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EC-Karten-Panne : Commerzbank verärgert tausende Kunden

Bild: dpa

Die Commerzbank hat die Pins einiger Kunden geändert. Nur: Diese wussten nichts davon. Nicht das erste technische Problem seit Übernahme der Dresdner Bank.

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          Kerstin Wirth stand auf einmal ziemlich dumm da. Die Commerzbank-Kundin wollte eigentlich nur kurz am Automaten Geld abheben, aber bei der Eingabe der Geheimzahl las sie auf dem Bildschirm: „Die eingegebene Pin ist nicht korrekt“.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Beim ersten Mal dachte sie einfach nur, sie hätte die Nummer falsch eingegeben, aber als auch beim zweiten Mal dieselbe Fehlermeldung erschien, wusste sie, etwas stimmte nicht. „Mir fiel dann ein, dass ich vor wenigen Tagen eine neue EC-Karte bekommen hatte“, erinnert sich Wirth. Und genau da ging einiges schief.

          Alte Pins reaktiviert

          So wie Kerstin Wirth ging es einigen tausend Kunden der Commerzbank in den letzten Tagen. Die Bank selbst spricht in einer Stellungnahme gegenüber der F.A.Z. von einem niedrigen fünfstelligen Bereich - also mehr als 10.000 Kunden.

          Turnusgemäß tauschte die Commerzbank vor wenigen Wochen 500.000 EC-Karten aus, deren Laufzeit sich dem Ende näherte. Normalerweise bleibt der Pin-Code dabei gleich. Nicht so aber bei einigen tausend Kunden, die auf einmal mit ihrer gewohnten Geheimzahl kein Geld mehr abheben konnten.

          Betroffen waren alle Kunden, die eine Ersatzkarte erhalten hatten, zum Beispiel weil sie die alte Karte verloren hatten oder diese schlicht und ergreifend unbrauchbar war. Die Geheimnummern der im September neu zugesandten Karten, mit denen die Ersatzkarten abgelöst wurden, waren dann aber auf die alten gestohlenen oder unbrauchbaren Karten programmiert.

          Die Kunden hatten aber bis dahin mit der Pin-Nummer ihrer Ersatzkarten Geld abgehoben. Das IT-System hatte die neue Pin nicht in das System übernommen. Wem das auffiel, der konnte die EC-Karte weiter nutzen, wem nicht, der hatte jedenfalls kurzfristig Pech.

          Immer wieder technische Probleme

          Wieder einmal hatte das IT-System der Commerzbank versagt. Schon im letzten Sommer sorgten die Computerprobleme für einige Aufregung. Mehrere Wochen lang kam es zu empfindlichen Verzögerungen, wenn Mitarbeiter Kundeninformationen abrufen wollten.

          An einzelnen Tagen konnten Mitarbeiter der Commerzbank nicht auf die Kundeninformationen zurückgreifen. Betroffen war jede vierte Filiale der zweitgrößten Bank mit insgesamt 1200 Außenstellen. Martin Zielke, Privatkundenvorstand der Commerzbank, erklärte damals die Lösung der IT-Probleme zur Chefsache. Als Ursache für die Probleme mit dem IT-System gilt nach wie vor die Übernahme der Dresdner Bank. Die Commerzbank übernahm im Frühjahr 2011 eine Milliarde Datensätze von der Dresdner Bank auf die Commerzbank-Plattform. Ein Commerzbank-Sprecher bestritt gegenüber der F.A.Z. aber eine Häufung von IT-Problemen.

          Die Probleme mit der EDV laufen auch der aktuellen Strategie zuwider, das Privatkundengeschäft deutlich zu stärken. Dieses ist momentan das größte Problemkind der Bank, weil dort zu wenig Geld verdient wird. Probleme wie die mit den EC-Karten führen zu einem nicht unerheblichen Imageschaden. Daher sagt ein Sprecher der Bank auch: „Wir arbeiten kontinuierlich an der weiteren Verbesserung unserer IT-Systeme.“ Die betroffenen Kunden wie Kerstin Wirth bekamen übrigens keine Entschädigung, sondern lediglich einen Entschuldigungsbrief der Bank.

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