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Energieautarker Fertigbau : Ein Haus versorgt sich selbst

Überschüssiger Strom wird im Blei-Akku gespeichert und speist das häusliche Stromnetz, wenn es dunkel wird
Überschüssiger Strom wird im Blei-Akku gespeichert und speist das häusliche Stromnetz, wenn es dunkel wird : Bild: Michael Löwa

Genaugenommen sind die Sonnenkollektoren nur für zwei Drittel der nötigen Wärme gut. Von November bis Mitte Februar sind die Tage kurz, die Sonne scheint kraftlos. Dann kommt eine weitere Energiequelle ins Spiel: Ein Holzvergaser. Das ist ein besonders effizienter rund 10 000 Euro teurer Kamin, der 70 Prozent der Feuerwärme nutzt, statt sie zum Schornstein hinauszublasen. Das ist die Eigenart von gewöhnlichen Kaminen. Für den Holzvergaser reichen zwei Festmeter Buchenholz aus (zirka 150 Euro), sie stellen sicher, dass es auch Weihnachten warm bleibt. Damit es nicht länger kalt ist innerhalb der vier Mauern haben die Planer 42 Zentimeter dicke massive Mauern aus einem High-tech-Ziegelstein errichten lassen, der die Wärme bannt, aber Luft durchlässt. Solche Mauern brauchen keine extra Dämmschicht aus Styropor und können im Wärmeschutz trotzdem mit Passivhäusern mithalten. Auch die Lüftung ist keine hohe Kunst wie bei einigen Niedrigenergie-Häusern, die ferngesteuert gelüftet werden.

Ein intelligenter Stromspeicher

Das Gute an der Sonne als Kraftquelle Marke Eigenheim ist, dass sie bis zu viermal mehr Strom liefert, als hier verbraucht wird. Das Schlechte ist, dass die Sonne ziemlich unstet und unflexibel ist. Sie liefert zwar mehr Strom als genug, aber nicht dann, wenn er vor allem gebraucht wird. Mittags wird viel Strom produziert, am Abend aber verbraucht. Im Sommer gibt es reichlich Strom, im Winter ist er gefragt. Mit der Sonne kommt ein Synchronisationsproblem in die Energieversorgung. Was tun? Der Strom muss gespeichert werden.

Über einen Bildschirm können die Stromproduktion und alle weiteren Funktionen des Hauses überwacht werden
Über einen Bildschirm können die Stromproduktion und alle weiteren Funktionen des Hauses überwacht werden : Bild: Michael Löwa

Im autarken Haus übernimmt ein Blei-Akku-Speicher diese Aufgabe. Er sitzt in einer 2,70 Meter breiten, 80 Zentimeter hohen und tiefen Stahlkiste draußen vor dem Haus. Die Batterie kann zehn bis 15 schlechte Tage ohne nennenswerte Energielieferungen der Sonne überbrücken. Sie braucht dann einen langen guten Sommersonnentag, um wieder aufgeladen zu werden. Im Winter kann der Ladevorgang auch schon einmal einige Tage beanspruchen. Dank dieses Speichers gibt es genug Strom, um auch noch ein kleines Elektroauto damit zu füttern.

Anschaffungskosten trüben Selbstversorger-Idyll

Ganz bewusst hat Leukefeld das Haus so konzipiert, dass es sich auch ohne Solarförderung rechnet und ohne Stromanschluss ans Leitungsnetz funktioniert. Die Idee soll noch leben, wenn die Politik sich ändert. Er ist aber Pragmatiker genug, um Hausherren doch einen Stromanschluss zu empfehlen mit einem Tarif ohne Grundgebühr. Dann fährt man auf Nummer sicher, wenn mal die Haustechnik versagt. Man könnte tatsächlich auch überzähligen Sonnenstrom ins Netz einspeisen und dafür eine Einspeisevergütung kassieren, was das Kalkulationsergebnis noch verbessert.

Der Strom reicht auch noch, um einem Elektrofahrzeug oder einem Roller, die nötige Energie zu liefern
Der Strom reicht auch noch, um einem Elektrofahrzeug oder einem Roller, die nötige Energie zu liefern : Bild: Michael Löwa

Mit 363.000 Euro inklusive Tank, Batterie und Solaranlagen ist das Haus teurer als ein gewöhnliches Massivhaus. Dafür verschwinden Nebenkosten und in Zukunft auch die Ausgaben fürs Benzin. Allerdings wird das Haus deutlich teurer, wenn man das Grundstück mit einkalkuliert. Es sollte im Idealfall groß genug sein, dass kein Nachbargebäude Schatten auf Haus und die Solaranlagen werfen kann. Solche Grundstücke fangen bei 700 Quadratmeter an. Dafür gibt man im Rhein-Main-Gebiet zum Beispiel 300.000 bis 700.000 Euro aus.

Eine weitere Voraussetzung ist die Südausrichtung der Häuser. Davon dürfen sie höchstens 20 Prozent abweichen, wenn sie das Selbstversorger-Idyll nicht gefährden wollen. In manchen Regionen lassen die Bauämter die Südausrichtung aber nicht zu, weil das nicht ins Stadtbild oder ins Straßenbild passt. Und schließlich müssen die Dächer mit 45 Grad ziemlich steil sein, damit sie auch die niedrige Wintersonne gut ausbeuten können. Physikalisch optimal wäre sogar ein 62 Grad steiles Dach. Aber das wäre nicht so hübsch.

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