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Baufinanzierung : Hauskäufer leihen sich mehr Geld

Neubaugebiet bei Köln Bild: dpa

Die Immobilienpreise in Deutschland sind kräftig gestiegen. Die Banken haben ihre Kreditvergabe dafür zum Teil erheblich ausgeweitet. Ist das ein Grund zur Sorge?

          4 Min.

          Am deutschen Immobilienmarkt scheiden sich im Augenblick die Geister. Muss man sich Sorgen um eine Immobilienblase machen? Spätestens seit die Leitzinsen in Europa auf null gesenkt worden sind, sei das nicht mehr nur ein „akademisches Thema“, heißt es im Immobilienreport der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwei Anzeichen könnten für eine Blase sprechen: Die Immobilienpreise sind kräftig gestiegen. Vor allem in den begehrten Großstädten, aber nicht nur dort, wie die Bundesbank in ihrem jüngsten Bericht zu dem Thema schreibt. Der Preisauftrieb sei mittlerweile „regional breiter angelegt“.

          Zugleich hat das Volumen der Baukredite im Verlauf des Jahres 2015 erstmals spürbar zugelegt, um 3,5 Prozent auf 1,23 Billionen Euro. Mehr als jemals seit der Finanzkrise – wenn auch weniger als in den 90er Jahren mit dem vereinigungsbedingten Bauboom. Immerhin: Allein bei den Sparkassen stiegen die Neuzusagen für Baukredite 2015 um gut 23 Prozent.

          Das wichtigste Argument gegen eine Immobilienblase, das im Augenblick angeführt wird, ist die im internationalen Vergleich konservative Finanzierung von Immobilien in Deutschland. Bauherren bringen hierzulande mehr eigenes Geld mit als in anderen Ländern und müssen die Immobilien deshalb mit weniger Fremdkapital finanzieren. Dazu hat der Baufinanzierungsvermittler Interhyp Zahlen veröffentlicht.

          Demnach lag der durchschnittliche Anteil der Kredite am Preis einer Immobilie in Deutschland im vergangenen Jahr bei 71,7 Prozent. Das sei mehr gewesen als noch im Jahr 2010, damals lag der Anteil bei 70,3 Prozent. Damit nimmt offenbar jetzt auch in Deutschland die Fremdfinanzierungsquote von Immobilien zu. Gleichwohl ist dieser Anstieg noch moderat – und der Wert im internationalen Vergleich eher niedrig.

          Kein Kapital, trotzdem nicht warten

          Weil die Immobilienpreise gestiegen sind und die relative Beleihung moderat zugenommen hat, werden heute im Durchschnitt höhere Hauskredite aufgenommen als noch vor ein paar Jahren. Nach Zahlen der Vermittlungsplattform Europace liegt die Höhe der durchschnittlichen Baufinanzierung derzeit bei 180.000 Euro, etwa 7000 Euro oder 3,9 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Finanzierungen von 100 Prozent und mehr, die in Deutschland ohnehin ein sehr kleines Segment darstellen, sind indes weiter zurückgegangen. Wichtiger geworden ist hingegen das Segment der Finanzierungen zwischen 81 und 90 Prozent.

          Dabei überlagern sich offenbar verschiedene, zum Teil gegenläufige Trends, die mit den niedrigen Zinsen zusammenhängen. Die Banken sind am Baufinanzierungsgeschäft sehr interessiert, weil es im Augenblick mehr Marge verspricht als viele andere Teile des Geschäfts. Das schafft einen Anreiz, auch mal eine höhere Finanzierung zu übernehmen, als man es früher vielleicht gemacht hätte. Zudem ist der Wettbewerb stark, auch mit Online-Banken, die ihr Baugeschäft ausbauen sowie mit Versicherungsunternehmen, die in Zeiten von Negativzinsen sehr an langfristigen Anlagemöglichkeiten für ihre Gelder interessiert sind. Bei der Allianz-Baufinanzierung etwa ist der Anteil der Vollfinanzierungen von Immobilien seit 2010 von 8 auf 13 Prozent gestiegen.

          Unter den Kunden für Baufinanzierungen gibt es offenbar auf der einen Seite derzeit viele, die kein eigenes Kapital haben. Mit dem Bauen wollen sie trotzdem nicht warten, bis sie genug gespart haben – weil sie nicht wissen, ob bis dahin nicht entweder die Hauspreise weiter steigen oder die Zinsen irgendwann doch mal angehoben werden. Diese Leute seien sehr interessiert, sich jetzt eine 100-Prozent-Finanzierung zu sichern, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung.

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