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Dispo-Zins : Banken warnen Kunden nach Kontoüberziehung

Schlechte Nachrichten für den Kunden: Einige Bankkunden wollen an das Minus auf dem Konto nicht erinnert werden Bild: IMAGO

Trotz historisch niedriger Zinsen liegt der durchschnittliche Dispo-Zins bei 10 Prozent. Das ist der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Die Banken reagieren mit Beratungsangeboten und Warnhinweisen.

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          Mehr ausgeben als man auf dem Konto hat – das machen viele. Umfragen haben ergeben, dass jeder fünfte Deutsche seinen Dispo-Kredit regelmäßig oder sogar ständig nutzt. Über die Gründe ist wenig bekannt: Kommen viele Menschen anders nicht über die Runden? Oder passen sie schlicht nicht auf und konsumieren (zu) munter drauf los? Zumindest haben Verbraucherschützer die Politiker alarmiert. Schließlich sind die Zinsen für die Kontoüberziehung im von Banken und Sparkassen erlaubten Rahmen (Dispo) und erst recht die Kontoüberziehung darüber hinaus richtig teuer. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung liegt der durchschnittliche Dispo-Zins in Deutschland trotz der historisch tiefen Zinsen derzeit bei 10 Prozent. Für die über den Rahmen hinausgehende Kontoüberziehung verlangen Banken und Sparkassen oft sogar Zinsen von mehr als 13 Prozent.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Umfragen gibt mehr als die Hälfte der Kunden an, sie wüssten gar nicht, dass sie ihr Konto überzogen haben. Vor neun Monaten hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbart, Banken zu verpflichten, ihre Kunden zu warnen, wenn sie im Minus liegen. Justizminister Heiko Maas (SPD) hält sogar einen gesetzlichen Zinsdeckel für richtig, konnte sich mit der Forderung nach einem gesetzlich maximal erlaubten Überziehungszins aber nicht gegen die Union durchsetzen. Nun kommen die ersten Banken zumindest der Forderung der Bundesregierung nach, ihre Kunden besser zu informieren. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert: „Vielen Kunden ist das peinlich. Sie wollen gar nicht daran erinnert werden, dass sie mit ihrem Konto im Minus sind“, sagt ein Banker hinter vorgehaltener Hand. Solche Kunden wollten auch von Alternativen zum Dispo-Kredit nichts hören.

          Hinweise per Post und Kontoauszug

          Erste Alternative zu einem Dispo-Kredit ist der Ratenkredit. Mit durchschnittlichen Zinsen von derzeit 5,5 Prozent ist der Ratenkredit in aller Regel deutlich günstiger als der Dispo-Kredit und erst recht der Überziehungskredit. Allerdings muss der Zins beim Ratenkredit in der Regel auf einen festen Betrag, zum Beispiel 5000 Euro, bezahlt werden. Wer nur mal kurz vor Monatsende wegen eines überraschend notwendigen Einkaufs sein Girokonto überzieht, fährt mit dem flexiblen Dispokredit also meist besser.

          Dies hat die größte Direktbank in Deutschland, die ING Diba, mit ins Kalkül gezogen, wenn sie jetzt auf die Forderung der Bundesregierung nach besserer Verbraucherkreditberatung reagiert. Die Diba schickt ab 1. September allen ins Minus gerutschten Kunden per Post Briefe. Für eine differenzierte Kundenansprache hat die Diba drei Briefvarianten entwickelt. Wer nur gelegentlich den Dispo in Anspruch nimmt, wird auf den in seiner Höhe flexiblen Ratenkredit und auf noch an anderer Stelle vorhandene Guthaben hingewiesen. Wer hingegen den Dispo regelmäßig und sogar mit mehr als 5000 Euro benötigt, erhält ein Angebot für einen Ratenkredit mit strukturierten Tilgungsraten und wird auch auf die Möglichkeit der Schuldnerberatung hingewiesen. Ändert sich am negativen Kontostand nichts Grundlegendes, gibt es für Diba-Kunden spätestens nach sechs Monaten wieder automatisch Post.

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