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Immobilienkredite : Dauersuche nach dem besten Zins

Ob das immer zutrifft? Bild: dpa

Internet-Vergleichsportale bieten bei Immobilienkrediten viele Chancen zum Sparen - es gibt aber auch Tücken.

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          Ein Bauherr ging früher, wenn er ein Darlehen vereinbaren wollte, vielleicht zuerst zur Sparkasse, dann zur Volksbank und möglicherweise noch zur privaten Bank im Ort, um Angebote einzuholen. Die Mühe einer kleinen Rundreise war es den meisten wert, um wenigstens rudimentär über Alternativen zu den Zinsen der Hausbank informiert zu sein.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das hat sich radikal verändert. Wer heute eine Baufinanzierung plant, kann sich über Internetportale wie Interhyp, Check 24, Verivox, Biallo oder auch FHM-Finanzberatung einen fast flächendeckenden Überblick über die Bauzinsen in Deutschland verschaffen. Allein Check 24 bietet mittlerweile Konditionen für Baugeld von sage und schreibe 450 Instituten.

          Es ist eine der bahnbrechenden Leistungen des Internets, dass solche Vergleiche sehr viel einfacher und günstiger geworden sind. Egal, ob es der Strom- oder Gaspreis ist, die Zinsen fürs Tagesgeld, der beste Telefonanbieter, der billigste Flug oder die günstigste Kfz-Versicherung: Die Vergleichsportale ersetzen heute in vielen Fällen Vermittler, Vertreter oder Bankberater - und haben so manchen Verbraucher überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass es sich in diesen Angelegenheiten lohnen könnte, die Konditionen mehrerer Anbieter zu vergleichen: eine Form der ökonomischen Emanzipation des Verbrauchers gleichsam durch technischen Fortschritt.

          Das Vergleichen und Wechseln kann sich sehr lohnen, zum Beispiel beim Strom: Eine Familie, die aus der sogenannten Grundversorgung zum günstigsten Stromtarif mit empfehlenswerten Konditionen wechselt (kurze Laufzeit, kurze Kündigungsfrist, mit Preisgarantie, ohne Vorauskasse, ohne Pakettarife) kann nach Angaben des Internet-Vergleichsportals Verivox mehr als 400 Euro im Jahr sparen. Nicht auf allen Gebieten ist das Sparpotential allerdings so hoch - und auch die Vergleichsportale haben so ihre Tücken.

          Des Maklers neue Kleider

          Einen gewissen Schatten haben zuletzt juristische Auseinandersetzungen geworfen. Dabei ging es vor allem um die Anmutung - die Frage, wie die Portale im Internet auftreten. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, eine Lobby der Versicherungsmakler, war in München gegen Check 24 vor Gericht gezogen und hatte erreicht, dass das Portal klarer über seine Rolle als Versicherungsmakler informieren muss.

          Das zeigt: Die Portale wollen Geld mit ihren Angeboten verdienen, sie sind keine altruistischen Institutionen des Verbraucherschutzes. Das muss aber nicht schlimm sein - wenn die Rolle offen zu erkennen ist und vor allem nicht zu unzulässigen Verzerrungen der Vergleichsergebnisse führt.

          Wie lang lohnt sich das Wechseln?

          Man kann allerdings auch, frei nach Helmut Schelsky, fragen, ob der Dauervergleich institutionalisierbar ist: Gibt es natürliche Grenzen des Vergleichens auch auf diesen sehr transparenten Märkten im Internet, von denen an sich der Aufwand für den Verbraucher nicht mehr lohnt?

          Beim Tagesgeld beispielsweise liegen die Zinsen der Anbieter derzeit zwischen 0 und 1,1 Prozent. Für einen Anlagebetrag von 5000 Euro geht es also um 55 Euro im Jahr, die man im Idealfall beim Wechsel vom schlechtesten zum besten Anbieter einstreichen kann. Allerdings werden diese 1,1 Prozent nur für 4 Monate für Neukunden garantiert.

          Man muss danach also weiter wechseln, will man den Betrag am Jahresende wirklich in der Tasche haben, und dann womöglich noch mal wieder. Irgendwann kommt da für jeden eine Grenze des lohnenden Aufwands - es sei denn, das Wechseln selbst bereitet jemandem als Freizeitbeschäftigung große Freude.

          Hat Trivago immer den besten Preis?

          Bei anderen Vergleichsportalen, etwa für Hotels, ergibt sich bisweilen eine andere Schwierigkeit. Nicht immer sind die billigsten Angebote in einem Vergleichsportal günstiger als Angebote, an die man ohne das Portal käme. Auch das liegt in der Natur der Sache; die Portale wollen an der Vermittlung auch verdienen.

          Deshalb ist es zumindest manchmal eine gute Strategie, über das Internetportal das billigste Hotel zu suchen. Aber dieses dann nochmal anzurufen, und zu fragen, ob man das Zimmer nicht günstiger bekommt oder für den gleichen Preis ein besseres.

          Auch bei der Baufinanzierung machen viele Verbraucher es so, dass sie die Portale zwar zum Preisvergleich nutzen. Anschließend vereinbaren sie aber noch ein Gespräch in der Bank - weil es eben doch nicht so leicht ist, dabei als Nichtexperte an alles zu denken.

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