https://www.faz.net/-hbv-9pclz

Immobilienboom : Tief für Bauzinsen, Hoch für Darlehenssummen

Neubaugebiet in Frankfurt Bild: dpa

Die Immobilienzinsen fallen immer tiefer. Das klingt nach guten Nachrichten für Hausbauer oder Kaufinteressenten, lässt aber die Preise steigen, sodass Immobilienkäufer immer mehr Geld leihen müssen.

          Die Immobilienzinsen fallen immer weiter. Eigentlich sind das gute Nachrichten für Bauwillige oder Kaufinteressenten. Doch zugleich sorgen das andauernde Niedrigzinsumfeld und das hohe Interesse an Immobilien dafür, dass die Preise für verfügbare Häuser und Wohnungen weiter steigen. Dies zeigen Analysen. Und es spiegelt sich auch in Marktdaten des Finanzdienstleisters Dr. Klein. Demnach ist die Standardrate für Immobilienkredite im Juni im Durchschnitt auf ein historisches Tief gefallen, die Darlehenssumme dagegen auf ein Rekordhoch gestiegen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Grund für die sinkende monatliche Belastung seien die extrem günstigen Baufinanzierungszinsen, die Ende Mai ein Rekordtief erreicht hätten, sagt Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG. Inzwischen sind die Zinsen noch weiter gefallen. Nach Daten der FMH-Finanzberatung kostet ein Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung im Bundesdurchschnitt derzeit 0,85 Prozent und damit so wenig wie nie. Für 20 Jahre lang feste Zinse sind es aktuell 1,4 Prozent, ebenfalls ein Tief. Vor einem Jahr waren das in etwa noch 1,4 Prozent beziehungsweise 2 Prozent.

          Die Daten von Dr. Klein basieren auf Hypothekenkrediten über 150.000 Euro mit einer Tilgung von 2 Prozent, zehn Jahre lang festen Zinsen und einer Beleihungsgrenze von 80 Prozent. Für solcherlei Darlehen ist die Standardrate im Juni auf durchschnittlich 404 Euro deutlich gefallen, nach 448 Euro im Mai. Im Juni 2018 waren es noch 480 Euro. Dagegen ist die Darlehenssumme der untersuchten Kredite im Juni laut Dr. Klein im Durchschnitt erstmals auf mehr als eine Viertelmillion Euro gestiegen.

          Mit 252.000 Euro lag der Darlehensbetrag etwa 4000 Euro über dem Wert des Vormonats und rund 34.000 Euro oberhalb der Summe, die Käufer noch im Juni 2018 finanziert haben. Grund hierfür seien die steigenden Immobilienpreise, mit denen die Käufer vor allem in Ballungsgebieten konfrontiert seien, sagt Neumann. Eine Entspannung oder sogar sinkende Immobilienpreise seien kurzfristig nicht zu erwarten. Die Daten basieren auf rund 35.000 Transaktionen über 4 Milliarden Euro im Monat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.