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Kredite : Bausparkassen werden die KfW-Geschäfte zu bunt

  • -Aktualisiert am

Die KfW wirbt - und die Konkurrenz ärgert sich Bild: Screenshot F.A.Z.

Die Förderbank KfW hat eine mächtige Position im Bankwesen. Die Konkurrenz schweigt bislang. Doch nun wird es den Bausparkassen zu viel und sie kommen aus der Deckung.

          Ein junges Elternpaar und seine drei Kinder strahlen in die Kamera, weil sie ihr Haus mit Hilfe eines Kredits der KfW saniert haben. Das ist die Werbebotschaft, die die staatliche Förderbank seit rund einem Jahr über große TV-Sender ausstrahlen lässt. Bislang hat diese Eigenwerbung einer Bank, die selbst gar keine Baukredite direkt an die Bürger vergeben kann, noch keinen öffentlichen Unmut im Bankenlager hervorgerufen. Obwohl die KfW damit alle Berater der Kreditinstitute vor Ort indirekt unter Druck setzt, die KfW-Darlehen in die Wohnbaufinanzierung mit einzubauen, haben Privatbanken und Sparkassen (die zum Teil sogar im Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank sitzen), die mediale Offensive stillschweigend hingenommen.

          Den privaten Bausparkassen allerdings werden die Geschäfte der KfW und ihre verstärkte Eigenwerbung nun doch zu viel. „Eine staatliche Förderbank ist ohne Zweifel nötig und muss bestimmte Aufgaben übernehmen“, sagt Andreas Zehnder, der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Privaten Bausparkassen, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Aber die KfW macht sich zunehmend dort breit, wo es kein Marktversagen gibt, etwa im Wohnungsbau“, moniert er. Das sei nicht die Aufgabe eines solchen, vom Staat abgesicherten Instituts, das für sich selbst in Anspruch nimmt, in erster Linie „substitutiv tätig zu sein“ – ebenso wenig wie Fernsehwerbung. „Für uns ist das alles nicht mehr nachvollziehbar“, betont Zehnder.

          Die Kritik des Verbandschefs zielt auf einen ganz bestimmten Teil der KfW-Arbeit ab: die Wohnförderung. Insgesamt 15,6 Milliarden Euro hat die Förderbank im vergangenen Jahr an neuen Darlehen für diese Zwecke ausgereicht. In absoluten Zahlen war diese Summe schon höher (im Jahr 2010 waren es 18 Milliarden Euro), aber gemessen am gesamten inländischen KfW-Fördervolumen, nimmt die Wohnförderung inzwischen einen Anteil von 30 Prozent ein. „Das ist besorgniserregend hoch, im Jahr 2000 waren es erst 18 Prozent“, sagt Zehnder.

          Wobei es den Bausparkassen gar nicht um die gesamten Aktivitäten der KfW auf diesem Feld gehe. Dass eine Förderbank das politisch gewollte energieeffiziente Sanieren und Umbauen von älteren Häusern unterstütze, sei in Ordnung. Es sind vielmehr jene Mittel, die in das klassische Wohneigentumsprogramm fließen – knapp 5 Milliarden Euro in 2013. Weil diese KfW-Darlehen bis zu 50 000 Euro je Antragsteller erreichen können, stünden sie in direkter Konkurrenz zum Bausparen, gibt Zehnder unumwunden zu. „Dort findet auch ein Großteil unseres Geschäfts statt, etwa 30 bis 40 Prozent. Das tut uns weh“, sagt er. „Wir würden uns eine Selbstverpflichtung der KfW wünschen, sich auf diesem Feld zurückzuhalten.“

          In der Förderbank bestätigt man die Zahlen

          In der Förderbank bestätigt man die Zahlen, hat aber einen anderen Blick darauf. Zum einen sei der Anteil an klassischer Wohneigentumsförderung kontinuierlich gesunken: von 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf zuletzt noch 4,5 Milliarden Euro. Zum anderen erfülle die KfW mit ihrer Wohnförderung den politischen Willen des Bundes. Energetisches Bauen und Sanieren gehöre ebenso dazu wie die Förderung von Wohneigentum, „die zur Vermögensbildung und damit zur privaten Altersvorsorge beiträgt“, heißt es. Darüber hinaus seien 2011 und 2013 endfällige Varianten in die KfW-Wohnkredite eingeführt worden, „um eine bessere Kombinierbarkeit mit den Bausparprodukten zu gewährleisten“. Das stimme zwar, heißt es von den privaten Bausparkassen, ändere aber nichts „am generellen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Staatsbank KfW“.

          Dass die Förderbank sich in ihrem Tun auf einen staatlichen Auftrag berufen kann, ist den Bausparkassen bewusst – weshalb Zehnder seine Kritik auch als Hinweis an die Politik sieht. Im Koalitionsvertrag von 2009 habe noch explizit gestanden, dass die KfW auf ihren ursprünglichen Geschäftszweck zurückzuführen sei, eine solche Vorgabe fehle leider im aktuellen Papier, sagt er. Besser leben mit der mächtigen Förderbank könnten die Bausparkassen auch, wenn der Bund sich, wie früher, wieder eine Erhöhung der Wohneigentumsquote (heute 43 Prozent) auf die Fahnen schreiben würde, fügt er hinzu. „Dann wären alle Kräfte gefordert.“

          2013 sei „ein Ausnahmejahr“ gewesen

          Dass die privaten Bausparkassen nun als Erste die starke Position der KfW angreifen, erstaunt auf den ersten Blick. Denn Wüstenrot, Schwäbisch Hall & Co. feierten 2013 ein Rekordjahr, steigerten die Zahl der neuen Verträge um 8,5 Prozent auf fast 2,3 Millionen Stück und die zugehörige Bausparsumme um 7 Prozent auf den Höchstwert von 70,1 Milliarden Euro. In der Rangliste der Wohnbaufinanzierer nehmen die (privaten und öffentlich-rechtlichen) Bausparkassen mit einem Marktanteil von 21 Prozent den zweiten Platz hinter den klar führenden Sparkassen ein. Aber 2013 sei „ein Ausnahmejahr“ gewesen, heißt es im Verband.

          Inzwischen hat sich ihre Stimmung schon wieder eingetrübt, insbesondere wegen der allgemein niedrigen Zinsen. Einmal im Jahr fragt der Verband die Sparbereitschaft der Bürger ab, und 2014 sei ihre Sparlust auf den tiefsten Stand seit Beginn der Umfragen 1997 gefallen, hieß es. Zu vermuten ist demnach, dass das Bausparjahr 2014 spürbar hinter den schönen Zahlen des Vorjahres zurückbleiben wird.

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