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Die Kosten : Am Anfang und am Ende kann es ziemlich teuer werden

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Am angenehmsten sind noch die Kosten für die Hochzeitsfeier. Richtig teuer wird es hingegen, wenn die Ehe geschieden werden muss - und das passiert immer häufiger.

          Heiraten ist nicht nur ein schöner Liebesbeweis, es bietet auch viele finanzielle Vorteile (siehe Artikel links). Doch wer ganz nüchtern beurteilen will, ob sich die Ehe auch materiell lohnt oder nicht, der darf die Ausgaben nicht unterschätzen. Am angenehmsten sind sicherlich die hohen Kosten für die Hochzeitsfeier. Richtig teuer kann es hingegen werden, wenn die Ehe geschieden werden muss, und das passiert immer häufiger. Auf zwei Hochzeiten kommt schließlich statistisch schon eine Scheidung.

          Hochzeitsfeier

          Heiraten kann ganz billig sein. Vor dem Standesamt für eine Gebühr zwischen 50 und 100 Euro. Ohne neuen Anzug, ohne Feier, ohne Ringe. Aber wer will das schon? Im Durchschnitt geben die Deutschen knapp 8000 Euro für eine Hochzeit aus. Wer ohne Kirche und mit kleinerer Feier heiratet, bekommt das für ein paar tausend Euro weniger. Und zum Glück locken ja auch ein paar Hochzeitsgeschenke.

          Scheidung: Anwaltskosten

          Wer sich scheiden lässt, muss seinen Anwalt und mindestens die Hälfte der Gerichtskosten zahlen. Die Höhe hängt vom Nettoeinkommen und Vermögen ab und kaum vom Aufwand. Das heißt, selbst wenn sich beide Partner einig sind, kostet das Verfahren auf jeden Fall mehrere tausend Euro, schnell auch über zehntausend Euro. Zum Beispiel, wenn das Paar eine teure Immobilie besitzt. Am günstigsten sind Scheidungen, wenn die Ehe weniger als drei Jahre dauerte. Dann ist zwingend nur für das Scheidungsverfahren zu zahlen, der Versorgungsausgleich für die Altersvorsorge ist erst ab drei Jahren vorgeschrieben. Unterhalt und Vermögensausgleich sind freiwillig. Wer das ohne Anwalt klärt, spart weiteres Geld. Günstiger wird es auch, wenn sich beide auf einen gemeinsamen Anwalt einigen.

          “Eine Scheidung ohne Vermögensausgleich und Unterhaltsstreit erlebe ich aber äußerst selten“, sagt die Frankfurter Familienanwältin Ulrike Haibach. Und das kann richtig kompliziert und damit teuer werden. Zum Beispiel wenn für die Wertermittlung eines Hauses ein Gutachter für ein paar tausend Euro bestellt werden muss. Selbst wenn am Ende gar kein Geld zum Ex-Partner fließt, kostet allein das Verfahren so viel Gebühren, dass die steuerlichen Vorteile aus der Ehezeit leicht damit aufgefressen werden können, vor allem, wenn die Ehe nur kurz dauerte. Nicht ohne Grund lassen sich daher viele seit Jahren getrennte Paare nicht offiziell scheiden. Immerhin sind nun Gebühren für Anwalt und Gericht durch ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf voll steuerlich absetzbar.

          Paare, die von vornherein nicht geheiratet haben, müssen diesen finanziellen Aufwand nicht tragen. Sie können daher aber auch so gut wie keine finanziellen Leistungen vom Partner erwarten. Allerdings können sie alle wichtigen Fragen in einem Vertrag regeln. Kommt es hier im Trennungsfall zu Ärger und muss ein Anwalt helfen, entstehen auch hier schnell größere Kosten.

          Scheidung: Rentenansprüche

          Die Rentenansprüche, die beide Partner in der Ehezeit erworben haben, müssen sie miteinander teilen. Das heißt, der Partner, der mehr verdient hat und damit höhere Ansprüche erworben hat, muss seiner Ex einen Ausgleich zahlen, den Versorgungsausgleich. Auch der Zuwachs im Vermögen, aber nicht das gesamte Vermögen, muss geteilt werden. Ein in der Ehezeit erhaltenes Erbe allerdings nicht. Unverheiratete Paare haben keine solchen Ansprüche.

          Scheidung: Unterhalt

          Im Unterhalt für Kinder unterscheiden sich Ehepaare und unverheiratete Paare nicht. Ist das Kind unter drei Jahre alt, ist auch Unterhalt für die Mutter zu zahlen - die Höhe ist in Ehe und Nicht-Ehe gleich und beträgt so viel, wie sie ohne Kind verdient hätte. Vom dritten Geburtstag an hat die unverheiratete Mutter keinen Anspruch mehr auf Unterhalt für sich, die Ex-Ehefrau hingegen schon. Sie ist nur gezwungen, eine Dreiviertelstelle anzunehmen. Für das fehlende Viertel muss der Ex-Mann sorgen, bis das Kind 14 Jahre alt ist. Hat die Frau lange nicht gearbeitet, wird ihr mehr Zeit eingeräumt, bis sie eine Stelle gefunden haben muss. Der Partner muss so lange voll für den Lebensunterhalt aufkommen.

          Abschaffung des Ehegattensplittings

          Entstammen aus der Partnerschaft keine Kinder, erhält der unverheiratete Partner keinen Unterhalt, der Ehepartner hingegen schon. Im Trennungsjahr muss der Lebensstandard gewährleistet sein, der in der Ehe bestand. Nach der Scheidung ist jeder für sich allein verantwortlich. Allerdings wird manchmal eine Übergangszeit eingeräumt, in der noch Unterhalt gezahlt wird, wenn jemand lange nicht gearbeitet hat. Bei langen Ehen von mindestens 20 Jahren kann das bis zum Ruhestand dauern.

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