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Europa in der Krise : Die große Angst ums Geld

Sein eigenes Vermögen zu sichern gleicht immer mehr einem Drahtseilakt Bild: Getty Images

Bankenbeben, Börsenabsturz, Euro-Schwäche - die Krise ist mit Macht zurück. In ganz Europa fürchten Anleger um ihr Erspartes. Wo ist das Vermögen noch sicher?

          Bis zum Schluss hatten die Analysten gehofft. Hatten auf gute Nachrichten aus den Vereinigten Staaten gezählt, wenigstens dort. Stattdessen gab es unerwartet schwache Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt und die Erkenntnis: Dieser Kurssturz ist noch immer nicht vorbei. Nicht einmal Amerika kann Europas Börsen stützen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Binnen fünf Tagen ist allein der Dax um rund fünf Prozent auf 6050 Punkte gefallen, der tiefste Stand seit Monaten. Das europäische Börsenbarometer Euro Stoxx 50 gab ebenfalls kräftig nach, und auch der Euro stürzte ab - zeitweise auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Sogar die Zustimmung der Iren zum europäischen Fiskalpakt konnte die Abwärtsbewegung nicht aufhalten. Gleichzeitig kletterten die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen wieder auf Höchstwerte. Bundesanleihen mit zweijähriger Laufzeit dagegen wiesen erstmals in ihrer Geschichte eine negative Rendite aus, so stark war die Flucht der Investoren in Sicherheit. Ende einer desaströsen Börsenwoche.

          19 Milliarden Euro - klingt zunächst nicht nach viel

          An ihrem Anfang stand das Entsetzen über eine einzige Zahl. In die Welt gesetzt hat sie José Ignacio Goirigolzarri, ein spanischer Banker, dem Börsianer normalerweise keine große Beachtung schenken würden. Aber der Mann mit dem klingenden Namen ist Chef der angeschlagenen spanischen Großbank Bankia und ließ seine Regierung wissen: Das Institut benötige zusätzliche 19 Milliarden Euro an Staatshilfe, um sich gegen Risiken aus misslungenen Immobiliengeschäften abzusichern.

          19 Milliarden Euro - das klingt zunächst einmal gar nicht nach so viel Geld in Zeiten, in denen die Staaten mit Rettungspaketen in dreistelliger Milliardenhöhe jonglieren. Aber die Forderung des Bankchefs hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die mittlerweile ganz Europa erfasst hat. Stand am Anfang die Frage: Wie stabil ist Bankia?, lautete sie bald schon: Hat Spanien überhaupt die Mittel, eine Bank zu retten? Und am Ende der Woche dann: Hält der Euro noch? Wie sicher ist eigentlich mein Geld?

          Es ist eine unangenehme Mischung aus schlechten Nachrichten, die die Krise wieder mit solcher Wucht entbrennen ließ. Denn es geht ja nicht allein um Spanien und seine maroden Bankhäuser. Im ganzen Euroraum droht der Wirtschaft ein empfindlicher Rückschlag, wichtige Konjunkturbarometer nähern sich ihren Tiefständen: Der Einkaufsmanagerindex beispielsweise, der die Auftragslage in der europäischen Industrie widerspiegelt, notiert auf einem so niedrigen Niveau wie seit 2009 nicht mehr. Wie sollen die Krisenstaaten Südeuropas da ihre Schuldenlast jemals wieder in den Griff bekommen? Sorgen, die auch in Italien einen starken Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen ausgelöst haben.

          Befürchtete Börsenunruhen

          Und dann ist da noch der 17. Juni, auch das ein Schicksalstag für Europa. Denn dann wählt Griechenland sein neues Parlament. Sollten der Linkspolitiker Alexis Tsripas und seine Partei den Sieg davontragen, könnte das bedeuten: Griechenland kehrt endgültig vom Sparkurs ab - und muss womöglich den Euro verlassen. Neue Börsenunruhen, da sind sich fast alle Experten sicher, wären die Folge. Im Vorgriff auf den möglichen Austritt warnt die Ratingagentur Moody’s in der Nacht zu Samstag vor den Folgen.

          Bei vielen Anlegern erzeugt all dies vor allem ein Gefühl - Angst. Das zeigen nicht nur Umfragen wie die jüngste Erhebung von TNS Infratest: Danach kann sich bereits jeder fünfte Deutsche vorstellen, dass es in fünf Jahren den Euro nicht mehr gibt. Auch erfahrene Geldmanager erleben ihre Klienten derzeit so furchtsam wie selten: „Nie war die Risikoscheu unter meinen Kunden größer“, sagt beispielsweise Peter Huber, Chef der Vermögensverwaltung Starcapital und seit mehr als 40 Jahren im Geschäft.

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