https://www.faz.net/-hbv-81txz

Krise der Sparverträge : Der Niedergang der Bausparkassen

Alle bauen auf, an und um – oder investieren ins Bad. Bild: Your_Photo_Today

Ein paar Jahre sparen und dann einen günstigen Kredit fürs Haus bekommen: Mit diesem Angebot hatten die Bausparkassen lange Erfolg. Ausgerechnet jetzt im Häuserboom kommen sie in eine schwere Krise. Wie kann das sein?

          7 Min.

          Den Ruf, übertrieben cool zu sein, hatte Bausparen nie. Seit Jahren kämpfen die Bausparkassen dagegen. In allerlei Fernsehwerbung haben sie versucht, den jungen Menschen den eklatanten Widerspruch vor Augen zu führen: Ihr alle wollt schöner wohnen und keinen Ärger mit dem Vermieter? Warum findet ihr dann Bausparen spießig? In der Vergangenheit konnten die Bausparkassen sich jedoch stets darauf verlassen: Auch ohne hippes Image wurden ihre Produkte in Deutschland zuverlässig nachgefragt. Wenn jemand sein Haus bauen wollte, dann hat er sich zwar den Großteil des Geldes als Baukredit von der Bank geliehen. Aber einen Grundbestand hatte er zuvor angespart – und zwar mit einem Bausparvertrag.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das scheint sich im Augenblick zu ändern – und es trifft die Bausparkassen ins Mark. Obwohl es in Deutschland einen Immobilienboom gibt und gebaut, ausgebaut und renoviert wird wie lange nicht mehr, können die Bausparkassen davon nicht recht profitieren. Obwohl die Flucht in die Immobilien für viele Sparer eine der wenigen Möglichkeiten ist, der Niedrigzinsfalle zu entkommen, machen die Bausparkassen damit kein Jahrhundertgeschäft – die ersten könnten sogar selbst bald Opfer der Niedrigzinsphase werden.

          Den Bausparkassen geht es nicht gut

          „Das Geschäftsmodell der Bausparkassen ist hochgradig gefährdet“, sagt Dirk Schiereck, Bankenprofessor in Darmstadt. Im Moment schaffen es viele Bausparkassen zwar noch, ihre Geschäftszahlen gut aussehen zu lassen. Die Bausparkasse Wüstenrot beispielsweise, die in der vergangenen Woche ihre Zahlen vorgestellt hat, konnte durch einen Beteiligungsverkauf einen Teil der negativen Effekte aus den sinkenden Zinsen wettmachen. Schiereck jedoch prophezeit: „Wenn die Niedrigzinsphase noch zwei, drei Jahre anhält, werden die ersten Bausparkassen in existentielle Not geraten.“ Die Bausparkassen seien die „noch viel zu wenig beachteten Verlierer der Niedrigzinspolitik“.

          Was steckt dahinter? Warum treffen die niedrigen Zinsen die Bausparkassen so besonders? Und: Muss die Zukunft der Branche auch den deutschen Bausparern Sorgen bereiten?

          Erste Anzeichen jedenfalls, dass es den Bausparkassen nicht so richtig gut geht, sind unübersehbar. Sogar die größte deutsche Bausparkasse, Schwäbisch Hall, bei der es noch besser läuft als bei so manchem Konkurrenten, hat bei der Vorstellung ihrer Jahresergebnisse keinen Hehl daraus gemacht. Vorstandschef Reinhard Klein kündigte an, die Kosten um 50 bis 80 Millionen Euro im Jahr reduzieren und 200 bis 250 Stellen streichen zu wollen – „sozialverträglich“, versteht sich.

          Viele Verträge noch mit hohen Zinsen abgeschlossen

          Ein Teil der Bausparer bekam die Probleme der Branche aber noch unmittelbarer mit: Eine Reihe von Bausparkassen sind dazu übergegangen, ältere Bausparverträge, bei denen bestimmte Bedingungen erfüllt waren, von sich aus zu kündigen: Einer Frau aus Rheinland-Pfalz beispielsweise, die noch zwei Bausparverträge aus den achtziger Jahren über jeweils 10.000 Euro hatte, bei denen sie noch 2,5 Prozent Zinsen bekam.

          Bild: F.A.Z.

          In anderen Verträgen aus den neunziger Jahren sind zum Teil sogar noch mehr als 3,5 Prozent Zinsen vereinbart – etwa das Dreifache von dem, was man heute auf einem Tagesgeldkonto bekommt. Inzwischen wurden mehr als 150.000 Verträge gekündigt – die meisten von den Landesbausparkassen, aber auch einige von privaten Bausparkassen wie Wüstenrot.

          Wenn bei diesen alten Verträgen bereits 100 Prozent der Bausparsumme angespart wurden, scheint die Kündigung durch die Bausparkasse weniger problematisch zu sein. Strittig sind vor allem Fälle, in denen noch nicht die volle Bausparsumme erreicht wurde, aber die Bausparverträge seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind; also im Prinzip ein Bauspardarlehen in Anspruch genommen werden könnte, der Sparer das aber nicht macht. Das werteten einige Bausparkassen als Indiz dafür, dass der Bausparvertrag als reine Kapitalanlage „missbraucht“ werde, ihre eigentliche Bestimmung als „Zwecksparen“ also abhandengekommen sei – und leiten daraus ein Kündigungsrecht ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spitzenmanagerinnen in deutschen Vorständen (v.l.n.r.): Belen Garijo (Merck), Ilka Horstmeier (BMW) und Hiltrud Werner (Volkswagen)

          Geplante Frauenquote : Wer bald Frauen in den Vorstand berufen muss

          Die geplante Einführung einer Frauenquote in Vorständen stößt im Wirtschaftsflügel der Union auf Protest. Fast 30 Unternehmen könnten sich derweil schon auf die Suche machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.