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E-Commerce : So verdienen Anleger am Online-Handel

Die Tragweite der Post: Eine Milliarde Pakete liefert DHL jährlich aus. Bild: Picture-Alliance

Immer mehr Menschen kaufen Waren im Internet. Davon profitieren vor allem die Paketzusteller und Bezahldienste. Welche Aktien lohnen sich besonders?

          Nun hat also Carl Icahn sein Werk vollendet. Angefangen hatte es damit, dass der amerikanische Großinvestor die Abspaltung des Bezahldienstes Paypal von dem Online-Marktplatz Ebay mit aller Macht betrieb. Im Juli war es schließlich geschafft, Paypal war von Ebay gelöst, ging an die Börse und überflügelte dort sogleich die einstige Mutter. In der zurückliegenden Woche nun trennte sich Icahn von all seinen Ebay-Aktien, kaufte in der gleichen Größenordnung Paypal-Papiere und hält damit 3,8 Prozent an dem inzwischen wohl bekanntesten Bezahldienst der Welt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Man mag von dem knallharten Vorgehen des New Yorker Hedgefondsmanagers halten, was man will. Doch hat Icahn damit die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass Händler wie Ebay vom schier unaufhörlich wachsenden Online-Handel mitunter weniger profitieren als jene, die ihnen zur Seite stehen. Also alle, die Kartons herstellen, Pakete ausliefern, die Bezahlung für Käufer ermöglichen oder für Händler abwickeln. Eine Reihe solcher Unternehmen, darunter Paypal, sind nicht nur für aktivistische Großinvestoren wie Icahn interessant, sondern für viele Anleger.

          Der Online-Handel boomt, und ein Ende ist längst nicht in Sicht. Schon im vergangenen Jahr haben allein hierzulande 45 Millionen Menschen Kleidung, Elektroartikel, Möbel oder Lebensmittel mit wenigen Klicks bestellt und bezahlt. Der Handelsverband Deutschland geht davon aus, dass der Umsatz in diesem Jahr um zwölf Prozent auf 41,7 Milliarden Euro steigt. Damit ist das sogenannte E-Commerce der Wachstumstreiber im deutschen Handel.

          Und so dürfte es weitergehen. Das Kölner Institut für Handelsforschung hat verschiedene Szenarien durchgespielt, wie es im Jahr 2020 um den Online-Handel bestellt ist. Das Ergebnis: Kommt es zu weiteren Innovationen, so dass die Ware noch schneller und bequemer beim Käufer ankommt und er zudem vermehrt mobil bezahlen kann, könnte sich der Handelsumsatz im Internet binnen fünf Jahren auf 118 Milliarden Euro verdreifachen.

          Lebensmittel-Lieferdienste haben noch Probleme

          Es sind allerdings nicht immer die Händler, die von der Kauflust im Internet profitieren. Zwischen A wie Amazon und Z wie Zalando ist viel Platz für andere Händler, denen es (noch) nicht gelingt, profitabel zu sein. Vor allem Lebensmittel-Lieferdienste gehören dazu. Zwar dürfte Rewe Online nach Branchenschätzungen in diesem Jahr einen hohen zweistelligen Millionenbetrag erwirtschaften. Doch verdient die Supermarktkette mit ihrem Liefergeschäft absehbar ebenso wenig Geld wie die kleineren Konkurrenten, die ebenfalls Brot, Butter und Bananen bis an die Wohnungstür liefern. Die Mengen sind bisher so gering wie die Margen.

          Rewe-Chef Alain Caparros geht davon aus, dass der Lieferdienst noch auf Jahre hinaus ein Zuschussgeschäft bleiben wird. Bislang wird der Zustelldienst für den Supermarkt erst interessant, wenn ein Kunde für mindestens 100 Euro einkauft. Dass Caparros den Online-Handel dennoch mit hohem Tempo ausbaut, liegt nicht zuletzt daran, dass ein mächtiger Konkurrent auf den Markt drängt: Amazon Fresh könnte schon 2016 Lebensmittel in Großstädten ausliefern.

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