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EU-Austritt der Briten : Zu wenig Gold für jeden Briten

Während der Finanzkrise besichtigte die Queen einmal öffentlichkeitswirksam die Goldvorräte der britischen Notenbank. Bild: Reuters

Englands Goldhändler schüren die Sorge um Engpässe bei dem Edelmetall. Wie schlimm ist es wirklich?

          Die Internetforen zum Gold beschäftigt es, die überzeugten Goldanleger sind entsetzt: Englands Goldhändler schüren die Sorge, wegen des Brexits könnten die Barren und Münzen knapp werden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Immerhin sorgte der Goldhändler Sharps Pixley, nach Unternehmensangaben einer der größten Anbieter der Insel, für einiges Aufsehen, als er vorrechnete: Im Vereinigten Königreich gebe es schätzungsweise rund zwei Tonnen Gold in kleineren Barren und Münzen. Wenn man das ins Verhältnis zu den rund 66 Millionen Einwohnern Großbritanniens setze, so komme man je Einwohner nur auf Gold im Gegenwert von ungefähr einem britischen Pfund (Währung), das jederzeit verfügbar sei.

          Sollte ein „wirtschaftliches Ereignis“ eintreten, so raunte der Goldhändler, dann erwarte man, dass die Nachfrage die begrenzten Vorräte überfordern werde und das Angebot über Nacht austrockne. So rechne man im Falle eines „No-Deal-Brexit“ damit, dass die Nachfrage nach physischem Gold in Großbritannien schnell alle verfügbaren kleinen Stückelungen absorbieren werde.

          „Britannia“ und „Sovereign“

          Nun schüren alle möglichen Branchen gerne mal die Sorge, ihr eigenes Produkt werde bald knapp werden und müsse deshalb jetzt unbedingt noch schnell zu jedem beliebigen Preis erworben werden – gerade rund um den Brexit haben Horrorszenarien eine Hochkonjunktur. Speziell beim Gold aber kann man sich zunächst einmal schwer vorstellen, wie das Edelmetall nur in Großbritannien knapp werden sollte, wenn Gold doch weiterhin jederzeit aus allen anderen Ländern eingeführt werden kann – wenn auch, zugegeben, nicht ganz ohne Kosten.

          Die Nachfrage nach Gold sei in Großbritannien seit dem Brexit-Votum gestiegen und werde wohl bei einem No-Deal-Brexit nochmals deutlich zulegen, sagte dazu Benjamin Summa von der deutschen Goldhandels-Kette Pro Aurum in München. „Gleichwohl erwarten wir keine länger anhaltenden Engpässe.“

          Die globale Nachfrage nach Münzen und Barren sei aktuell „überschaubar“, so dass die Ware aus anderen Teilen Europas angeliefert werden könne. Zollrechtlich müsse natürlich Klarheit bestehen, wie Edelmetalle nach Großbritannien eingeführt werden dürften: „Ohne Material aus dem Ausland könnte es fürwahr zu länger anhaltenden Lieferengpässe kommen“, meinte Summa.

          Momentan gebe es aber definitiv keine Engpässe bei den britischen Goldanlagemünzen „Britannia“ und „Sovereign“. Sie könnten mit ganz normalen Bestellzeiten geordert werden. Aufgrund des relativ hohen Goldpreises in britischen Pfund seien in den vergangenen Wochen sogar mehr Münzen von Seiten der britischen Kunden zurückgekommen, als nachgefragt worden seien.

          Zukäufe aus der Schweiz

          Anders war es offenbar in der Finanzkrise. Damals hatten selbst die Hypovereinsbank und die WGZ-Bank in Düsseldorf von „Wartelisten“ für den Goldkauf berichtet. Der Goldhändler Pro Aurum vermeldete seinerzeit, die Lager seien leer und die viele Anrufer legten das Haus komplett lahm.

          Vor allem bestimmte Stückelungen waren wohl zeitweise vergriffen, beispielsweise Barren zu 100, 250 oder 500 Gramm. Goldanbieter wie Umicore, die Goldbarren und -münzen herstellen und vertreiben, hatten von Lieferzeiten für Goldbarren von immerhin zwei bis vier Wochen berichtet.

          In der Finanzkrise schnellte der Goldpreis damals hoch bis auf mehr als 1000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In den vielen Jahren seither war Gold oftmals sogar noch teurer.

          Zuletzt ist der Goldpreis seit dem vorigen Herbst zwar gestiegen, speziell in den vergangenen Tagen ist er aber wieder gefallen. Zum Wochenende hatte der Goldpreis sogar die Marke von 1300 Dollar wieder unterschritten – und notierte am Montag zeitweise bei 1288 Dollar, ein Minus von 0,9 Prozent.

          Auf Nachfrage der F.A.Z. versicherte auch der Vorstandsvorsitzende von Sharps Pixley in London, Ross Norman, das Unternehmen könne weiterhin Gold liefern. „Es gab eine kleine Knappheit vor zwei Wochen“, sagte er.

          Das Unternehmen setzte damals die Ankaufspreise für Gold hoch. Aber die Situation habe sich gebessert. Sein Unternehmen habe seine Vorräte durch Zukäufe aus der Schweiz „signifikant aufgestockt“ – auch als Vorsichtsmaßnahme für einen künftigen plötzlichen Anstieg der Nachfrage.

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