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Dispozinsen : Kontoüberziehungen werden teurer

Deutsche Bank in Frankfurt: Die Zwillingstürme überragen die Stadt Bild: AFP

Wird das Girokonto überzogen, verlangen Banken zumeist hohe Zinsen. Einige Institute wie die Deutsche Bank wollen sogar einen Mindestpreis einführen - und so den eigenen Aufwand verringern.

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          Die Zinsen, die Anleger für ihre Bankeinlagen bekommen, sind seit einiger Zeit mager. Doch die Kosten, die anfallen, wenn sie das Girokonto überziehen, sind und bleiben für viele Kunden ein großes Ärgernis. Im Bundesdurchschnitt müssen sie derzeit einen Dispozins von rund 11 Prozent bezahlen, wenn der Kontostand ins Minus rutscht, er aber noch innerhalb des vereinbarten Dispositionsrahmens bleibt. Dies hat die FMH-Finanzberatung aus Konditionen von 35 ausgewählten Kreditinstituten errechnet.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Fällt der Kontostand allerdings unter die festgelegte Grenze, dann erheben die Banken für die „geduldete Überziehung“ zusätzlich eine Art Strafzins. Der Überziehungszins summiert sich nach Angaben von FMH aktuell auf durchschnittlich 15,50 Prozent. Zum Vergleich: für ihr Tagesgeld bekommen Anleger im Durchschnitt rund 1,4 Prozent.

          Mindestpreis von 6,90 Euro je Quartal

          Doch selbst der hohe Überziehungszins ist einigen Instituten nicht genug. So hat nun die Deutsche Bank angekündigt, mit Wirkung zum 1. Juli 2012 die geduldete Überziehung nur zu einem Mindestpreis von 6,90 Euro je Quartal anzubieten. „Bei diesem Mindestpreis handelt es sich um Kosten, die im Falle einer geduldeten Überziehung einmalig pro Rechnungsabschluss berechnet werden“, ist in einer Anlage zum Kontoauszug der Deutschen Bank zu lesen: „Diese Kosten fallen jedoch nicht an, soweit angefallene Sollzinsen den Mindestpreis für geduldete Überziehungen übersteigen.“

          Bei einem Überziehungszins der Deutschen Bank von aktuell 17,50 Prozent müsste ein Kunde sein Konto drei Monate lang um mehr als 160 Euro überziehen, damit die Zinsen höher seien als die neue Gebühr, rechnet Max Herbst von der FMH-Finanzberatung vor. Würde der Kunde sein Konto dagegen theoretisch ein Jahr lang nur um einen Euro überziehen, so käme dies einem Zins von 2760 Prozent gleich.

          Eine Sprecherin der Bank begründet den Mindestpreis mit dem zusätzlichen Aufwand für die Überprüfung, die Bearbeitung und die Freigabe der Überziehungen. Ein solcher Mindestpreis sei marktüblich. Die Deutsche Bank habe ihn schon im Jahr 2008 eingeführt und wolle den Preis nun von 4,90 Euro um 2 Euro erhöhen. Dieser Hinweis fehlt auf der Anlage zum Kontoauszug. Der Mindestpreis ist also für das Haus nicht neu.

          Aufwand für die Banken

          Herbst verweist darauf, dass Banken schon den Überziehungszins mit dem höheren Bearbeitungsaufwand rechtfertigten. Zusätzliche Gebühren seien ihm mit Ausnahme der Pauschalen der Deutschen Bank und der Targobank nicht bekannt. Letztere verlange sogar 2,95 Euro je Monat. Häufig begründen Finanzinstitute die Höhe der Überziehungszinsen auch mit höheren Risiken und - wie schon als Argument für den Dispozins - mit der fehlenden Planbarkeit dieser Kredite.

          „Solche Gebühren könne man durchaus rechtfertigen, wenn zugleich die Zinsen für die Überziehung gesenkt würden“, sagt Herbst. Denn natürlich sei der höhere Aufwand für die Bank auch schon bei einer Überziehung um 1 Euro gegeben, die allerdings kaum Zinsen erbringe.

          Bei der Information der Deutschen Bank über den künftigen Mindestpreis aus dem Kontoauszugsdrucker fehlt ein solcher Hinweis noch. Die Sprecherin der Bank verweist nun allerdings auf die gute Nachricht, dass der Überziehungszins zum 1. Juli um 0,75 Prozentpunkte auf dann 16,75 Prozent gesenkt würde. In den Anlagen der später mit der Post verschickten Kontoauszügen sei diese Information enthalten gewesen und habe beim Ausdruck aus dem Drucker vermutlich gefehlt, weil Preis -und Zinsänderungen zu verschiedenen Zeiten erfolgten.

          Herbst vermutet eher, dass es negative Resonanz an dem Vorhaben der Deutschen Bank gegeben habe. Typischerweise würden zwar die Zinsen vierteljährlich angepasst, gleichwohl hätte sich das Zinsumfeld zuletzt aber kaum verändert. Banken koppelten die Entwicklung der Kreditzinsen gerne an den Euribor, einen Zinssatz aus dem europäischen Interbankengeschäft. Der Euribor sei von 0,77 Prozent Ende März auf 0,67 Prozent gefallen.

          Vergleiche lohnen sich

          Die Deutsche Bank nutzt als gesetzlichen Referenzzins den Leitzins der Europäischen Zentralbank. Dieser beträgt seit Dezember 2011 unverändert 1 Prozent. Kunden der Bank können der Vertragsanpassung nun bis zum 30. Juni widersprechen. „Im Falle des Widerspruchs haben sie auch schon vor dem 1. Juli die Möglichkeit, ihr Deutsche Bank Konto ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kostenfrei zu kündigen“, steht in der Anlage weiter zu lesen. Eine Alternative könne es für solche Kunden sicherlich sein, das Konto künftig ohne Überziehung zu führen, sagt die Sprecherin der Deutschen Bank.

          Herbst empfiehlt Bankkunden, nicht nur für Anlagen die Konditionen zu vergleichen und gegebenenfalls den Aufwand nicht zu scheuen und das Institut zu wechseln. Der Rat vieler Banken, solche Überziehungen in zinsgünstigere Ratenkredite umzuwandeln, sei für viele Kunden nicht vernünftig, wenn sie mit den Ratenzahlungen neue Überziehungen anhäuften. Besser seien häufig Selbstdisziplin und die eigenständige Reduzierung des negativen Kontostandes.

          Ein Vergleich lohnt: Die Spanne zwischen den Zinsforderungen der einzelnen Banken ist groß. „Besonders teuer sind in der Regel die Großbanken, aber auch regionale Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen“, sagt Herbst. So gehört die Commerzbank mit ihrem Überziehungszins von aktuell 18,74 Prozent mit zu den teuersten Instituten wie die Kasseler Bank, eine Volksbank.

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