https://www.faz.net/-gv6-70bcn

Ferien in Griechenland : Mach mal Urlaub in Hellas

Rhetymnon auf Kreta: Hügelig ist es fast überall auf der Insel Bild: Schmitt, Felix

Ferien in Griechenland sind besser als ihr Ruf. Die Hotels sind sauber, die Menschen freundlich. Und wer sucht, findet tolle Anlagen zu einem vernünftigen Preis. Ein Test auf Kreta.

          Nun ist mal gut mit dem Griechen-Bashing. Kritisiert wurden sie genug. Ich gebe ihnen eine Chance. Sollen sie doch mal zeigen, dass sie besser als ihr Ruf sind und eine Perspektive haben. Ich teste das - in der Branche, die sie als ihre wichtigste Zukunftsbranche ansehen: dem Tourismus.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Bild, das man hierzulande von einem Urlaub in Griechenland hat, ist wenig begeisternd: teurer als etwa der Nachbar Türkei, Hotels, die schon lange eine Modernisierung nötig hätten, und jetzt auch noch Hass auf die Deutschen, die mit ihren Sparforderungen die Griechen erst richtig ins Chaos gestürzt hätten. Angela Merkel in Nazi-Uniform, brennende deutsche Fahnen - das weckt Angst, am Urlaubsort nicht willkommen zu sein. Streiks und Krawalle kommen dazu. Da fahren die Deutschen lieber woanders hin. Folge: In Griechenland stürzen die Gästezahlen in den Keller. Im Frühjahr buchte ein Drittel bis fast die Hälfte weniger als 2011.

          Preislich hält der Urlaub in Griechenland mit

          Ist das gerechtfertigt? Das Griechen-Bild der Deutschen muss überprüft werden. Eine Analyse im Internet zeigt: Urlaub in Hellas kann jetzt preislich wieder mithalten, er kostet nicht mehr als in Spanien oder Sizilien und nähert sich auch günstigeren Zielen wie Kroatien, Nordafrika und Türkei an. Zum einen sind Konkurrenten wie die Türkei deutlich teurer geworden. Zum anderen haben einige griechische Hotels ihre Preise gesenkt. Das geben die Veranstalter weiter.

          So zahlt etwa Alltours bis Mitte Juni (Buchung, Reisebeginn irgendwann bis Oktober) noch bis zu 30 Prozent Rabatt auf Flug und Hotel, normalerweise gibt es solche Nachlässe nur bei Buchung bis März. Marktführer TUI hat die Katalogpreise 2012 im Schnitt um zehn Prozent gesenkt und gibt je nach Hotel gezielt weitere Rabatte für die, die jetzt noch kurzfristig buchen. Auch Hellas Reisen spricht von Nachlässen zwischen 20 und 30 Prozent für kurzfristige Buchungen, die es 2011 nicht gab. Und Attika Reisen sieht viel mehr Sonderangebote als im Vorjahr.

          Luxus an Deck: Richtiger Luxus ist eine Segeltour kombiniert mit ein paar Tagen im Fünf-Sterne-Hotel. Eine Reise führt Ende September für zehn Tage unter anderem nach Rhodos, Santorini und in die Türkei (Bodrum). Auf dem Star Clipper (Foto) gibt es zwei Pools, zwei Bars, Unterhaltungsprogramm und Zimmer mit Marmorbad. Es folgen zwei Tage zum Baden im Luxushotel. Mit Vollpension kostet eine solche Reise mit Außenkabine auf dem Segelschiff zwischen 2500 und 2700 Euro pro Person. Wer kurzfristig bucht, kann vom 9. Juni an für zehn Tage die nördlichen Kykladen wie Mykonos oder Patmos absegeln. Bilderstrecke

          Doch der Preis ist eben nicht alles. Was bekomme ich dafür? Ich prüfe das vor Ort - auf Kreta, der von den Deutschen am meisten besuchten griechischen Insel. Hier und für Kos und Rhodos sind die Rabatte am höchsten, bei den kleineren Inseln der Kykladen fallen sie niedriger aus.

          Der Flug ist kein Problem: Tuifly, Germanwings, Condor und Air Berlin fliegen direkt - allerdings wegen der gesunkenen Nachfrage aus Deutschland seltener. Ich habe Pech und muss wegen später Buchung die griechische Liniengesellschaft Aegean nutzen. Umsteigezwang in Athen - aber ansonsten ein Vergnügen. Von maroder staatlicher Airline keine Spur, kein Wunder: Aegean ist privat und wurde 2011 zu Europas bester Regionallinie gekürt. Moderne Flugzeuge im guten Zustand, pünktlicher Abflug und sogar ein für Europastrecken unübliches Musikprogramm mit Pop, Jazz, Klassik und nationaler Musik werden geboten. Und wer es gleich ganz hart braucht, schaltet auf Kanal 9 zur Sirtaki-Dauerbeschallung.

          Freundliche Mitarbeiter

          Am Mietwagenverleih werde ich keineswegs mit einer brennenden Deutschland-Fahne begrüßt. Die Mitarbeiterin ist extrem freundlich und redet mir sogar das Navi-Gerät aus, obwohl sie damit etwas zusätzlich verdienen würde. Auch insgesamt freut sich der Geldbeutel: Mietwagen sind ebenfalls günstiger geworden. 80 Euro für drei Tage Kleinwagen-Miete sind zu verschmerzen. Die Freude wird nur etwas an der Tankstelle getrübt: Steuererhöhungen haben den Benzinpreis auf 1,80 Euro je Liter nach oben geschraubt.

          Aber wirklich meckern kann ich bisher nicht. Doch was bieten die Hotels? Gehen wir auf Risiko und fangen mit dem günstigen Segment an, den Drei-Sterne-Häusern, zum Beispiel das Adele Beach nahe dem putzigen Hafenstädtchen Rethymnon. Neun Tage im Juli kosten hier im Doppelzimmer für zwei Erwachsene und ein Kind 1800 Euro mit Halbpension. Schöne Bungalow-Anlage und keine Bettenburg. Ruhiger Strand, direkt am Hotel, das ist auf Kreta keine Selbstverständlichkeit. Die Zimmer bieten Meerblick, aber bevor der Blick das Meer erreicht, muss er über das Brachland auf dem Nachbargrundstück schweifen. Sie sind sauber, doch wurden sie seit vielen Jahren nicht renoviert. Symptomatisch: Auf dem Nachttisch steht ein Telefon mit Wählscheibe, auch der Fernseher stammt vermutlich aus den Achtzigern. Das Essen schmeckt durchschnittlich, die Auswahl ist sehr bescheiden. Hier möchte ich keine Woche Urlaub verbringen.

          Weitere Themen

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          In der Welt der Laser: Trumpf liefert eine Schlüsseltechnologie für die Chip-Herstellung durch ASML.

          An den Grenzen der Physik : Trumpf und Zeiss bauen am Superchip

          Das große Geschäft der Mikrochips boomt. Jetzt stoßen die schwäbischen Unternehmen mit dem niederländischen Spezialmaschinenbauer ASML an die Grenzen der Physik vor. Geht es noch schneller, größer und kleiner?

          Ibiza-Video : Anwalt soll Drahtzieher der Strache-Falle sein

          Ein selbst ernannter Spionage-Fachmann behauptet im österreichischen Fernsehen, er wisse, wer die Hintermänner des „Ibiza-Videos“ sind. Er habe auf dem Video einen ehemaligen Geschäftspartner aus München erkannt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.