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Ferien in Griechenland : Mach mal Urlaub in Hellas

Rhetymnon auf Kreta: Hügelig ist es fast überall auf der Insel Bild: Schmitt, Felix

Ferien in Griechenland sind besser als ihr Ruf. Die Hotels sind sauber, die Menschen freundlich. Und wer sucht, findet tolle Anlagen zu einem vernünftigen Preis. Ein Test auf Kreta.

          5 Min.

          Nun ist mal gut mit dem Griechen-Bashing. Kritisiert wurden sie genug. Ich gebe ihnen eine Chance. Sollen sie doch mal zeigen, dass sie besser als ihr Ruf sind und eine Perspektive haben. Ich teste das - in der Branche, die sie als ihre wichtigste Zukunftsbranche ansehen: dem Tourismus.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Bild, das man hierzulande von einem Urlaub in Griechenland hat, ist wenig begeisternd: teurer als etwa der Nachbar Türkei, Hotels, die schon lange eine Modernisierung nötig hätten, und jetzt auch noch Hass auf die Deutschen, die mit ihren Sparforderungen die Griechen erst richtig ins Chaos gestürzt hätten. Angela Merkel in Nazi-Uniform, brennende deutsche Fahnen - das weckt Angst, am Urlaubsort nicht willkommen zu sein. Streiks und Krawalle kommen dazu. Da fahren die Deutschen lieber woanders hin. Folge: In Griechenland stürzen die Gästezahlen in den Keller. Im Frühjahr buchte ein Drittel bis fast die Hälfte weniger als 2011.

          Preislich hält der Urlaub in Griechenland mit

          Ist das gerechtfertigt? Das Griechen-Bild der Deutschen muss überprüft werden. Eine Analyse im Internet zeigt: Urlaub in Hellas kann jetzt preislich wieder mithalten, er kostet nicht mehr als in Spanien oder Sizilien und nähert sich auch günstigeren Zielen wie Kroatien, Nordafrika und Türkei an. Zum einen sind Konkurrenten wie die Türkei deutlich teurer geworden. Zum anderen haben einige griechische Hotels ihre Preise gesenkt. Das geben die Veranstalter weiter.

          So zahlt etwa Alltours bis Mitte Juni (Buchung, Reisebeginn irgendwann bis Oktober) noch bis zu 30 Prozent Rabatt auf Flug und Hotel, normalerweise gibt es solche Nachlässe nur bei Buchung bis März. Marktführer TUI hat die Katalogpreise 2012 im Schnitt um zehn Prozent gesenkt und gibt je nach Hotel gezielt weitere Rabatte für die, die jetzt noch kurzfristig buchen. Auch Hellas Reisen spricht von Nachlässen zwischen 20 und 30 Prozent für kurzfristige Buchungen, die es 2011 nicht gab. Und Attika Reisen sieht viel mehr Sonderangebote als im Vorjahr.

          Luxus an Deck: Richtiger Luxus ist eine Segeltour kombiniert mit ein paar Tagen im Fünf-Sterne-Hotel. Eine Reise führt Ende September für zehn Tage unter anderem nach Rhodos, Santorini und in die Türkei (Bodrum). Auf dem Star Clipper (Foto) gibt es zwei Pools, zwei Bars, Unterhaltungsprogramm und Zimmer mit Marmorbad. Es folgen zwei Tage zum Baden im Luxushotel. Mit Vollpension kostet eine solche Reise mit Außenkabine auf dem Segelschiff zwischen 2500 und 2700 Euro pro Person. Wer kurzfristig bucht, kann vom 9. Juni an für zehn Tage die nördlichen Kykladen wie Mykonos oder Patmos absegeln. Bilderstrecke

          Doch der Preis ist eben nicht alles. Was bekomme ich dafür? Ich prüfe das vor Ort - auf Kreta, der von den Deutschen am meisten besuchten griechischen Insel. Hier und für Kos und Rhodos sind die Rabatte am höchsten, bei den kleineren Inseln der Kykladen fallen sie niedriger aus.

          Der Flug ist kein Problem: Tuifly, Germanwings, Condor und Air Berlin fliegen direkt - allerdings wegen der gesunkenen Nachfrage aus Deutschland seltener. Ich habe Pech und muss wegen später Buchung die griechische Liniengesellschaft Aegean nutzen. Umsteigezwang in Athen - aber ansonsten ein Vergnügen. Von maroder staatlicher Airline keine Spur, kein Wunder: Aegean ist privat und wurde 2011 zu Europas bester Regionallinie gekürt. Moderne Flugzeuge im guten Zustand, pünktlicher Abflug und sogar ein für Europastrecken unübliches Musikprogramm mit Pop, Jazz, Klassik und nationaler Musik werden geboten. Und wer es gleich ganz hart braucht, schaltet auf Kanal 9 zur Sirtaki-Dauerbeschallung.

          Freundliche Mitarbeiter

          Am Mietwagenverleih werde ich keineswegs mit einer brennenden Deutschland-Fahne begrüßt. Die Mitarbeiterin ist extrem freundlich und redet mir sogar das Navi-Gerät aus, obwohl sie damit etwas zusätzlich verdienen würde. Auch insgesamt freut sich der Geldbeutel: Mietwagen sind ebenfalls günstiger geworden. 80 Euro für drei Tage Kleinwagen-Miete sind zu verschmerzen. Die Freude wird nur etwas an der Tankstelle getrübt: Steuererhöhungen haben den Benzinpreis auf 1,80 Euro je Liter nach oben geschraubt.

          Aber wirklich meckern kann ich bisher nicht. Doch was bieten die Hotels? Gehen wir auf Risiko und fangen mit dem günstigen Segment an, den Drei-Sterne-Häusern, zum Beispiel das Adele Beach nahe dem putzigen Hafenstädtchen Rethymnon. Neun Tage im Juli kosten hier im Doppelzimmer für zwei Erwachsene und ein Kind 1800 Euro mit Halbpension. Schöne Bungalow-Anlage und keine Bettenburg. Ruhiger Strand, direkt am Hotel, das ist auf Kreta keine Selbstverständlichkeit. Die Zimmer bieten Meerblick, aber bevor der Blick das Meer erreicht, muss er über das Brachland auf dem Nachbargrundstück schweifen. Sie sind sauber, doch wurden sie seit vielen Jahren nicht renoviert. Symptomatisch: Auf dem Nachttisch steht ein Telefon mit Wählscheibe, auch der Fernseher stammt vermutlich aus den Achtzigern. Das Essen schmeckt durchschnittlich, die Auswahl ist sehr bescheiden. Hier möchte ich keine Woche Urlaub verbringen.

          Neun Tage Familienurlaub: 2100 Euro

          Andere Drei-Sterne-Hotels im gleichen Ort bieten etwas besseres Essen und modernere Zimmer. Aber sie liegen nahe der großen, lauten Nationalstraße, die die Nordküste entlangführt. Die Zimmer müssen da schon gut gewählt werden. Meinen Favoriten im 3-Sterne-Segment finde ich im kleinen, aber belebten Dorf Georgioupolis, ebenfalls an der Nordküste. Das Corissia Beach gibt es am günstigsten für neun Tage im Juli für 2100 Euro für die Kleinfamilie mit einem Kind und Halbpension.

          Das Haupthaus wurde 2009 renoviert, das Essen ist überdurchschnittlich gut, weil es von der Küche des 4-Sterne-Hotels nebenan geliefert wird. Dort können die Hotelgäste auch das Wellness-Angebot nutzen. Gelegentlich gibt es Abendprogramm. Damit übersteigt das Angebot den Standard für drei Sterne deutlich. Einziger Haken: Zum großen Sandstrand muss man etwa 200 Meter laufen.

          Bei vier Sternen gibt’s Abendunterhaltung

          Bei vier Sternen ist Abendunterhaltung üblich, das Essen umfangreicher und ein bisschen Wellness möglich. Ein kleines Sportprogramm und ein Fitnessraum dürfen erwartet werden. Und ein Spielplatz für die Kleinen. Doch die Qualität schwankt erwartungsgemäß - vor allem in der Lage. Das Theartemis Palace in Rethymnon bietet das Standardangebot, wobei manches Zimmer renoviert werden müsste. Aber das Haus liegt mitten in der Stadt und nicht am Strand - für Erholungsuchende eine deutliche Einschränkung.

          Toll ist hingegen das Vantaris Beach in Paralia Kourna an der Nordküste. Gepflegte Anlage voller farbenfroher Blumen, ordentliche Zimmer und sogar ein eigener Tennisplatz. Im benachbarten Vantaris Palace kann der Wellness-Bereich mitbenutzt werden. Neun Tage im August kosten günstige 2500 Euro für die Kleinfamilie.

          Nicht alle 5-Sterne-Hotels erfüllen die Pflicht

          Im Top-Segment sind ein großes und gutes Essensbuffett, umfangreiches Sportprogramm mit kostenlosem Tennis, mehrstündige Kinderbetreuung am Tag und ein größeres Wellness-Angebot eigentlich Pflicht. Und trotzdem schaffen das nicht alle 5-Sterne-Hotels. Hotels wie das Minos Mare Royal oder das Sentido Aegean Pearl sind an 4-Sterne-Hotels angebaut, der Übergang teilweise gar nicht eindeutig zu erkennen. Die beiden Hotels haben tolle, neu designte Zimmer in Weiß. Aber sie bieten keine Kinderbetreuung, ein mickriges Wellness-Angebot und wenig Sportmöglichkeiten.

          Das Gegenteil ist das Aquila Beach in Rethymnon. Weitläufige Anlage mit Zimmern in einem Haupthaus, in Bungalows teilweise mit Privatpool bis hin zu einer Villa zum Tagespreis zwischen 1000 und 3000 Euro. Die Anlage ist sehr gepflegt und hat für ihre ökologische Ausrichtung mehrere Preise gewonnen. Der Strand ist direkt an der Anlage und sauber. Enttäuschend klein und nicht sehr einladend sind hingegen die Räumlichkeiten im Wellness-Bereich.

          Das macht das Pilot Beach Resort bei Georgioupolis besser. Der Wellness-Bereich ist großzügig ausgestattet und wurde erst 2010 umgebaut. Der Mini-Club für die Kinder ist erfreulich üppig mit Spiel- und Klettergeräten versorgt. Obwohl die Anlage schon seit 20 Jahren existiert, sieht sie wie neu aus. Hier hat der Betreiber regelmäßig investiert. Nachteil: In einigen Zimmern dürften Gäste die nahe Nationalstraße hören.

          Fazit einer nicht repräsentativen Testreise: Preislich ist Griechenland attraktiver geworden. Überall waren die Einheimischen freundlich, von Deutschen-Hass keine Spur. Alle Anlagen sind sehr sauber, aber nicht immer sind die Zimmer auf dem neuesten Stand. Ein Problem ist manchmal die Lage, entweder nicht direkt am Strand oder zu nahe an der lauten Nationalstraße. Aber es gab immer ruhige Alternativen. Einen Versuch ist Griechenland immer wert.

          Gewusst wie: Den passenden Urlaub finden

          1. Am günstigsten sind immer noch Pauschalreisen. In diesem Jahr lohnt sich auch wieder die kurzfristige Buchung. Marktführer sind TUI und Alltours mit einem breiten Massenangebot. Internet-Portale wie Expedia oder Opodo suchen das günstigste Angebot heraus. Attika Reisen und zum Teil auch Hellas Reisen bieten viele Spezialreisen an.

          2. Auf den großen Inseln bieten sich Mietwagen an. Günstige Angebote findet etwa billiger-mietwagen.de. Wer das Hotel dann selbst ansteuert, sollte ein Navigationsgerät mitnehmen, denn oft weisen keine Straßenschilder den Weg zu den Hotels. Die normalen Verkehrsschilder sind auf Griechisch und Englisch.

          3. Einige 4- und 5-Sterne-Hotels gehören dem gleichen Betreiber und sind direkt nebeneinander gebaut. Die Gäste des 4-Sterne-Hotels profitieren dann teilweise vom Angebot des Nachbarhauses. Wer gleich im 5-Sterne-Hotel bucht, sollte die hohe Frequentierung durch russische Gäste beachten, die es in niedrigeren Kategorien nicht gibt.

          4. Die Kategorie ist nicht alles. Das Angebot und vor allem die Lage der Hotels in der gleichen Kategorie unterscheiden sich teilweise deutlich. Eine genaue Auswahl der Hotels ist daher nötig. Es hilft, die Bewertungen und Fotos auf holiday-check.de zu lesen. Und sich auf Google Earth ein Bild über die Lage des Hotels zu machen.

          5. Viel modernisiert wurde in den vergangenen Jahren auf Kos, während Korfu etwas hinterherhinkt. Auch die Flughäfen brauchen - mit Ausnahme von Athen - dringend eine Modernisierung.

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