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Immobilien : Kleiner Zins, großes Risiko

  • -Aktualisiert am

Wohnen am Wasser: Das ist sehr beliebt und derzeit günstig zu finanzieren. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Minizinsen verleiten zum Hauskauf, denn Kredite sind so billig wie nie. Doch Vorsicht: Die Zinsen werden steigen. Dann droht ein Finanzierungsalbtraum.

          5 Min.

          Manche Rechnungen klingen auf den ersten Blick so gut, dass man sich unweigerlich fragt, wo der Haken ist. Zum Beispiel bei dieser Rechnung einer Baufinanzierungsplattform: Für nur 0,75 Prozent Zinsen wird ein Traum wahr, steht dort, der Traum vom Eigenheim nämlich.

          Den hegen immerhin fast vier von fünf Deutschen, und für eben diesen sensationell winzigen Sollzins bekämen sie nun einen Hauskredit über 150000 Euro und zahlten auch nur eine Rate von 343 Euro monatlich ab, zehn Jahre lang. Fertig ist die Finanzierung. Da sage noch einmal einer, es sei schwer, hierzulande an Wohneigentum zu kommen. Immer mehr Menschen wagen es und kaufen sich ein Haus oder eine Wohnung.

          Kein Wunder also, dass die Zahl der Immobilienkredite steigt wie verrückt. In einigen Monaten des vergangenen Jahres legten die Kreditanträge sogar im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent zu. Das ausgegebene Kreditvolumen ist damit insgesamt so groß wie seit 13 Jahren nicht mehr: Über 1,29 Billionen Euro liehen sich Bundesbürger für den Immobilienkauf.

          Vor allem in Großstädten rennen die Käufer den Verkaufswilligen die Türen ein, weil derzeit alle Kredite so billig erscheinen und sogar die gestiegenen Kaufpreise wettmachen. Dort reicht eine Darlehenssumme von 150000 Euro zwar für nicht mehr als ein Ein-Zimmer-Apartment, doch dafür sind 343 Euro Kreditrate auch weniger als man für solche Ein-Zimmer-Wohnungen an Miete zahlt. So gesehen lohnen sich die verlockenden Kreditkonditionen sogar für Metropolenkäufer. Und es spricht ja nichts dagegen, einfach ein größeres Darlehen aufzunehmen für alberne 0,75 Prozent, oder?

          Doch Vorsicht, denn viele solcher Finanzierungen können nach hinten losgehen. Zumindest dann, wenn man sie nicht wirklich bis zum Ende durchgerechnet hat – also bis zur Schuldenfreiheit – oder wenigstens bis zu dem Punkt, an dem tatsächlich der Haken kommt: am Ende der Zinsbindungsfrist.

          Nur bis dahin sind nämlich die Konditionen in den Kreditverträgen fix. Danach beginnt die Finanzierung dann sozusagen noch einmal von neuem. Das Lockangebot von oben etwa gilt eben nur für die ersten zehn Jahre. Danach ist der Kredit aber bei weitem noch nicht abgetragen – im Gegenteil, zu den beworbenen Konditionen hat der Käufer nur 30000 Euro getilgt, seine Restschuld beläuft sich also auf satte 120000 Euro. Und die muss er dann teuer refinanzieren. Denn in einigen Jahren werden die billigen Zinsen von heute längst Geschichte sein.

          Dass die Phase der extremen Niedrigzinsen noch weitere zehn oder gar 15 Jahre anhält, bezweifeln fast alle Finanzexperten. Zwar hieß es zuletzt immer wieder, es werde lange dauern, bis die Sparzinsen wieder ein erkleckliches Niveau erreichten. Doch bei den Kreditzinsen, die Banken von den Sparern einkassieren, wird das erheblich schneller gehen, wenn die Notenbanken erst einmal wieder steigende Zinssätze beschließen.

          Und die ersten Anzeichen dafür sind da: Die amerikanische Notenbank Fed erwägt schon zum Jahresende den nächsten Zinsschritt, auch wenn noch nicht sicher ist, ob sie ihn vollzieht. Die Europäische Zentralbank wird zwar ihr Programm des billigen Geldes erst einmal fortführen, folgte aber bisher immer der Fed in einigem Abstand nach. Was bedeutet es nun für Hauskäufer, wenn die Zinsen wieder steigen?

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