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Die Vermögensfrage : Immer Ärger mit den Magerzinsen

  • -Aktualisiert am

Ganz schön schwer, fürs Alter vorzusorgen. Bild: ddp

Die Zinsen der Lebensversicherungen rutschen unaufhaltsam, eine reale Kapitalerhaltung scheint bei neuen Verträgen unmöglich. Und bei alten Verträgen wird sie immer problematischer.

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          Auf der Hälfte zwischen Frankfurt und Köln, da wo der ICE die Autos auf der A3 einfach stehen lässt und ansonsten viel gesunde Landschaft grüßt, arbeitet Stefan Albers. Er ist einer von sehr wenigen behördlich zugelassenen Versicherungsberatern Deutschlands. Genauer gesagt, er ist der einzige auf den 200 Kilometern grüner Hügel zwischen Main und Rhein. Zu ihm kommen Versicherungsnehmer um ihre diversen Verträge zu sortieren. Manche kommen mit Ordnern, manche mit Waschkörben, manche schicken Dateien und alle wollen unabhängigen Rat.

          Für den zahlen sie Stefan Albers 145 Euro je Stunde. Dafür bekommen sie die Gewissheit, dass er seinen Rat eben nicht von Provisionen oder sonstigen Freundlichkeiten eines Versicherers leiten lässt, sondern nur von ihren Interessen und seinem Sachverstand. So will es der Gesetzgeber, der für Versicherungsberater die Erlaubnis der zuständigen Industrie- und Handelskammer vorsieht. „Kanzlei für Versicherungsberatung“ steht an der Tür in Montabaur, was nach Rechtsberatung klingt und insoweit zutrifft, als ein Versicherungsberater mit dem Segen der Gewerbeordnung Rechtsrat erteilen darf und seine Kunden außergerichtlich gegenüber den Versicherern vertritt.

          Seine Homepage verdeutlicht schnell, wo die Versicherten der Schuh drückt. Es geht um die Lebensversicherung. „Zu mir kommen oft Anleger mit drei oder mehr Policen völlig unterschiedlicher Art.“ Die haben sich bei seinen Kunden so über die Jahre angesammelt, werden brav bedient und stehen inzwischen allesamt auf dem Prüfstand, weil sich der Renditeschwund dieser Verträge inzwischen herumgesprochen hat. Kein Wunder, sind doch die Zinsen auf Rentenversicherungen seit der Jahrtausendwende regelrecht eingebrochen:

          Nach Angeben des Statistikportals Statista von 7,15 Prozent im Jahre 2000 auf 2,86 im Jahre 2016. Tendenz weiter fallend, wobei festzuhalten ist, dass es die Magerzinsen nie auf die gesamten Beiträge gibt, sondern immer nur auf das, was von denen nach Kosten und Abzügen für den diversen Versicherungsschutz so übrig bleibt. Das ist am Anfang sehr wenig und erreicht nach vielen Vertragsjahren auch nur um die 80 Prozent der Beiträge. Je nach Versicherer und Tarif schaffen es deshalb bereits heute viele Verträge auch nach 12 Jahren nicht, ihren Versicherten wenigsten die gezahlten Beiträge zu erhalten. Es werden noch viel mehr Verträge werden, selbst nach viel mehr Jahren braven Sparens.

          Stefan Albers kennt die Horrorszenarien für die Gewinnbeteiligung der Versicherten. Er sitzt im externen Rating-Komitee der Assekurata Rating-Agentur, einer renommierten Kölner Rating-GmbH mit dem Schwerpunkt Versicherungen, und hört sich dort die O-Töne zu den trüben Aussichten der Lebensversicherer an. Beispiel: Zinsüberschussreserve. Diese Spardose bedienen die Versicherer seit 2011, um ihre garantierten Zinsen zahlen zu können. Nur die garantierten Zinsen, wohl gemerkt. Von den immer wieder beschworenen Überschusszinsen ist schon lange keine Rede mehr. Noch bilden sie diese Reserve nur für alte Verträge mit Garantiezinsen von über 2,75 Prozent. Assekurata schätzt, dass sich diese Reserven Ende 2015 auf „gut 30 Milliarden Euro“ beliefen. 30 Milliarden, die zu Lasten der jüngeren Verträge gebildet wurden.

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