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Steigende Inflation : Angriff auf unser Geld

Die Inflation ist ein Geldmonster: Es frisst die Werte der klassischen Sparer auf. Bild: Getty Images

Die Inflation ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Das frisst unsere Ersparnisse auf. Höchste Zeit, sich zu wehren. Und sich anderen Strategien zu widmen.

          Beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden stand zum Jahresbeginn ein Routinetermin an. Die Ankündigung im Terminkalender der Behörde klang wenig spektakulär: „Vorläufiger Verbraucherpreisindex (Dezember)“. Auch die Pressemitteilung, die später verschickt wurde, war in nüchternem Ton gehalten. Es schien fast so, als wolle man ihren spektakulären Inhalt vor der Welt verbergen: „Die Inflationsrate in Deutschland betrug im Dezember 2016 voraussichtlich 1,7 Prozent.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein lapidarer Satz. Doch in Deutschland ist die Aufregung seit seiner Veröffentlichung gewaltig. Denn einen solchen Anstieg der Preise hat die Republik seit dem Jahr 2013 nicht mehr gesehen. Noch im Vormonat hatte die Inflationsrate gerade einmal 0,8 Prozent betragen, nun ist die Überraschung groß. Die Furcht vor der Geldentwertung, die seit der Hyperinflation der 1920er Jahre immer wiederkehrt in der Geschichte der Deutschen, ist zurück.

          Dabei hatte man hierzulande in den vergangenen Jahren fast schon daran zweifeln können, ob es jemals wieder Inflation geben würde. Minimale 0,3 Prozent betrug die Preissteigerung beispielsweise im Durchschnitt des Jahres 2015. Auch 2016 lag ihr Wert in den meisten Monaten zwischen 0 Prozent und 0,4 Prozent. Anders ausgedrückt: Inflation war in Deutschland so gut wie nicht mehr vorhanden. Bis eben das Statistische Bundesamt seine jüngsten Zahlen veröffentlichte.

          Klassisches Sparen könnte teuer werden

          Historisch betrachtet, ist ein Wert von 1,7 Prozent nicht viel, da hat Deutschland beispielsweise zu Beginn der 1990er Jahre bereits Phasen deutlich höherer Inflation erlebt. Kein Wunder also, dass nicht wenige Ökonomen derzeit zu beschwichtigen versuchen: Der aktuelle Anstieg sei nun wirklich nicht die Welt, was sei denn schon groß dabei?

          Doch das ist ein Irrtum. Wenn nun mancher Ökonom verharmlosend von der Rückkehr der Inflation spricht, klingt dies fast so, als handele es sich dabei um einen freundlichen Bekannten, den man eben nur für einige Zeit aus den Augen verloren hat. Doch die Wahrheit ist: Wie sie es zu allen Zeiten getan hat, vernichtet die Inflation auch jetzt wieder den Wert unseres Vermögens. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zu früheren Zeiten. Dieses Mal sind gerade die Deutschen mit einer Härte betroffen wie selten zuvor, denn der jetzige Angriff auf unser Geld ist von besonderer Perfidie. Hans-Werner Sinn, der langjährige Präsident des Münchener Ifo-Instituts, sagt es so: „Für die meisten Sparer bedeutet die höhere Inflation einen Verlust an Sparkapital in vollem Umfang.“

          Das hat mit einer besonderen Konstellation zu tun, die in der Geschichte der Inflation zumindest in Deutschland ohne Vorbild ist. Noch nie kamen ein deutlicher Anstieg der Teuerung und eine Nullzinsphase zusammen. Genau das aber ist jetzt der Fall. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hält unter ihrem Präsidenten Mario Draghi den Leitzins weiter bei null Prozent und kauft außerdem jeden Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Umfang von derzeit 80 Milliarden Euro auf, was im Ergebnis bedeutet: Klassisches Sparen ist zu einer nahezu unmöglichen Angelegenheit geworden. Wer wie die Deutschen insgesamt mehr als 2200 Milliarden Euro vor allem auf dem Girokonto oder Tagesgeldkonto hat, erhält dafür schon lange keine Zinsen mehr.

          Zusammengenommen mit den jüngsten Inflationszahlen, heißt das aber auch: Jeder Anstieg der Inflation schlägt voll auf den Wert des Ersparten durch. Da es fürs Geld nichts mehr gibt, können all die klassischen Sparer, zu denen die meisten Deutschen nach wie vor zählen, den Angriff der Inflation also nicht einmal mehr durch höhere Zinsen abfedern. Eine bedrohliche Entwicklung.

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