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Einkommen und Vermögen : Man spricht nicht über Geld – oder doch?

Zumindest mit dem Partner gibt es doch häufig Gespräche über Geldfragen. Bild: Picture-Alliance

Wenn es um Einkommen, Vermögen oder den Preis des neuen Autos geht, sprechen die Deutschen noch nicht mal mit ihrem Lebenspartner, so heißt es oft. Aber stimmt das wirklich noch? Oder bröckelt das Tabu?

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          Über Geld spricht man nicht. Diesen Ratschlag kennen und beherzigen viele - vor allem dann, wenn es um das Einkommen, das Vermögen, den Preis des neuen Autos oder sogar die Kosten es Eigenheims geht. Denn zahlreiche Menschen scheuen den Neid und die Missgunst der anderen. Anders sieht es bisweilen dann aus, wenn finanzielle Sorgen die beherrschenden Geld-Themen sind. Wenn also das alte Auto zunehmend Ärger bereitet und für viele Euro immer wieder repariert werden muss, hohe Pflegekosten das Ersparte schon fast aufgezehrt haben oder die Schulden immer höher werden. Doch auch darüber wird wiederum aus anderen Gründen oft genug geschwiegen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei scheint Geld für die Hälfte der Deutschen mittlerweile ein Gesprächsthema zu sein wie jedes andere auch. Dies jedenfalls ergibt eine repräsentative Umfrage der Norisbank. Demnach ist es nur für wenige Menschen wirklich tabu, über Geld zu reden: Denn 12 Prozent der Umfrageteilnehmer tauschen sich nach eigener Aussage mit niemandem detailliert über ihre Finanzen aus. Dagegen gaben 86 Prozent der Befragten, die in einer Beziehung leben, an, zumindest mit dem Lebensgefährten völlig offen über die persönliche Einkommenssituation zu sprechen.

          Doch darüber hinaus hören das Vertrauen und die Offenheit vielfach dann doch schon wieder auf. Denn deutlich seltener diskutieren die Bundesbürger laut dieser Umfrage mit ihren Eltern oder engen Freunden über das Thema Geld - dies gab jeweils rund ein Drittel der Befragten an. Mit den Geschwistern oder sogar den eigenen Kindern wiederum will im Durchschnitt nicht mal ein Fünftel der Deutschen über Finanzielles sprechen.

          Bankberater sind nicht mehr bevorzugte Ansprechpartner

          Aufgrund der niedrigen Zinsen sind Darlehen zwar en vogue. Doch die Postbank hat in einer ebenfalls repräsentativen Umfrage festgestellt, dass im Durchschnitt mehr als die Hälfte der Deutschen nicht offen über ihre Schulden sprechen. Vor allem die Altersgruppe der über Sechzigjährigen zeigt sich verschwiegen - hier verhalten sich fast zwei Drittel so. Besonders offen geben sich dagegen die 30- bis 39-Jährigen, denn unter ihnen schweigt nur ein gutes Drittel. Ein Sechstel der Bundesbürger schämt sich dafür, Schulden zu haben, oder findet es peinlich, einen Kredit aufzunehmen.

          Dabei ist der Bankberater in zunehmendem Maße nicht der bevorzugte Ansprechpartner in finanziellen Dingen, heißt es weiter von der Norisbank. Legte im Jahr 2015 im Durchschnitt noch jeder dritte Deutsche Wert auf persönliche Beratung, so spreche nun nur noch etwa ein Fünftel der Bundesbürger mit ihrem Bankberater über die Finanzen, heißt es von der Norisbank. Vielmehr würden Geldgeschäfte immer häufiger selbsttätig erledigt.

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