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Ein Besuch im Casino : In Spielbanken ist niemand systemrelevant

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In Deutschland gilt nur die Regulierungen der Spielbanken

Die enge Verknüpfung des Glücksspiels mit der Suchtgefahr gerate dabei nicht aus den Augen, sagt Schenkel. In Schleswig-Holstein, wo Schenkel zuletzt nahe Hamburg für eine Spielbank arbeitete, suchte seine Spielbankgruppe als erste den Kontakt zur Suchtberatung und unterstützte deren Bemühungen mit einem sechsstelligen Betrag, bevor der Glücksspielstaatsvertrag derartige Regelungen übernahm. Heute allerdings hätten die gesetzlichen Regulierungen überhandgenommen, sagt Schenkel. Jeder Gast muss am Eingang registriert werden, um seine Daten mit einer Suchtkartei abzugleichen. Zudem gebe es ständige Kontrollen wegen des Geldwäschegesetzes. Der Staat vermeide es allerdings, eine grundsätzliche Entscheidung darüber zu treffen, was er – neben Abgaben in Höhe von 80 Prozent – wolle, sagt Schenkel.

So hätten sich in der Schweiz die Bürger für stark regulierte Spielbanken und ein generelles Verbot aller anderen Glücksspielmöglichkeiten ausgesprochen. In Deutschland gelte dagegen nur das eine, die Regulierungen der Spielbanken, ohne dass im Gegenzug Online-Kasinos, Spielhallen und Sportwettcafés ähnlich reguliert würden. Für Spielbanken gelte daher ein enges Korsett, mit dem sie im Wettbewerb kaum bestehen könnten, sagt Schenkel. Und obendrein käme das Glücksspiel wegen der nebulösen Konkurrenz von seinem schlechten Ruf nicht weg.

Das Spiel bleibt stets ein Glücksspiel

Heute seien die Spielbanken „Dinosaurier“, sagt Schenkel und beschreibt damit auch ein Szenario des Aussterbens: „In sechs bis acht Jahren wird es eine Reihe von Spielbanken, die nicht so günstig liegen wie wir in Bad Homburg, in dieser Form nicht mehr geben.“ Vielen Casinos fehlten Stammgäste, die das Spiel der seltenen, aber finanzstarken Gäste ausglichen. Wenn auch das mathematische Argument ein anderes ist, im Einzelfall bleibt es stets ein Glücksspiel – auch für die Bank. So müsse man immer damit rechnen, dass an einem Abend 70.000 Euro von einem Gast mitgenommen würden, der dann so bald nicht wiederkomme um das Geld wieder einzusetzen, sagt Schenkel. Erst vor wenigen Tagen sei genau das passiert.

Das Spiel bleibt stets ein Glücksspiel, sagt Schenkel, der damit auch Poker meint, obwohl es immer wieder Versuche gibt, das Kartenspiel als Geschicklichkeitsspiel auszulegen. Dieser Illusion dürfe man sich bei keinem, von einer Spielbank angebotenen Spiel hingeben, sagt Schenkel. „Trotzdem ist Poker ein hochspannendes, faszinierendes Spiel, dass in jedem Fall in eine Spielbank gehört“, auch wenn man es nicht im stressigen Cash Game, sondern im Turniermodus spiele, sagt Schenkel. Wenn man sich ein Limit setze, das Spielende akzeptiere und die Zeit bis dahin als Wettkampf unter Gleichen ansehe, sei man bestens unterhalten. Und forderte man lieber die Bank heraus, spiele man eben Black Jack. Dass die Spielbanken heute so schlecht wegkämen und der Begriff „Casino“ sogar als Schimpfwort für das Börsengeschehen herhalten müsse, ärgert Schenkel dabei maßlos. Im Casino spiele schließlich jeder mit seinem eigenen Geld, und niemand behaupte, systemrelevant zu sein.

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