https://www.faz.net/-gv6-7oz8w

Entscheidende Verhandlung : Hoffnung für ehemalige HRE-Aktionäre

  • Aktualisiert am

An diesem Montag wird die HRE-Akte wieder geöffnet. Bild: dpa

Ehemalige Anteilseigner der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate werden wahrscheinlich entschädigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur entscheidenden Gerichtsverhandlung.

          2 Min.

          Der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate drohen hohe Schadenersatzzahlungen an ihre ehemaligen Aktionäre. Im milliardenschweren Musterprozess um eine Entschädigung für Kursverluste vor dem Oberlandesgericht München hatten die Richter dem Unternehmen eine Einigung mit den Aktionären nahegelegt.

          Nach einigen Monaten Bedenkzeit wird der Prozess an diesem Montag fortgesetzt - dann wird sich zeigen, ob die Bank einlenkt. Da sie seit der Notverstaatlichung im Jahr 2009 im Staatsbesitz ist, würde der Schadenersatz letztlich die Steuerzahler in Deutschland belasten. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

          1. Worum geht es in dem Prozess?

          Ehemalige Aktionäre werfen der HRE vor, zu spät auf ihre Probleme durch die Finanzkrise hingewiesen zu haben. Am 15. Januar 2008 hatte der Konzern in einer Pflichtmitteilung massive Belastungen bekanntgegeben und damit die Börse geschockt. Innerhalb eines Tages brach der Aktienkurs um mehr als ein Drittel ein und fiel danach weiter. Viele Aktionäre verloren dadurch ein Vermögen. Insgesamt fordern die Kläger in dem Prozess rund 1,1 Milliarden Euro Entschädigung.

          2. Wie beurteilen die Richter die Vorwürfe?

          Der Vorsitzende Richter Guido Kotschy hatte den Anlegern Hoffnung gemacht. „Die Fakten sprechen eine starke Sprache“, sagte er nach den ersten Verhandlungstagen im Februar. Nach Einschätzung des Gerichts wusste das Unternehmen bereits im November 2007 von Belastungen aus der Finanzkrise. Es stelle sich die Frage, ob nicht hier schon eine Ad-Hoc-Mitteilung hätte erfolgen müssen. Kotschy empfahl der Hypo Real Estate einen „beherzten Schritt“ nach vorn. „Wir sind der Auffassung, dass es hilfreich wäre.“

          3. Warum haben die Anleger Geld in die HRE gesteckt?

          Die Hypo Real Estate galt als solides Unternehmen. Die Aktie war vor ihrer Krise im Dax notiert, also in der ersten Liga der Börse in Deutschland. Viele Anleger dachten, dass ihr Geld besonders gut angelegt ist, weil die Hypo Real Estate auf die Finanzierung großer Immobilienprojekte weltweit spezialisiert war. Im September 2008 geriet die HRE aber in größte Not, weil ihre irische Tochtergesellschaft Depfa Geld langfristig verliehen und sich extrem kurzfristig refinanziert hatte. Nach der Lehman-Pleite ging diese Rechnung nicht mehr auf und sie kam nicht mehr an Geld: Es fehlten plötzlich 35 Milliarden Euro.

          4. Warum wird ein Musterprozess geführt?

          Am Landgericht München gingen nach dem HRE-Drama unzählige Schadenersatzklagen ehemaliger Anleger ein. Statt jede einzeln zu verhandeln, werden zentrale Fragen der Beweisaufnahme nun in dem Musterverfahren geklärt. Der Prozess sei deshalb richtungsweisend, sagte die Anwältin Daniela Bergdolt, die zahlreiche HRE-Anleger in anderen Verfahren vertritt. Grundlage für das Musterfahren ist das „Kapitalanleger Musterverfahrensgesetz“.

          5. Warum wurde der frühere HRE-Chef Funke nicht im Prozess vernommen?

          Weil er nicht gekommen ist. Georg Funke war Anfang Februar als Zeuge geladen, hatte seinen Auftritt aber in letzter Minute abgesagt. Sein Anwalt begründete dies mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die gegen Funke laufen. Mit der Anklage gegen ihn und weitere ehemalige Manager der Hypo Real Estate wird in Kürze gerechnet. Funke war nach dem Desaster bei der HRE von München nach Mallorca gezogen und handelte dort eine Zeit lang mit Ferienimmobilien. In Interviews wehrte er sich aber aus der Ferne gegen den Vorwurf, Schuld für das HRE-Drama zu tragen.

          Weitere Themen

          Wo der Urlaub am günstigsten ist

          Shopping im Ausland : Wo der Urlaub am günstigsten ist

          Die Menschen trauen sich wieder, zu verreisen. Der Bankenverband hat daher die Kaufkraft für Urlauber analysiert: Teuer sind die Ferien etwa in der Schweiz und billig in der Türkei.

          Topmeldungen

          Zurzeit ein teurer „Spaß“: Häuser in einem Neubaugebiet in Frankfurt am Main

          Hauskauf in der Metropole : Wenn das Eigenheim nur eine teure Seifenblase ist

          Ist es sinnvoll, wenn sich Eltern an der Finanzierung von Eigenheimen ihrer Kinder beteiligen? Nicht immer – denn auch Gutverdiener können sich in Großstädten nicht ohne weiteres ein Reihenhaus leisten, wie unser Kolumnist vorrechnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.