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Altersvorsorge-Politik : „Eine Mischung aus Verantwortungslosigkeit, Unkenntnis und Unfähigkeit“

Geht es um die politischen Weichenstellungen zur Altersvorsorge, wählt Deutschland laut Reinhard Panse oft den falschen Weg. Bild: dpa

Stets biege die deutsche Politik falsch ab, wenn es um die Altersvorsorge geht, heißt es vom Mutli-Family-Office Finvia. Eine kritische Bewertung von Chefanlagestratege Reinhard Panse.

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          Die Bewertung der Aktienmärkte ist aktuell ein wichtiges Thema. Auch für Reinhard Panse, Mitgründer und Chefanlagestratege des Family Office Finvia, der hohe Erwartungen eingepreist sieht. Die Unternehmensgewinne müssten möglichst schnell wieder das Vorkrisenniveau erreichen. „Ansonsten ist besonders der amerikanische Aktienmarkt massiv überbewertet“, sagt er. „Das Kurs-Cashflow-Verhältnis liegt dort aktuell bei 21, selbst während der Technologieblase 1999/2000 wurde dieser Wert nicht ganz erreicht. Selbst als der Nikkei-Index 1989 40.000 Punkte erreicht hatte, lag das Verhältnis nur bei 19.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Vergleich mit Japan wählt Panse nicht zufällig. Damals habe sich der Blick der Unternehmenswelt genauso nach Japan gewandt wie heute nach den Vereinigten Staaten. Japanische Managementmethoden galten als vorbildhaft, und man glaubte, Hochtechnologie könne künftig nur noch aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen. Heute hätten amerikanische Technologieunternehmen ähnlich hervorragende Marktstellungen inne. „Der Haken ist nur: Diese haben sie schon jetzt weltweit inne. Insofern erklärt die hohe Bewertung das bisherige Wachstum, nicht das kommende“, sagt Panse.

          Überdies sei den Unternehmen eine vergleichsweise geringe Steuerlast zugutegekommen. Amerikas neuer Präsident Joe Biden aber benötige Geld zur Finanzierung der Corona-Hilfen, sodass die Steuerbelastung für Technologieunternehmen relativ stärker steigen könne. „Wenn aber Technologieunternehmen stärker belastet werden, kann der Gewinnrückgang am amerikanischen Aktienmarkt mehr als 10 Prozent erreichen.“ Obendrein neigten Unternehmen mit Monopolstellungen dazu, Innovationen zu vernachlässigen und stattdessen an der Preisschraube zu drehen.

          Panse glaubt, dass die Aktien von Technologienutzern sich künftig besser entwickeln könnten. Das spreche für niedrig bewertete Unternehmen in den Schwellenländern und Europa. Panse führt als Beispiel die Baumarktkette Hornbach an. Diese habe in den vergangenen Jahren aufgrund hoher Investitionen in das Online Geschäft eine schwache Gewinnentwicklung verzeichnet. In der Corona-Krise sei ihr das aber zugutegekommen und der Aktienkurs von 40 auf 90 Euro gestiegen.Die Situation sei dem Jahr 2000 nicht unähnlich: „Das Internet hat sich seitdem gut entwickelt, die Bewertungen der Internetunternehmen waren damals einfach zu hoch.“

          Schwierigere Haushaltslage als nach dem Weltkrieg

          Langfristig aber treiben Panse vor allem die Staatsschulden um. Die Bewertung von Aktien sei nun einmal auch von den Zinsen abhängig. So blicke man auch auf das Kurs-Cashflow-Verhältnis, nicht nur weil der Mittelzufluss weniger manipulierbar sei als ausgewiesene Gewinne, sondern auch weil die Zinsentwicklung dieses statistisch zu 88 Prozent bestimme. Gemäß der historischen Zusammenhänge zwischen Staatsanleihenrenditen und Aktienbewertungen, setze der amerikanische Aktienmarkt auf steigende Gewinne, die aber kommen müssten, in Japan und Europa gebe es dagegen noch Luft.

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