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Forward-Darlehen : Hypotheken schneller kündigen

Wer gebaut hat, interessiert sich eher für Forward-Darlehen. Bild: dpa

Die Zinsen sind jetzt niedrig. Aber was, wenn ich das Geld erst in zwei Jahren brauche? Dann hilft ein Forward-Darlehen. Ein Gerichtsurteil macht solche Kredite jetzt attraktiver.

          2 Min.

          Das Wort gehört nicht zum Standard-Wortschatz von Abiturienten – und doch ist es in Mode gekommen: Forward-Darlehen. Denn diese Kredite sind die Antwort auf ein Problem, das viele Eigenheim-Besitzer haben: Die Zinsen sind jetzt niedrig, aber die Hypothek läuft erst in zwei Jahren aus. Was, wenn die Zinsen bis dahin höher sind?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer dieses Risiko scheut, kann ein Forward-Darlehen abschließen. Die Idee: Der Kunde schließt mit der Bank jetzt schon einen Kreditvertrag für das Geld, das er in zwei Jahren braucht. Ist der Zins gestiegen, bekommt er trotzdem den niedrigeren Zins von heute. Ist der Zins aber gefallen, profitiert die Bank.

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          Doch die Bank profitiert davon künftig nicht mehr so sehr – das folgert eine beteiligte Anwaltskanzlei aus einem Urteil des Landgerichts Bochum (Urteil vom 14.9.2015, Aktenzeichen I-1 O 68/15). Zumindest gilt das für Fälle, in denen das Forward-Darlehen bei der bisherigen Bank abgeschlossen und auf diese Weise zu einer Verlängerung des alten Darlehens wird.

          Kreditnehmer haben ein Kündigungsrecht

          Hintergrund ist ein Kündigungsrecht, das Kreditnehmer immer haben: Nach zehn Jahren können sie ihren Kreditvertrag kündigen, selbst wenn sie eine längere Zinsbindung vereinbart haben. Damit rechnen die Banken auch schon. Doch wann beginnen diese zehn Jahre? Banken sagen gerne, diese zehn Jahre begännen mit der Auszahlung des Darlehens. Das stimmt auch häufig. Wenn das Forward-Darlehen allerdings die Verlängerung eines bestehenden Kredits ist, greift nach Ansicht des Gerichts ein anderer Teil des Gesetzestextes (Paragraph 489 BGB). Dann beginnen die zehn Jahre mit dem Vertragsdatum der Kreditverlängerung.

          Für Kreditnehmer ergeben sich daraus zwei Ratschläge:

          Wer ein bestehendes Forward-Darlehen hat und damit einen Kreditvertrag bei der alten Bank verlängert hat – der kann seiner Bank schon zehn Jahre nach Vertragsunterzeichnung eine Kündigung schicken. Das dürfte sich angesichts der niedrigen Zinsen für viele Kreditnehmer lohnen. Vorsicht: Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt sechs Monate, bis der Vertrag tatsächlich aufgelöst wird, sind dann zehn Jahre und sechs Monate vergangen.

          Wer dagegen gerade ein Forward-Darlehen abschließen möchte, der sollte seiner alten Gläubigerbank einen gewissen Vorzug geben. Falls die Konditionen ähnlich sind, sollte er das Darlehen dort als Verlängerung des alten Kredits vereinbaren. Auf diese Weise kann der Kreditnehmer das Forward-Darlehen bei seiner alten Bank schneller kündigen als bei einer neuen.

          Korrektur: Die Künfigungsfrist beträgt sechs Monate, nachdem die zehn Jahre abgelaufen sind, und nicht sechs Monate, nachdem neun Jahre und sechs Monate abgelaufen sind. Wir danken unserem Leser Olaf Wilken für den Hinweis!

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