Die Anleger bekommen weniger Geld zurück, als sie dem Bund geliehen haben – eine verrückte Welt.

          Auch die Inflationsrate sinkt

          Dies könnte wiederkehren. Die Konjunktursorgen haben in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Reihenweise kürzten zuletzt die Wirtschaftsforschungsinstitute, der Internationale Währungsfonds und die Bundesregierung die Erwartungen für dieses Jahr. Eine echte Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit, stagnierenden Löhnen und weniger Konsum der Bürger erwartet zwar für Deutschland niemand, aber nur noch ein Wachstum von etwa einem Prozent. Schon die letzten beiden Quartale 2018 waren traurig, Deutschland vermied nur ganz knapp eine Rezession.

          Ein geringeres Wachstum senkt die Renditen von Bundesanleihen, weil dann auch die Inflationssorgen zurückgehen. Die Volkswirte erwarten nun nur noch eine Rendite von 0,5 Prozent Ende 2019, zu Jahresbeginn waren es noch etwa 0,8 Prozent. Der Ifo-Index für die Geschäftserwartungen der Unternehmen fiel nun schon den sechsten Monat in Folge. Im März dürfte die Europäische Zentralbank ihren Konjunkturausblick senken und vielleicht sogar stimulierende Maßnahmen beschließen, vor allem eine Verschiebung der ersten Leitzinserhöhung bis mindestens Dezember und sehr günstige Kredite für die Banken. Beides wird auch die Bundesanleihen belasten.

          Über alledem lasten die beiden großen politischen Themen des Jahres: der immer noch unklare Brexit Ende März, der im Chaos enden könnte, auch wenn das die Märkte derzeit nicht erwarten. Und der Handelskrieg zwischen Amerika und China, der schon jetzt das Wachstum und die Stimmung insgesamt belastet. Selbst wenn sich beide Unsicherheiten positiv auflösen, werden die Anleihezinsen nicht deutlich steigen, erwartet Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann. Zumal der amerikanische Präsident Donald Trump den Handelsstreit mit Europa verschärfen könnte. Guntermann ist besonders skeptisch, weil er ein geringeres Wachstum der amerikanischen Wirtschaft erwartet, was indirekt auch die Rendite der Bundesanleihen fallen lässt. Sie werde nach einem Zwischenhoch im Sommer wieder sinken.

          Was heißt all das nun für Sparer, Anleger und Hausbauer? Die Sparer werden noch weiter leiden. Auf Tagesgeldkonten wird es weiter Zins nur für Neukunden für ein paar Monate geben, bei Anleihen nur bei langen Laufzeiten und bei Unternehmen mit mäßiger Schuldnerqualität. Die Zinsen werden dann gerade so die Geldentwertung durch die Inflation ausgleichen. Bei guter Bonität liegen sie so niedrig, dass Sparer real gesehen Geld verlieren. Aktionäre hingegen profitieren von der Aussicht auf niedrig bleibende Zinsen, leiden aber genauso unter dem verschlechterten Konjunkturausblick, der die Firmengewinne senkt, was sich derzeit schon bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse zeigt.

          Hauptprofiteure sind weiterhin diejenigen, die Kredite aufnehmen. Das sind zum einen all jene, die einen Ratenkredit benötigen. Den gibt’s derzeit so günstig wie nie, die Zinsen sind stetig gefallen. Ein Fünf-Jahres-Kredit kostet nun im Durchschnitt 4,1 Prozent. Immobilienkäufer und Hausbauer profitieren zumindest davon, dass der erwartete Zinsanstieg bei Baukrediten ausbleibt, solche Kredite sind fast so günstig wie beim Tiefstand 2016. Viel Bewegung nach unten ist jedoch nicht zu erwarten. Doch auch so gibt es ein paar Gewinner der niedrigen Zinsen.

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